Kann man den Arbeitgeber bitten Abgaben höher zu berechnen um Nachzahlungen zu vermeiden?

4 Antworten

Nach § 38b (3) Satz 1 EStG kann auf Antrag des Arbeitnehmers eine für ihn ungünstigere Steuerklasse gebildet werden.

Das heißt, nicht der Arbeitgeber, sondern das Finanzamt ist hier der Ansprechpartner.

Das verstehe ich nicht, wie du das meinst?

Die vom AG abgeführte und die vom Finanzamt berechnete Einkommensteuer stimmen ja quasi überein.

Der AN hat Stkl. 1, schlechter geht es wohl kaum mit erster Steuerkarte.
Es wurde ja nur der Soli falsch bzw. zu niedrig angesetzt. Er passt nicht zur vom AG berechneten Einkommensteuer, er müsste eigentlich bei ca. 200 € / Jahr liegen und wurde mit 65 € angegeben.

Das Finanzamt hat 92 € berechnet, aber nachdem bereits es das Brutto laut Steuererklärung gemindert (1 Kind, Pauschalen) hatte.
Bruttogehalt ist ca. 29.000 €
Zu versteuerndes Einkommen lt. FA lag bei 22.000 €.
Schließlich wurde auf eine Einkommensteuer von 1675 € der Soli berechnet.

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@kinderwerkstatt

Das sind zwei verschiedene Aspekte derselben Sache.

  1. Nach § 4 SolZG ist SolZ nur zu erheben, wenn die Lohnsteuer (hier) mehr als 162 Euro im Monat beträgt. Jetzt passt die von dir angegebene Lohnsteuer zwar rechnerisch rein, aber es kann sein, dass der Arbeitslohn unterschiedlich hoch war und somit in einem oder mehreren Monaten weniger als 162 Lohnsteuer abgeführt wird. Dann kommt es aus diesem Grund zu einer Nachzahlung.
  2. Das zweite ist, dass der Lohn womöglich falsch abgerechnet wurde.

Ohne die Abrechnungen zu sehen, ist es ohne Kristallkugel schwer, eine Aussage zu treffen.

Aber die Frage war ohnehin eine andere. Und die hab ich ja beantwortet. Steuerklasse 6 ginge noch. Aber ehrlich gesagt, da würde ich lieber drei andere Dinge versuchen:

  1. Prüfen, ob überhaupt eine Abgabepflicht besteht. Wenn keine besteht, eben keine Erklärung abgeben.
  2. Die 40 Euro einplanen, das sind nicht mal 3,50 Euro im Monat.
  3. Gucken, warum es nicht zu einer Erstattung kommt. Eine Erstattung wäre für mich logisch, denn bestimmte Dinge wie beispielsweise haushaltsnahe Dienstleistungen werden ja nicht beim Lohnsteuerabzug eingepreist. UNd die gibt es garantiert.
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@EnnoWarMal

Herzlichen Dank nochmal.
Zur Aufklärung: Er hat nur einen Job, daher 1. Steuerkarte, Klasse 1.
Er zahlt tatsächlich monatlich mindestens 260 € Lohnsteuer, daher auch Solizuschlag. Einzige Schwankungen entstehen durch eine jährliche Bonuszahlung (625) und das Weihnachtsgeld (1.200), also eher höher.

Nach Prüfung der Gehaltsabrechnungen ergab sich aber gestern, dass der Soli tatsächlich beim FA zu gering angegeben wurde. Zwar wurde 1 Kind berücksichtigt und die Bemessungsgrundlage für den Soli gesenkt, allerdings - jetzt kommts - wurden nach Summierung aller Solis eine andere Summe ermittelt. Fakt ist: Das zuständige Steuerbüro, dass für die Fa. die gehaltsabgaben macht und die Pflichtbeträge abführt, hat zwar richtig gerechnet, aber auf der Jahresbescheinigung einen falschen Betrag angegeben.

Genauer gesagt: Summiert man alle Solis des Jahres 2017 lt. Gehaltsabrechnungen, kommt man auf einen Betrag von etwa 120 €. Auf der Jahresendbescheinigung stehen aber tasächlich nur 65 €. (Berechnugn des FA: 92 €)

Außerdem fiel auf, dass für den Bonus (jährlich 625 €) ca 8 € Soli im Zuflußmonat Juni zusätzlich berechnet wurden, während für das regelmäßige Brutto monatlich 9,35€ abgeführt wurden. Da kann also wirklich was nicht stimmen.

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@kinderwerkstatt

Also ist die zweite Vermutung richtig.

Da heißt es Einspruch einlegen und eine korrigierte Abrechnung vorlegen.

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@EnnoWarMal

Ja, das werden wir machen.
Aber dazu muss der AG ja seine Angaben auch korrigieren, sonst müssten wir ALLE gehaltsabrechnungen für 3-4 Jahre als Beleg einreichen.

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Der Fehler scheint sich auf zu klären:

Wir haben gestern mal für das Jahr 2017 von jeder Gehaltsabrechnung die monatlich ausgewiesenen Solis (je 9,35 plus entsprechend Bonuszahlung und Weihnachstgeld) addiert und kommen auf eine Summe von ca. 120 €. Der AG bzw das beauftragte Steuerbüro, hat auf der Steuerbescheinigung 2017 aber nur 65 € Soli ausgewiesen. Es wurde also - unfassbarerweise - ein zu geringer Betrag ans FA übermittelt und als AN können wir ja erst mal nur das angeben, was der AG auch bescheinigt.

Sowas habe ich bisher noch nie erlebt.

Das Steuerbüro ist jetzt informiert und will angeblich selbst prüfen, allerdings: Weigert sich der AG den Fehler anzuerkennen, werden wir die Gehaltsabrechnungen dem FA vorlegen, dann sollen die sich darum kümmern. es geht pro Jahr zwar nur um ca. 30 €, trotzdem ist das nicht in Ordnung.

Ich weiß, der Betrag ist relativ gering, allerdings hat der Freund ein recht geringes Netto-Einkommen, ein paar kleinere Schulden und er zahlt zudem Unterhalt 500 € an zwei Kinder. Daher bedeutet die Nachzahlung für ihn schon etwas.

Alles in Allem waren die Angaben des AG / Steuerbüros nachweislch nicht korrekt, das muss korriegiert werden. Und zwar für die Jahre 2014 - 2017, wie auch für die Zukunft.

Hier muss noch etwas Problemanalyse betrieben werden. Warum ist der SolZ zu niedrig?

Das kann an Kinder liegen, die auf der Steuerkarte sind, aber nicht in der Steuererklärung landen, oder... fällt mir auf die schnelle nix ein.

Der Arbeitgeber muss sich an den Abzug lt. Steuerklasse halten und der SolZ sind halt 5,5% der LSt, wenn es keine Besonderheiten gibt.

Ja, es ist höchst merkwürdig. Ich versuche es mal anders auszudrücken:

Der AG hat Einkommensteuer i. H. v. 3568 € abgeführt, das FA hat später 3570 € berechnet. Soweit passt es. Nach Abzug abziehbarer Pauschbeträge etc. und unter Berücksichtigung aller vorliegender Merkmale (auch Kinder) führte der AG aber trotzdem nur 65 € Solidaritätszuschlag ab.

Die Erläuterung auf dem Steuerbescheid ergaben aber, dass ein Solizuschlag auf das bereits geminderte Bruttoeinkommen unter Berücksichtigung von einem Kind und die darauf entfallende Enkommensteuer (1.675 €) aber 92 € ergaben. Also mehr, als der AG auf das ungeminderte Einkommen berechnet hat.

Der AN hat in der Steuererklärung 2 Kinder angegeben (Steuer ID, Kindergeld steht nicht zu, Kinder leben bei der Mutter). Laut Bescheid wurde wie in den Steuermerkmalen angegeben 1 Kind berücksichtigt. (AG und FA).

Meines Erachtens sollte der Arbeitgeber 5,5% Soli berechnen, dann erhält der AN wenigstens aufgrund seiner Minderungen in der Steuererklärung wenigstens etwas zurück. Die Frage ist nur, darf man darauf bestehen?

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