Kann man als Minderjähriger für an sexuell orientierte Handlungen bestraft werden?

2 Antworten

Hör auf mit solchem Quatsch. Strafrechtlich passiert da zwar nichts, aber Ärger mit Eltern und Lehrern kann es trotzdem geben.

Und was den konkreten Vorfall angeht: Lass das Mädchen in Ruhe und vergiss die Sache wieder.

Woher ich das weiß:Hobby – Hobbyjurist - Grundwissen, garniert mit Recherche

Das ist das Problem:

...mich wegen so einem Quatsch...

So seht ihr Jungs das. Ohne nachzudenken.

Das ist sexuelle Belästigung und JA! dafür kann man angezeigt werden.

Ähm ... nein. Das ist Kinderkram und strafrechtlich in keinster Weise relevant.

  1. Der Fragesteller ist nicht strafmündig.
  2. Der Straftatbestand sexuelle Belästigung (§ 184i StGB) ist hier definitiv nicht erfüllt.
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@Answer123

Sorry, aber: § 176

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__176.html

§184 bezieht sich auf Handlungen. §176 Punkt 4 u.a. auf Kommunikationstechnologie

Das sollte er wissen, wenn er älter wird ;-). Der nächste Geburtstag ist 14.

Hat der Staat also bei Straftaten von Kindern überhaupt keine Handhabe?

Doch. Der Staat kommt an Kinder zwar nicht mit dem Strafrecht heran, die Familiengerichte können aber - auch gegenüber den Eltern - zu verschiedenen Mitteln greifen, um sehr junge Straftäter zu beeinflussen. Dazu gehört zum Beispiel die Anordnung, Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Anspruch zu nehmen.

Daneben sind auch schwerwiegendere Maßnahmen möglich wie die Entziehung des Sorgerechts und die Unterbringung straffälliger Kinder in einem Heim oder bei einer Pflegefamilie.

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@TomundJerry

Ich nehmen an, du meinst § 176 Abs. 4 Nr. 4 StGB. Der könnte erfüllt sein, wenn er selbst dem Mädchen Nacktbilder geschickt hätte. Hat er aber nicht.

Auch ist z. B. das Alter des Mädchen unbekannt. Ist dieses tatsächlich jünger als 14? Wenn nicht, fallen alle Paraphen des StGB, in denen das Wort "Kind" vorkommt, schon mal weg.

Und wenn ja, wäre eher § 184b Abs. 3 StGB einschlägig. Wobei man auch hier den pornografischen Aspekt der Nacktbilder in Frage stellen könnte. Dazu fehlen uns die notwendigen Informationen, die wir hier auch nicht beschaffen können.

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@Answer123

Genau, Abs 4. ...

§176......'“oder durch entsprechende Reden einwirkt“.

Verstehe ich als schriftlich verfasste Anmaßungen. Oder ist das so nicht gemeint?

Lerne gerne dazu :-).

(Manchmal ist die Rechtssprache kompliziert zu verstehen)

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@TomundJerry

Ich möchte an dieser Stelle nochmals drauf hinweisen, dass ich kein Jurist bin.

Nach meinem Verständnis müssten die tatbestandlichen Reden mit den in den vorherigen Sätzen geschilderten Handlungen ("Vorzeigen pornographischer Abbildungen") in ihrer Art vergleichbar sein. Das könnte z. B. geschehen, indem der Täter eine pornographische Handlung oder Abbildung, wie sie im ersten Halbsatz dieser Nummer benannt ist, mit Worten beschreibt. Also im Prinzip analog zum zweiten Halbsatz "Abspielen von Tonträgern pornographischen Inhalts".

Ich schließe nicht aus, dass die Rechtsprechung im hier geschilderten Fall auch den § 176 Abs. 4 Nr. 4 StGB für anwendbar hält. Ich halte hier allerdings § 184b Abs. 3 StGB für naheliegender. Die dortige Strafandrohung entspricht m. E. auch eher der anzunehmenden Tatgewichtung des Gesetzgebers.

Mein ursprünglicher Einwurf und Ausgangspunkt unserer Diskussion war ja, dass die Handlung nicht dem Tatbestand sexuelle Belästigung des Strafgesetzbuchs entspricht. Ich finde es wichtig, den mutmaßlich erfüllten Tatbestand korrekt zu bezeichnen, gerade auch weil sich die Strafandrohungen der verschieden Paragraphen in ihrer Höhe nicht unerheblich unterscheiden. Auch ist § 184i StGB ein relatives Antragsdelikt, die anderen genannten Paragraphen sind durchweg Offizialdelikte.

Wichtiger wäre für eine konkrete Einschätzung zum vorliegenden Fall, wie alt das betroffene Mädchen zum Tatzeitpunkt war. Die Unterscheidung Kind / Jugendlicher ist für die Frage, welche Paraphen hier sachlich überhaupt anwendbar sind, von erheblicher Bedeutung.

Abgesehen davon ist die Frage sowieso hochgradig theoretisch, da wohl nicht davon auszugehen ist, dass hier tatsächlich eine Anzeigeerstattung erfolgt, geschweige denn dass deswegen strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet werden. Und sollte es tatsächlich so weit kommen, würde wohl umgehend eine Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft oder das Gericht erfolgen (§ 45 Abs. 1 JGG oder § 47 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 JGG, jeweils i.V.m. § 153 StPO).

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@Answer123

Ich weiß, dass du kein Jurist bist ;-). Aber dein Hobby entspricht etwa meinem, wenn auch nicht jeder Fachrichtung.

Ich gebe dir aber Recht: Das Alter des Mädchens ist sicher ein wichtiger Aspekt bei der Feststellung einer Straftat und eines §. Ebenso, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen würde. Denke aber, dass ein entsprechender Verweis an die Erziehungsberechtigten erfolgen würde; evtl. über die Jugendgerichtshilfe zwecks erzieherischer Ansprache im Hinblick auf das bevorstehende 14. Lebensjahr und einer dann erreichten Strafmündigkeit.

Vielen Dank für deine Ausführungen :-)

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@TomundJerry

Ja, davon gehe ich auch aus. Vielen Dank für diese erfreulich sachliche und interessante Diskussion!

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