Kann man die Pflege für Lebensgefährten ablehnen?

3 Antworten

Ich habe in meinem Bekanntenkreis einen Fall in dem sich die Ehefrau an der Pflege ihres an Alzheimer erkrankten Mann völlig aufgerieben hat und kann Dir eigentlich nur raten, der Realität ins Auge zu sehen: Für diese Erkrankung gibt es keine Heilungsmöglichkeit und der Krankheitsverlauf erfolgt schubweise, dh, es wird ständig schlimmer. Eine Einzelperson ist mit der Pflege völlig überfordert, insbesondere weil derartig Erkrankte zu allen Tages- und Nachtzeiten aktiv werden können und in ihrem verwirrten Zustand das schlimmste Unglück anrichten. Eine Heimunterbringung erscheint die einzig vernünftige Lösung. Dabei sollte man aber große Sorgfalt bei der Auswahl des Heims walten lassen. Viele Altenheime werben damit, auch Demenzfälle betreuen zu können, sind aber in Wahrheit schlecht dafür ausgerüstet.

Irgendeinen Sinn muss es ja gehabt haben, dass er sich nicht scheiden ließ um Dich zu heiraten.

Es mag hart klingen, aber wenn das sowieso nichts Halbes und nichts Ganzes war, kannst Du Dich bei der Pflege zurück halten und das denen überlassen, die sich später das Erbe teilen.

Hallo, wfwbinder ja es hatte den Sinn, dass ich relativ unabhängig in meinen finanziellen und beruflichen Entscheidungen bleiben konnte. Bei über 20 Jahren Zusammenleben kann man auch nicht so einfach davon sprechen, dass es nichts Halbes und nichts Ganzes war. Eine Scheidung ist aber nicht immer die vernünftigste Lösung..... Mir scheint, dass meine bisherige Arbeit für den Rest der Familie - Ehefrau, 3 eheliche und 1 nichteheliches Kind - schon eine nicht zu verachtende Entlastung ist.

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@blauwal

Jeder trifft die Entscheidungen für seine Lebensgestaltung selbst, nach seinen eigenen Maßstäben.

So wie es für Dich gut war/ist, währe es für mich völlig unmöglich. ich habe noch nicht einmal Rendezvous mit Frauen gemacht, wenn ich wußte, das die noch verheiratet waren.

Aber wie schon geschrieben, jeder so, wie er sich am wohlsten fühlt.

Aber sonst bleibt es bei meinem Statement, wenn Du schon so lange Lasten übernommen hast, kannst Du Dich m. E. zurückziehen.

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Wie es Dir momentan geht, kann ich gut nachfühlen, denn meine Mutter war vor einigen Jahren in der gleichen Situation.

Sie war hin und her gerissen, denn sie wollte ihrem Lebensgefährten gegenüber nicht als lieblos dastehen, fühlte sich mit der anstehenden Pflege total überfordert und hatte Angst, dass die Zuneigung zu ihm ins Gegenteil umschlagen könnte.

Schweren Herzens hat sie sich damals für ein Pflegeheim entschieden und diese Entscheidung nie bereut. Die Krankheit entwickelte sich so schnell weiter zum Negativen, dass eine häusliche Pflege - wenn überhaupt, dann nur für eine kurze Zeit möglich gewesen wäre.

Du solltest also auf Dein inneres Gefühl hören und Dir nicht aufbürden, was Du nicht bewältigen kannst.

Gerade aus Respekt und erst recht aus Liebe zu dem Menschen, der einem so vertraut ist, sollte man nicht alles aufgeben, was das Leben früher ausgemacht hat.

Und noch ein Wort an die Kollegen, die hier eine Finanzfrage vermissen: Denkt dran, dass jeder von uns ganz schnell in eine solche Situation kommen kann und dann über jeden Ratschlag froh ist - egal wo er herkommt.

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