Frage von TimWei, 91

Können Rechnungen bei Einzelveranlagung von einer Person in voller Höhe abgesetzt werden, wenn diese vom Gemeinschaftskonto beglichen wurden?

Hallo,

ich plane für dieses Jahr Einzelveranlagung, denn es stehen für mich hohe Arztrechnungen an und diese sollen nur ein meiner Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden (Einkommen meiner Ehefrau soll die zumutbare Belastung nicht erhöhen).

Kann ich die Rechnungen vom Gemeinschaftskonto (Kontoinhaber sind meine Ehefrau und ich) begleichen und in meiner Steuererklärung in voller Höhe angeben? Oder muss ich ein Einzelkonto eröffnen, da die Kosten ansonsten zur Hälfte meiner Frau zugerechnet werden?

Vielen Dank Tim

Antwort
von EnnoWarMal, 71

Ja.

Es geht ja um Aufwendungen, die abgesetzt werden sollen und nicht um Zahlungsströme. 

Ob das jedoch sinnvoll ist, war ja hier nicht gefragt.

Kommentar von Brigi123 ,

Du sollst Dir also ausrechnen, welche Veranlagung tatsächlich besser ist. Beide Varianten eingeben.

Möglicherweise ist der Vorteil der höheren außergewöhnlichen Belastung geringer als der Nachteil der Einzelveranlagung.

Kommentar von TimWei ,

Vielen Dank für die Antwort und den Kommentar. Ich habe beide Veranlagungsarten durchgerechnet - die Einzelveranlagung führt in unserer Konstellation insgesamt zu einer höheren Steuererstattung als die gemeinsame Veranlagung.

Mir geht es also nur darum, ob das Finanzamt bei einer Zahlung vom Gemeinschaftskonto Probleme macht, wenn ich den entsprechenden Aufwand komplett in meiner Erklärung angebe.  Falls ja, müsste ich extra für diese Vorgänge ein Einzelkonto einrichten und von dort zahlen. 

Kommentar von Brigi123 ,

Enno hat Dir geantwortet, dass Du das Gemeinschaftskonto nehmen kannst (“es geht nicht um Zahlungsströme“). Es geht nur darum, wem diese Rechnungen zuzuordnen sind. Ich übersetze hier nur.

Kommentar von TimWei ,

Vielen Dank für die "Übersetzung". Ich bin wirklich sehr dankbar für Ennos Antwort und Deine Kommentare. 

Ich habe verstanden, dass es darum geht, wem die Aufwendungen   zuzurechnen sind - nicht die Zahlungen. Es gibt hierzu aber auch Aussagen, dass eine klare Zurechnung kaum möglich ist:

"Bilden die Ehegatten eine Wirtschaftsgemeinschaft, wird sich oft nicht feststellen lassen, wer welche Aufwendungen getragen hat. Das gilt noch deutlicher, wenn die Ehegatten Gemeinschaftskonten führen. Die Frage, wer welche Aufwendungen getragen hat, lässt sich dann selbst in der Theorie nicht beantworten." 

Auch wird die Meinung vertreten, dass die Aufwendungen beliebig einem Ehepartner zugeordnet werden können:

"...können die Ehegatten die gesamten Aufwendungen steuerlich demjenigen zuweisen, bei dem sie zu einer höheren Steuerersparnis führen." So gesehen kann ich die Aufwendungen für meine Behandlung sogar bei der meiner Frau eintragen...

Quelle: https://www.haufe.de/unternehmensfuehrung/profirma-professional/veranlagungsform...

Wie schätzt ihr dies ein?

Kommentar von EnnoWarMal ,

Wie schätzt ihr dies ein?

So wie es Brigi123 beschrieben hat. Denn selbst wenn der andere Ehegatte bezahlt hat, dann hat er den Betrag doch lediglich geschenkt und es kommt dasselbe dabei heraus, als wenn er das Geld in die Hand gegeben hätte und gesagt hätte "Nun bezahl!"

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