Frage von tommytom, 125

Kleinunternehmerregelung - Nettoumsatzgrenze 14.705,88 €?

Hallo,

wer z.B. "Kleinunternehmerregelung 14.705,88" googelt, findet viele Seiten, auf denen behauptet wird, dass man, wenn man KU bleiben will, keinen höheren Nettoumsatz als 14.705,88 € im laufenden Jahr haben darf, weil darauf noch 19% Ust. angerechnet werden (=17,500€).

Das ist etwas irritierend.

Ich nehme beispielsweise die KUR in Anspruch und verkaufe bei Ebay. Die Käufer bezahlen immer einen Betrag X inklusive der Versandkosten. Diese Beträge X aufsummiert dürfen am Ende des Jahres (ich habe keine anderen gewerblichen Einnahmen, nur Kapitalerträge, aber die gehören ja nicht dazu) nicht 17,500 € überschreiten, dachte ich bisher. Ist das richtig? Oder dürfen diese Beträge aufsummiert 14.705,88 € nicht überschreiten?

Ich dachte, in diesen Beträgen X die ich von den Käufern erhalte, sind bereits Mwst enthalten, nur dass ich diese Ust nicht an das Finanzamt abführen muss.

Über Aufklärung wäre ich sehr dankbar. Vielen Dank!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von blackleather, 87

wer z.B. "Kleinunternehmerregelung 14.705,88" googelt, findet viele
Seiten, auf denen behauptet wird, dass ... Das ist etwas irritierend.

Deswegen googelt man in steuerrechtlichen Fragen auch nicht im Internet herum, wo jeder Hinz und Kunz jeden Bullshit verbreiten kann, sondern geht zu einem Steuerberater, der für etwaige Falschauskünfte haftet und deswegen ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit in seinen Aussagen bietet.

Ist das richtig?

Ja.

Oder dürfen diese Beträge aufsummiert 14.705,88 € nicht überschreiten?

Nein, sie dürfen.

-----------------------------------------------------------------------------------------------

§ 19 Abs. 1 UStG:

"Die ... Umsatzsteuer wird ... nicht erhoben, wenn der ... Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17 500 Euro nicht überstiegen hat..."

Bedeutet:

14.705,88 € zzgl. 19 % v. 14.705,88 € (= 2.794,12 EUR) = 17.500,00 €.

Du wirst doch aber nicht anfangen, aus deinen Rechnungsbeträgen herauszurechnen, ob deren fikitives Netto auf maximal 14.705,88 € kommt. Vielmehr wirst du doch einfach deine Bruttoumsätze zusammenzählen und darauf achten, ob sie 17.500,00 € übersteigen oder nicht.

Kommentar von tommytom ,

Deswegen googelt man in steuerrechtlichen Fragen auch nicht im Internet herum, wo jeder Hinz und Kunz jeden Bullshit verbreiten kann, sondern geht zu einem Steuerberater, der für etwaige Falschauskünfte haftet und deswegen ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit in seinen Aussagen bietet.

... und für die gleichen Infos wie die die du bereit warst mir hier zu geben wahrscheinlich einen dreistelligen Betrag verlangt hätte.

"Die ... Umsatzsteuer wird ... nicht erhoben, wenn der ... Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17 500 Euro nicht überstiegen hat..."
Bedeutet:
14.705,88 € zzgl. 19 % v. 14.705,88 € (= 2.794,12 EUR) = 17.500,00 €.

Eben dachte ich noch, ich hätte es verstanden. Einerseits wird einem gesagt, dass ein Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer ausweisen und abführen soll. Im Endeffekt existiert sie für ihn aber doch und er muss sie offenbar berücksichtigen, wenn er seine Grenzen einhalten und es dem Staat recht machen will. Was ist in diesem Land nur los?

Ich versuche es mal auf den Punkt zu bringen.

Die Einnahmen bei einem Kleinunternehmer (von mir bereits als 'X' definiert) ergeben sich aus einem fiktiven Nettoumsatz und der fiktiven Umsatzsteuer 19% davon.

Wenn ein Kleinunternehmer also inklusive Versandkosten einen USB-Stick bei Ebay für 10,00 € verkauft und auf der Rechnung keine Umsatzsteuer (=0%) ausweist mit Hinweis auf §19 Ustg (bereits auch schon in der Artikelbeschreibung), dann hatte er in diesem Fall einen fiktiven Nettoumsatz von 8,10 € und eine fiktive Umsatzsteuer von 1,90 € (obwohl keine dieser Zahlen weder auf der Artikelbeschreibung auf Ebay noch in der Rechnung auftauchen).

Wenn er nur diesen einzigen Stick in seinem Shop verkauft und keine anderen Einnahmen aus seinen Unternehmerischen Tätigkeiten hat, dann darf er maximal 1700 Stück (oder 1699?) davon im Jahr verkaufen (kein Gründungsjahr) damit er im nächsten Jahr wieder die KUR in Anspruch nehmen kann.

Er brauch darüber hinaus diese fiktive Umsatzsteuer nicht an das Finanzamt abführen, wenn er in dem entsprechendem Jahr die KUR in Anspruch nimmt.

Habe ich das so richtig verstanden? Ein "Ja" von möglichst vielen Lesern wäre wahrscheinlich auch hilfreich für viele andere Leser, die wegen dieser Verwirrung im Internet "umhergoogeln" und hier landen ;-) vielen Dank.

Kommentar von blackleather ,

wahrscheinlich einen dreistelligen Betrag verlangt hätte.

Steht ihm doch auch zu, wenn er Dinge weiß, die du nicht weißt, und dafür jahrelang lernen musste und weiterhin lernen muss, um auf dem Laufenden zu bleiben - oder nicht?

Und da er vermutlich kein Kleinunternehmer sein wird, muss er von diesem dreistelligen Betrag schon mal 19/119 ans Finanzamt abführen und von dem Rest seine Betriebsausgaben bestreiten.

darf er maximal 1700 Stück (oder 1699?) davon im Jahr verkaufen


Weder, noch.
Richtige Lösung: 1.750 Stk.

Habe ich das so richtig verstanden?


Ja.
By the way: Mit der Formulierung "wird ... nicht erhoben" im Gesetz ist ja nicht gemeint, dass der Kleinunternehmer keine MWSt von seinen Kunden erheben darf (Das macht er nämlich immer und in jedem Fall, wenn seine Leistung umsatzsteuerpflichtig ist - auch wenn er sie in seiner Rechnung nicht ausweisen darf!). Vielmehr meint das Gesetz, dass diese Steuer von ihm nicht erhoben wird, also nicht vom Finanzamt einkassiert.

Antwort
von Mikkey, 88

Nein, es ist keine MWSt in Deinen Erlösen enthalten, Du erhebst schließlich keine.

Allerdings ist m.W. nicht nur X sondern auch die Versandkosten mitzuzählen.

Wenn der Gesetzgeber eine Grenze von 14.705,88@ gewollt hätte, so würde die sicher im Gesetz stehen.

Kommentar von tommytom ,

Also mich irritiert dieser Text (von https://www.haendlerbund.de/rechtsinformationen/88-wichtige-aenderungen-fuer-kle...)

"Die inzwischen durchgeführte gutachterliche Auseinandersetzung des Händlerbundes mit dem Regelungssystem für Kleinunternehmer ergibt jedoch, dass die vom Kleinunternehmer getätigten Umsätze die Mehrwertsteuer enthalten, sie wird jedoch nicht in der Rechnung ausgewiesen und auch nicht beim Kleinunternehmer erhoben, das heißt, die Mehrwertsteuer muss nicht an das Finanzamt abgeführt werden."

So oder so ähnlich habe ich es auch schon an anderen Stellen gelesen. Man kann es wohl offenbar nicht kompliziert genug machen.

Dass die Versandkosten zu den X gehören, war mir schon klar. Vielen Dank

Kommentar von tommytom ,

Nein, es ist keine MWSt in Deinen Erlösen enthalten, Du erhebst schließlich keine.

Ich denke mittlerweile, dass doch in den Einnahmen zumindest eine sog. fiktive Umsatzsteuer enthalten sein muss. Auch hier steht soetwas:

http://www.kleinunternehmer.de/faq.htm

"Da die Umsatzsteuer bei Kleinunternehmern jedoch „nicht erhoben“ wird, ist in den Kleinunternehmer-Einnahmen der nicht erhobene Umsatzsteueranteil bereits enthalten. "

Für mein abschließendes Kommentar bitte meine Antwort auf blackleather lesen.

Kommentar von Mikkey ,

Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob eine nichterhobene Mehrwertsteuer fiktiv irgendwo mit drin ist.

Du erhebst keine Mehrwertsteuer, nimmst daher auch keine ein und hast deswegen auch keinen abweichende"n fiktiven Nettobetrag.

Überschreiten Deine Einnahmen 17 500€, ist es für das Folgejahr mit der "KUR" vorbei. Nur das ist wichtig.

Übrigens kann man sich mit dem hinter Deinem Link gegebenen Vorschlag "inkl. MWSt" auf die Rechnung zu schreiben, Ärger einhandeln. Vorsteuerabzugsberechtigte Kunden könnten das nämlich wörtlich nehmen.

Kommentar von tommytom ,

das sehe ich genauso. Deswegen lasse ich das auch bei mir weg. Unfassbar dass sowas von Anwälten empfohlen wird.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community