Frage von TimWei, 120

Kann meine Ehefrau meine Arztrechnung zahlen und dann absetzen (getrennte Veranlagung)?

Hallo, 

kann meine Ehefrau die Rechnung für meine Arztbehandlung bezahlen und dann als außergewöhnliche Belastung absetzen? 

Angedacht ist eine getrennte Veranlagung. Das Einkommen meiner Frau ist deutlich niedriger als mein Einkommen und somit auch die zumutbare Belastung, also ihr nicht absetzbarer Eigenanteil.

Kann die Zahlung meiner Frau von unserem Gemeinschaftskonto erfolgen oder benötigt sie dann ein eigenes Konto?

Vielen Dank

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, Community-Experte für einkommensteuer, 82

Wozu bei dem Sachverhalt diese Frage?

Wenn das Einkommen Deiner Frau erheblich geringer ist, ist wiederum die Einzelveranlagung quatsch.

Ausserdem würde das nicht klappen, wenn ihr die Einzelveranlagung wählt, da kann nur jeder seine Kosten abziehen.

Kommentar von TimWei ,

Einzelveranlagung und Zahlung durch meine Frau würde in Summe zur höchsten Steuererstattung führen, da bei ihr nur ein geringer Eigenanteil (zumutbare Belastung) von den Kosten abgezogen würde. Gemeinsame Veranlagung würde zu einem sehr hohen Eigenanteil führen und somit zur geringsten Steuererstattung insgesamt.

Kommentar von Snooopy155 ,

Dein Denkfehler ist, daß bei einer Einzelveranlagung Deine Frau nur Kosten geltend machen kann, die von ihr verursacht wurden. Daß sie Deine Rechnung bezahlt ist für das Finanzamt uninteressant.

Kommentar von TimWei ,

Danke. Darauf gekommen bin ich, da ja im § 26a Abs 2 EStG steht:

"Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und die Steuerermäßigung nach § 35a werden demjenigen Ehegatten zugerechnet, der die Aufwendungen wirtschaftlich getragen hat." 

Dies deute ich so, dass es darauf ankommt, wer die Kosten trägt, also wer die Rechnung zahlt.

Kommentar von wfwbinder ,

Das gilt, wenn die Ausgaben für beide sind, aber nicht bei so klar zurechenbaren Kosten.

Kommentar von TimWei ,

Bei der weiteren Recherche bin ich auf diese Kommentierung gestoßen: 

http://www.ertragsteuerrecht.de/media/EStG_026a_251_04-2012_AnmJ11-1-J11-11.pdf

dort Seite 7: 

 "Entsprechende Aufwendungen müssen dem Ehegatte zwangsläufig erwachsen sein. Da er jedoch gegenüber seinem  Ehepartner zum Unterhalt verpflichtet ist,   kann im Regelfall dahingestellt bleiben, für welchen der Ehegatten die Aufwendungen tatsächlich erwachsen sind." [...]

Demnach könnte meine Ehefrau selbst die klar mir zurechenbaren Aufwendungen für meine Behandlung übernehmen und dann in ihrer Steuererklärung absetzen. Richtig? 

auch Seite 7: 

Wirtschaftliches Tragen: Neben der Anspruchsberechtigung ist weitere Voraussetzung, dass der Ehegatte die Aufwendungen wirtschaftlich getragen hat. Wirtschaftlich getragen werden Aufwendungen von einem Stpfl. dann, wenn er durch die Zahlung in seiner stl. Leistungsfähigkeit herabgesetzt wird. Woher die Mittel kommen, mit denen der Ehegatte die Zahlungen erbracht hat, ist ohne Bedeutung. Er kann die Aufwendungen aus seinem Einkommen oder aus dem ihm zuzurechnenden Vermögen tätigen.

Demnach kann meine Frau meine Rechnungen ohne weiteres vom Gemeinschaftskonto zahlen. Richtig?

Wäre für Eure Einschätzung sehr dankbar... 

Kommentar von wfwbinder ,

DEr Hermann/Heuer ist ein namhafter Kommentar, aber für einen Finanzbeamten ist ein Kommentar keine Entscheidungsgrundlage.

Der richtet sich:

1. Nach dem Gesetz

2. der Durchführungsverordnung

3. der Richtlinie

4. nach eventuellen BMF Schreiben

5. u. U. noch nach Entscheidungen des BFH, soweit es dafür nicht einen "Nichtanwendungserlass" gibt.

Antwort
von EnnoWarMal, 63

Nein. Und wenn sie meine Arztrechnung bezahlt, kann sie es auch nicht absetzen.

Wie kommt man denn auf so eine Idee, die Kosten eines anderen absetzen zu wollen?

Kommentar von TimWei ,

Danke. Darauf gekommen bin ich, da ja im § 26a Abs 2 EStG steht:

"Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und die Steuerermäßigung nach § 35a werden demjenigen Ehegatten zugerechnet, der die Aufwendungen wirtschaftlich getragen hat." 

Dies deute ich so, dass es darauf ankommt, wer die Rechnung zahlt,  nicht wer die Kosten "verursacht" hat.

Sicherlich wäre es nicht absetzbar, wenn die Rechnung eines Fremden übernommen wird, da diese Kostenübernahme nicht zwangsläufig sondern freiwillig wäre und somit keine außergewöhnliche Belastung darstellt. 

Wenn aber die Kosten des Ehepartners übernommen werden, könnte ich mir schon vorstellen, dass der Zahlende die Kosten absetzen kann, da die Kosten für das Ehepaar ja zwangsläufig sind.

Sicher bin ich mir aber auch nicht...

Kommentar von EnnoWarMal ,

Falsch gedeutet.

Deine Frau hat dir den Betrag zum Bezahlen der Arztrechnung geschenkt und du hast sie bezahlt. Die Schenkung war geringfügig genug, so dass Ausführungen zur Schenkungsteuer entbehrlich waren.

Wir Steuerrechtler nennen sowas "abgekürzter Zahlungsweg".

Sicherlich wäre es nicht absetzbar, wenn die Rechnung eines Fremden übernommen wird, da diese Kostenübernahme nicht zwangsläufig sondern freiwillig wäre und somit keine außergewöhnliche Belastung darstellt. 

Hier hast du es ja selbst analysiert.

da die Kosten für das Ehepaar ja zwangsläufig sind.

Nein. Sie sind für DICH zwangsläufig. 

Eine Ehe ist in erster Linie ein zivilrechtliches Rechtskonstrukt. Dass der Gesetzgeber eine Zusammenveranlagung für Eheleute gebaut hat, ist ein Zugeständnis der 30er Jahre. Man muss das nicht überbewerten.

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