Kann ich meine Oma als 24Std Kraft versorgen und gleichzeitig Anspruch auf ALG 1 behalten (ohne Bewerbungsgespräche etc.)?

2 Antworten

Dein Engagement in allen Ehren, aber niemand pflegt einen anderen Menschen 24h pro Tag, in 7 Tagen die Woche, an 365 Tagen im Jahr ....Du bist ja kein Pflege-Roboter ... und wir wissen nicht, ob Du eine examinierte Pflegekraft bist, also jemand mit entsprechendem fachhlichen Hintergrund in der Altenpflege.

Für die Agentur für Arbeit bzw. für Arbeitslose bedeutet ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis ab 15h/Woche eine Aussteuerung aus dem ALG1-Bezug, also eine Beendigung der Leistungsbewilligung.

Du kannst Dich als Fensterputzer, Gärtner, Satellitenschüsselreiniger, Insektehotelbauer oder schlichtweg als Pflegehelfer bei der Oma engagieren, entscheidet ist, dass Du ab Mindestlohn aufwärts ein Gehalt bekommst und RV/KV/PV/AV- Beiträge sowie Steuern bezahlt werden. Du bräuchtest also einen Arbeitsvertrag, den wird Dir Oma aber nicht geben können.

Du bist mit ALG1 (oder mit ALG2) mitwirkungspflichtig und man muss sich auf Stellenangebote der AfA mit Rechtsfolgebelehrung bewerben. Es wäre etwas anderes, wenn Du arbeitslos ohne ALG1-Bezug gemeldet wärst. Das ist eine Ruhendstellung des Leistungsanspruches, hast Du darüber schonmal nachgedacht?

Eines will ich hier noch notieren: nicht wenige wirklich engagierte, vor allem weibliche Angehörige von Pflegebedürftigen sind über einen langen ALG1-Bezug und später unwiederbringlichen ALG2-Bezug selbst zum krassen Sozialfall geworden. Das ist bitter, weil die pflegenden Helfer zu lange vom Arbeitsmarkt entfernt waren um nach jahrelanger häuslicher Pflege später wieder integriert werden zu können. Häusliche Pflege kann den Einstieg in den sozialen Abstieg bedeuten.

Warum wird kein ambulanter Pflegedienst engagiert, damit Du dir mit ihm die Arbeit aufteilen und selbst wieder einer regulärem (Teilzeit-)Beschäftigung nachgehen kannst?

Moin Maerz2019, vielen lieben Dank für Deine Info's und Feedback! Man nennt das zwar 24std Pflege, aber natürlich werde ich auch Mal vertreten (Urlaub nach 6 Monaten etc) und bin nicht an meine Oma gekettet. Dennoch ist diese Variante aktuell aus mehreren Gründen, sinnvoll und auch zeitlich sehr intensiv. Ich habe die Anmerkung der AAgentur Mitarbeiterin so verstanden,dass ich bei einer Std.Anzahl bis 15std./Woche weiterhin meine Oma pflegen und bis zu einem Jahr arbeitslos gemeldet sein kann. Bei mir kommt dazu (das habe ich noch nicht erwähnt), dass ich daran arbeite, mich selbstständig zu machen. Ich bin gut und spezialisiert ausgebildet und habe die letzten Jahre in einem führenden Unternehmen gearbeitet, nun würde ich gerne für meine Oma da sein und meinen eigenen Businessplan und Konzept finalisieren. Die Idee, den Anspruch Ruhen zu lassen, ist durchaus interessant,obwohl ich die rund 1000€ (abzgl. des Minigehaltes als Gärtnerin) ALG1 gerne bekommen würde. Wenn ich in dieser Zeit kein Gehalt (nur Pflegegeld, welches nicht als Einkommen zählt, für meine Grundversorgung) beziehe, wie sieht es dann mit der Unterstützung der AAgentur aus, würde ich dann dennoch beim Beginn der Selbstständigkeit unterstützt werden? Auf der anderen Seite ist ALG 1 doch eine Versicherungsleistung, ich habe eingezahlt, nun verändere ich mich und bin ja nicht untätig (Pflege,Businessplan) aber für eine längere Zeit eben nur indirekt im Arbeitsmarkt, z.B. mit 5Std/W angestellt oder selbstständig bei meiner Oma neben der Pflege mit gärtnern tätig. Ich kenne mich nur gar nicht aus, unter welchen Voraussetzungen mir die AAgentur bei den großen Posten der Sozialleistungen hilft,die kann ich dann nämlich nicht tragen... eigentlich müsste ich dort anrufen, habe nur die Sorge eventuell missverstanden bzw. nicht frei sprechen zu können, da die Mitarbeiter natürlich ein Anliegen aus AAgentur Sicht haben, mich irgendwie schnell und günstig wieder los zu werden. Ist diese Sorge begründet?

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@Madame2020

die Mitarbeiter natürlich ein Anliegen aus AAgentur Sicht haben, mich irgendwie schnell und günstig wieder los zu werden

Jede Versicherung ist bemüht so günstig wie möglich den Versicherungsnehmer los zu werden. Dabei muß sie natürlich die gesetzlichen Regeln beachten.

Diese besagen, daß in diesem Fall der Kunde so schnell wie möglich in bezahlte Arbeit zu bringen ist.

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Ganz einfach .... Du stehst dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung , ergo besteht schon einmal grundsätzlich kein Anspruch auf ALG I.

Selbstverständlich darf Deine Großmutter Dich auch als Gärtner beschäftigen, nur das bedeutet dann auch, dass ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis oder auch ein Beschäftigungsverhältnis auf geringfügiger Basis vorliegt und entsprechenden Beiträge abzuführen sind.

Ansonsten .... wenn die Oma rundum pflegebedürftig ist .... Pflegegrad 5 dann kannst Du von diesem Entgelt anteilig bezahlt werden. Aber sorry .... der "Steuerzahler" oder hier die AV ist doch nicht für alles und jeden ein Selbstbedienungsladen.

Ich bin tatsächlich das allererste Mal in der Situation, dass ich Fragen in einem Forum stelle und bei derart inkompetenten und unfreundlichen Antworten, werde ich es auch zukünftig lassen. Ich ging davon aus, hier vernünftige, hilfreiche und fachgerechte Ideen und Anregungen zum Thema Sozialrecht zu erhalten. Wer sich weder mit der Pflegebedürftigkeit (auch bei Pflegegrad 3!) noch mit den verschiedenen Möglichkeiten auskennt, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten (inkludiert sich beruflich zu verändern,ggf auch ALG1 zu beziehen) und gleichzeitig einen Angehörigen zu pflegen, sollte doch überhaupt nicht auf meine Frage antworten.

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@Madame2020

Worüber echauffierst Du Dich ? Noch einmal .... Du stehst dem Arbeitsmarkt nicht bzw. nicht im Mindestumfang zur Verfügung ... ergo hast Du nun einmal keinen Anspruch auf ALG I.

Und ! wenn Du dem Markt auch nur anteilig zur Verfügung stündest ..... z.B. für 15 Wochenstunden anstatt Vollzeit 40 Stunden, so gäbe es dann auch nur proportional sprich 37,% ALG.

Zum Thema Pflege .... Pflegegrad 3 = 240 Minuten Grundpflege und 60 Minuten hauswirtschaftlicher Unterstützung pro Tag

bedeutet nun einmal keine 24-Stunden-Pflege. Und ... .sei Dir sicher ich ! weiß wovon ich spreche.

Du stellst Fragen um Fakten / aussagekräftige Antworten zu bekommen, Streicheleinheiten helfen Dir aber nicht weiter. Fröhliche Ostern.

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@wilees

Interessant, nun nach meiner Beschwerde, bietest Du tatsächlich interessante und konkrete Informationen an und sachlicher wirst du auch. Also gibt es die Möglichkeit anteilig ALG1 zu bekommen, wenn man anteilig arbeitet. Das klingt fair und so hat es dann vermutlich auch die Mitarbeiterin der A Agentur gemeint. Ich suche nach einer Variante, bei der ich überleben kann, mich zudem beruflich verändern kann (Stichwort Selbstständigkeit) und eine Angehörige pflegen kann. Das ist nicht wenig und eben auch etwas kompliziert, deshalb bin ich auf der Suche nach Tipps und Info's. Das du den gesetzlichen Anspruch bei Pflegegrad 3 wiedergibst, hilft mir leider auch nicht weiter, denn diese Stunden reichen nicht aus, sonst würde ich diesen Aufwand nicht betreiben. Also bleiben wir bei der Sache, ohne das du mir respektvoll unterstellst, ich würde mich unberechtigt "im Selbstbedienungsladen" der Steuerzahler austoben. Ziemlich übergriffig finde ich das, aber mit sachlichen und wohlwollenden Antworten (die du Streicheleinheiten nennst) kann man in Foren wohl selten rechnen. Ich suche mir also nach Ostern Hilfe an anderer Stelle. Wer zu Sozialrecht Fragen hat und sich das hier nicht antun möchte, ich habe mir nun folgende Stellen (Niedersachsen) herausgesucht: vdK, ASG, Ka:Punkt, Bundesministerium für Soziales hat auch begrenzt weitergeholfen, sowie die unabhängige Patientenberatung. Beide kamen bei Fragen zur Vereinbarkeit von Pflege, Beruf und Einkommen aus ALG an ihre Grenzen. Danke an alle für diese gemischte Erfahrung in einem Forum.

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