Kann man Beiträge einer Rentenversicherung, die Pleite gegangen ist, steuerlich geltend machen?

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5 Antworten

Hallo allerseits,

zunächst ein mal vielen Dank für die zahlreichen Antworten und für die rege Beteiligung an der Fragestellung!

Zu dem Hintergrund meiner Frage:

Die im Jahre 2004 abgeschlossene Rentenversicherung ist tatsächlich pleite. Bei der Versicherung handelt es sich um ein Produkt der VDV Leben International AG. Da deren Produkte über eine deutsche Niederlassung von Vertretern aus mehreren Bundesgebieten vertrieben wurden, sind wir fälschlicherweise davon ausgegangen, dass ein deutsches Versicherungsunternehmen dahinter steckt. Leider sitzt die "Muttergesellschaft", oder genauer gesagt ein Briefkasten mit entsprechender Firmenanschrift, in Griechenland. Dieser Versicherung wurde 2011 seitens der griechischen Versicherungsaufsicht die Erlaubnis auf Zeichnung weiterer Verträge entzogen und dessen Abwicklung in die Wege geleitet. Die Bafin hat einen entsprechenden Pressebericht veröffentlicht. Zu den Hintergründen, warum es zum Entzug der Erlaubnis kam, ist nicht viel bekannt. Es besteht der Verdacht auf Untreue und Geldverschleppung.

Zu der bisherigen Abwicklung:

Nach dem Entzug der Erlaubnis wurde das Versicherungsunternehmen zum Kauf bzw. zur Übernahme angeboten. Nachdem wohl die Versicherungssumme rechtzeitig weggeschafft wurde, wollte sich kein anderes Versicherungsunternehmen einen Klotz ans Bein binden. Nach Ablauf von zwei Veräußerungsfristen ist nun ein vergleichbarer "Protektor" eingesprungen, der griechische Versicherungs-Garantie-Fond "PLIGF". Dieser sollte nach Erbringung einer Beweislast seitens der Versicherten eine Entschädigung in Höhe der Einzahlungen leisten. Leider ist es bisher zu keiner Auszahlung gekommen.

Zurück zu meiner Frage:

Seit 2004 bis 2010 wurden Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt. Diese Beiträge wurden bisher noch nie als Sonderausgabe in der Steuererklärung geltend gemacht. Kann der Ausfall der gezahlten Versicherungsbeiträge in irgendeiner Weise steuerlich geltend gemacht werden?

Über weitere Antworten, sowie interessante Diskussionen, würde ich mich freuen!

Vorab schon mal vielen Dank und schöne Grüße!

Da es so etwas noch nicht gegeben hat, wird dir das kaum jemand beantworten können. aber ich denke dies hier wird dir sicherlich weiterhelfen.

Die Versicherungen in Deutschland sind über die Auffanggesellschaft Protektor abgesichert.

Es gibt drei Szenarien für Versicherungen, die in Liquiditätsschwierigkeiten kommen.

  1. Kapitalspritze von anderen Versicherungsgesellschaft
  2. Aufkauf bzw. Übernahme von andere Versicherungsgesellschaft ( Hannoversche Leben)
  3. Zwangsverwaltung unter Protektor (Mannheimer Versicherung)

Britische Versicherungen sind meistens über den FSCS (Financial Service Compensation Scheme) abgesichert. Das ist der britische Feuerwehrfonds, der 90 % des Verkehrswertes der Versicherung im Insolvenzfalle absichert.


Protektor

Die Protektor Lebensversicherungs-AG ist die Sicherungseinrichtung für die Lebensversicherer in Deutschland. Protektor ist ein Unternehmen zum Schutz der Versicherten. Die Sicherungseinrichtung schützt Versicherte vor den Folgen der Insolvenz eines Lebensversicherers: Verträge werden fortgeführt; die Leistungen für die Altersvorsorge und der Risikoschutz bleiben erhalten, ebenso die bereits gewährten Gewinnbeteiligungen.

http://www.protektor-ag.de/protektor/25.aspx

Bei der privaten Rentenversicherung sind nur die Beiträge zur Basis- bzw. Rürup-Rente steuerlich absetzbar - unabhängig davon, ob die Versicherung Pleite gegangen ist oder nicht.

Deine eigentliche Frage ist schwer zu beantworten , weil es einen solchen Fall noch nicht gegeben hat; es ist noch keine Rentenversicherung Pleite gegangen. Sollte dieser Fall eintreten, müsstest Du ja für viele Jahre Beiträge steuerlich geltend machen müssen. Keine Ahnung, ob das geht.

Aber nach der reinen Lehre werden Dir bei der Insolvenz einer Rentenversicherung keine Verluste entstehen. Denn das Deckungskpital, aus dem die Renten gezahlt werden, gehört de facto den Versicherten und ist bei einer Insolvenz geschützt.

..."gehört de facto den Versicherten und ist bei einer Insolvenz geschützt."...

Das ist ein recht weit verbreitetes Missverständnis, aber Versicherungen kennen kein "Sondervermögen" - so wie z.B. Fonds. Deshalb gehört das Vermögen rechtlich den Versicherungen. Die primäre Sicherungseinrichtung ist "Protektor". Und die hängt im wesentlichen an der Solvenz der Allianz. Solange es also um kleine Fische geht, ist alles noch einfach. Sonst nicht.

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Wird nicht vorkommen. Bisher ist in Deutschland nur eine Versicherung pleite gegangen und da hat der "Einlagensicherungsfonds", die Protektor, alles aufgefangen. Ist also reine Theorie und ich kenne bei der Steuererklärung auch kein Feld zu Verlusten aus Anbieterkonkursen ;-)

Das ist schon dreimal vorgekommen: im 1. Weltkrieg, während der Inflation in den Zwanziegerjahren und im 2. Weltkrieg.

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@jowaku

ich präzisiere: seit dem zweiten Weltkrieg. In heutigen Strukturen reicht es völlig aus, 67 Jahre zurück zu denken ;-)

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So eine Pleite ist reine Theorie - es gibt da nämlich Rettungsfonds.

Insofern wird dir auch zunächst kein Schaden entstehen.

Steuern und Beiträge zu einer Rentenversicherung ist ein völlig anderes Thema - da gibt es nämlich sehr hohe Freibeträge. Defacto sind von Normalverdienern alle Beiträge zu einer Rentenversicherung bei den Sonderausgaben steuerlich absetzbar - damit ergibt sich logischerweise, das dann nicht ein weiteres mal ein Steuerabzug möglich wäre.

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