Kann Reisezeit als Arbeitszeit geltend gemacht werden?

...komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Die Fahrt von zuhause bis zu Deinem regelmäßigen Arbeitsort (i.a. der Standort des Arbeitgebers, der lt. Arbeitsvertrag Dein Dienstort ist), wird vom Arbeitgeber normalerweise nicht vergütet, da es sich um keine Arbeitszeit handelt. Der Arbeitgeber kann einen Zuschuß für die Fahrt gewähren (z.B. einen festen EUR-Betrag pro Arbeitstag), muß aber nicht, sofern nicht eine Betriebsvereinbarung das vorschreibt.

Die Fahrt vom Arbeitgeber zu einem Projektstandort, Kunden, Partner etc. ist eine Dienstreise. Fährst Du von Deiner Wohnung direkt dorthin, beginnt die Dienstreise bereits an Deiner Haustür. Reisezeit ist Arbeitszeit. Ob sie vergütet wird, hängt von Deinem Vertrag und ggf. eine bestehenden Betriebsvereinbarung zu Dienstreisen ab. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, Reisezeiten zu vergüten. Das kann einzelvertraglich geregelt werden. Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, von denen ich weiß, daß sie alle real existieren:

  • Keine Vergütung von Reisezeiten, da mit dem Gehalt abgegolten

  • Vergütung von Reisezeiten bis zu einer max. Arbeitsstundenzahl pro Tag (z.B. 8 Stunden Arbeit, 6 Stunden Reisezeit, es werden nur 2 Stunden auf das Gleitzeitkonto angerechnet, da die Deckelung bei 10 Std. erfolgt)

  • Hälftige Vergütung von Reisezeiten

  • Volle Vergütung von Reisezeiten

Es kommt auch darauf an, was die Auftraggeber bezahlen. Bei vielen Rahmenvereinbarungen von Unternehmen mit Kunden sind Reisezeiten nicht separat zu vergüten, d.h. diese Unternehmen werden mit ihren häufig auf Dienstreisen befindlichen Mitarbeitern auch entsprechende Verträge abschließen wollen.

Daher:

  • Lies Deinen Arbeitsvertrag

  • Lies nochmals die Betriebsvereinbarungen zum Thema (auch die zur Gleitzeitregelung)

  • Sprich mit dem Betriebsrat

PS: Zwei Stunden Fahrt sind natürlich nicht viel, sammeln sich jedoch an. Wie steht es denn mit der Vergütung der Reise-km?

freelance 26.09.2013, 14:19

DH.

so kenne ich das auch. Da fällt mir auf, dass wir für alles Regelungen haben, Gerichtsurteile etc. Aber für sowas scheint es noch keine Gesetze oder Urteile zu geben...

0
gandalf94305 26.09.2013, 14:36
@freelance

Man muß vielleicht nicht gleich alles gesetzlich regulieren wollen. Jeder kann doch bei der Bewerbung fragen, wie das gehandhabt wird... und gerade Beratungsjobs sind doch am Anfang eher dazu da, daß der Berater etwas lernt, als daß man hier jede Minute Reisezeit vergütet haben will.

0

Wenn die Nutzung des PKW nicht umgangen werden kann oder der Arbeitgeber diese anordnet, gilt die Fahrzeit als Arbeitszeit . Wird die Dienstreise mit einem Pkw absolviert und steuert der Arbeitnehmer das Fahrzeug selbst, so erbringt er eine Arbeitsleistung und die Zeit wird ebenfalls als Arbeitszeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes gewertet.

Lies doch mal diesen Beitrag :

http://www.rehmnetz.de/Personal/Arbeitsrecht/Arbeitsrechtunterseiten/Reisezeit-ist-nicht-gleich-Arbeitszeit-4340.html

Gruß Z... .

wenn du jeden Tag von zuhause zur Arbeitsstätte und von dort zum Projekteinsatzort fährst, dann wird man dir die Frage stellen, wieso du überhaupt zur Arbeitsstätte fährst und nicht gleich zum Projekt. Meist wird dann während der Projektphase der erste Weg überflüssig und das Projekt wird zur Arbeitsstätte. Das wirkt sich auf die Diskussion Reisekosten aus.

Generell sind Reisekosten und deren Abrechnung in einer Reiskostenrichtlinie geregelt. Jeder Konzern, jede Firma regelt das anders. Ich kenne einige und es gibt immer Aspekte, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, weil es immer Argumente dagegen gibt.

Ich kenne Firmen, bei denen Reisezeit zu 50% gewichtet ist. Ich kenne Firmen, bei denen die direkte regelmässige Anreise zum Kunden (nicht über die Arbeitsstätte) keine Arbeitszeit ist. Ich kenne Firmen, bei denen die ersten x Stunden Anreise zu 100% Arbeitszeit sind, der Rest zu einer geringeren Gewichtung.

Des Rätsels Lösung findet sich in den Reisekostenrichtlinien deiner Firma. Es gibt viel zu viele Varianten, die hier möglich sind.

Ich würde in der heutigen Zeit nicht allzu forsch den letzten Cent aus Deinem neuen Arbeitgebe heraus zu quetschen versuchen. Erinnere Dich an die Zeit Deiner Arbeitslosigkeit, sprich nicht von Fairness, sondern denke an Dankbarkeit. Zu denken sollte Dir auch geben, dass z.B. ein Arbeiter/Beamter etc. täglich 1,5 Stunden einfach im Zug sitzt und hierfür absolut garnichts bekommt.

Hallo

was ist fair und was unfair ?

Du bist ja laut Posting in einer Beratung tätig. Wenn man in einer Firma anfängt wo Reisetätigkeit und Einsatz bei Kunden gang und gäbe ist erkundigt man sich VORHER über das Handling mit Reisezeit.

In manchen Beratungshäusern ist Reisezeit mit Gehalt abegolten bei anderen kriegst du Pauschalen oder Zeitgutschriften.

Pauschal lässt es sich nicht sagen. Du hast ja auch sicherlich in deinem Arbeitsvertrag eine Wochenarbeitszeit geregelt, Da sollten auch die Überstunden geregelt sein.

Meistens steht da nichts über Reisekosten etc :) Und das FAIR und UNFAIR kannst du aus dem Wortschatz streichen. Das kennt man evtl an der UNI, Willkommen in der Realität :)

Was möchtest Du wissen?