Kann ich einen Autounfall zu meinem schon erhaltenen Steuerbescheid 2014 jetzt noch nachträglich geltend machen, ich bin noch in der Widerspruchsfrist?

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4 Antworten

Du bist nicht in der Widerspruchsfrist, sondern in der Einspruchsfrist.

Ja, sofern der Unfall steuerrelevant ist. Hierzu musst du aber nicht mal einen Einspruch einlegen, sondern ein Antrag auf (schlichte) Änderung nach § 172 (1) Nr. 2 Bu. a) AO genügt völlig. Aber der muss auch innerhalb der Einspruchsfrist gestellt werden.

Beim BFH ist in Sachen Unfallkosten im Rahmen der Entfernungspauschale ein Revisionsverfahren anhängig. Da ich hier leider kein juris habe, müsstest du dir selbst die Mühe machen, das Aktenzeichen rauszusuchen und einen Einspruch einlegen mit der Bitte um Ruhendstellung nach § 363 Abs. 2 AO. Fertig. ;)

Theoretisch könnte ich diesen Unfall für das nächste Jahr auch angeben?

wenn der Unfall 2014 war, kannst du die Kosten nicht bei den Werbungskosten im nächsten Jahr, für das Veranlagungsjahr 2015 unterbringen.

" Einspruch - Widerspruch " ..... was hinten raus kommt zählt ! ;-))

Soso, es war also im Jahr 1014 üblich, tausendjährige Rechtsbehelfsfristen zu gewähren und der Rechtsbehelf hieß nicht Einspruch, sondern Widerspruch? Interessant, man lernt immer noch dazu.

Wenn also die Rechtsbehelfsfrist noch läuft, kannst du auch Aufwendungen, von denen du meinst, sie seien abzugsfähig, nachträglich geltend machen, weil der Steuerfall insofern auch nach tausend Jahren ja noch "offen" ist.

So, und jetzt kommst du: Als was willst du den Autounfall geltend machen (ich nehme an, du meinst nicht den Unfall selbst, sondern vielmehr die daraus resultierenden Kosten) und auf welcher Rechtsgrundlage?


Ok erst mal danke für die prompte Antwort. Wenn ich Ahnung von den Begriffen hätte, dann würde ich vermutlich gar nicht fragen.

Irgendwie bzw. irgendwo habe ich gelesen, dass man die Kosten eines Autounfalles (natürlich auf dem Weg zur Arbeit) geltend machen kann. Ist so oder? Theoretisch könnte ich diesen Unfall für das nächste Jahr auch angeben?

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@Caroma

Ahnung von den Begriffen zu haben ist ganz leicht. In den meisten Fällen reicht schon, dass man sich den Steuerbescheid durchliest. Wenn da am Ende nämlich steht, dass man dagegen Einspruch einlegen kann, ist es nicht besonders naheliegend, dass der Rechtsbehelf dann plötzlich Widerspruch heißen sollte.

Wenn du Kosten im Zusammenhang mit dem Arbeitsweg geltend machen willst, kommt nur der Ansatz als Werbungskosten in Betracht.

Die Rechtsprechung ist diesbezüglich übrigens nicht einheitlich.

Beispielsweise sagt das FG Nürnberg (Urteil vom 04.03.2010 - 4 K 1497/2008; rechtskräftig): "Aufwendungen infolge eines Verkehrsunfalls können nicht als Werbungskosten geltend gemacht werden, da gemäß § 9 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG sämtliche Aufwendungen eines Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte durch die Entfernungspauschale abgegolten werden."

In dieselbe Kerbe haut das FG München (Urteil vom 21.04.2009 - 13 K 4357/07; rechtskräftig): "Nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Sätze 1 und 2 EStG in der ab dem 1.1.2001 gültigen Fassung (Gesetz zur Einführung einer Entfernungspauschale vom 21.12.2000, BGBl I 2000, 1918) sind außergewöhnliche Aufwendungen für ein Kfz (z.B. Motorschaden aufgrund vorzeitigen Verschleiß) neben der Entfernungspauschale nicht mehr abziehbar sind."

Und auch wenn der Unfall nicht auf dem direkten Arbeitsweg, sondern auf einem kleinen Umweg zum Supermarkt, zur Kita oder sonstwohin stattfand, sind es keine Werbungskosten (BFH, Urteil vom 13.03.1996 - VI R 94/95): "Aufwendungen für die Beseitigung eines Unfallschadens an einem PKW sind keine Werbungskosten, wenn sich der Unfall auf einer Umwegfahrt der berufstätigen Mutter eines Kleinkindes zum Hort unmittelbar vor Arbeitsbeginn ereignet hat."

Genauso streng ist das FG des Saarlandes (Urteil vom 13.09.2005 - 1 K 189/01): "Ein Unfall, den ein Arbeitnehmer auf der (Umweg-) Fahrt zu einer Tankstelle erleidet, führt nur dann zu Werbungskosten, wenn ein enger Zusammenhang der Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit der Betankung des Fahrzeugs besteht. Ein solcher Zusammenhang liegt nicht vor, wenn der Arbeitnehmer seine Heimfahrt – ohne zu tanken – hätte zu Ende führen und das Fahrzeug am nächsten Tag an einer an der Wegstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte liegenden Tankstelle hätte betanken können."

Oder auch das FG München (Urteil vom 12.06.2002 - 1 K 49/01): "Anlässlich einer Fahrtunterbrechung auf dem Weg zur Arbeitsstelle entstandene Unfallaufwendungen sind dann nicht als Werbungskosten in Abzug zu bringen, wenn Grund der Fahrtunterbrechung der Erwerb einer Tageszeitung war."

Anders sieht das das Hessische FG (Urteil vom 09.05.2000 - 9 K 438/99): "Wird der PKW eines Steuerpflichtigen auf dem Weg zwischen Wohnung und Arbeitstätte infolge eines Verkehrsunfalls zerstört, kann dieser die infolge des Totalschadens entstandene Vermögenseinbuße im Wege der Abschreibung für außergewöhnliche Abnutzung (AfaA) als Werbungskosten geltend machen."

Auch das Baden-Württembergische FG (Urteil vom 24.06.2014 - 4 K 3997/11) ist in dieser Frage steuerzahlerfreundlich (Das Urteil ist aber nicht rechtskräftig; die Revision läuft beim BFH unter Az. VI R 76/14): "Die Kosten eines Autounfalls, den der Steuerpflichtige mit dem Pkw seiner Lebensgefährtin auf dem Weg von seinem Zweitwohnsitz an der Arbeitsstätte zu seinem ersten Wohnsitz an seinem Lebensmittelpunkt verursacht, sind Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit."

Und auch das Niedersächsische FG (Urteil vom 24.04.2013 - 9 K 218/12) meint: "Als Kosten, die ihrer Natur nach außergewöhnlich sind und sich einer Pauschalierung entziehen, sind sie [gemeint sind Reparaturkosten, die durch eine Falschbetankung mit der Folge eines Motorschadens auf dem Weg vom Wohnort zur Arbeitsstelle verursacht worden sind] nicht durch den Ansatz der Entfernungspauschale von 0,30 EUR (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG) abgegolten."

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es war also im Jahr 1014 üblich, tausendjährige Rechtsbehelfsfristen zu gewähren

Du weißt ja: Was lange gärt, wird Wut.

Was du aber nicht weißt, ist, ob wir hier einen Arbeitnehmer vor uns haben. Und ob er vielleicht aus Hessen, BaWü oder Niedersachsen kömmt.

Hannover ist ja bekannt für seine Steuerzahlerfreundlichkeit.

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@wfwbinder

hups, sehe jetzt erst was ich da für ein schönes Jahr geschrieben habe. naja egal, ihr wißt schon um welches Jahr es sich handelt. Jetzt habe ich auch mal die Runde hier etwas aufgeheitert.

Übrigens:

Schlacht von Clontarf: Brian Boru besiegt Viking Invasoren, ist aber in der Schlacht getötet. (23. April 1014)

 Blöd oder?

so an alle hier die ihren Senf zu meiner Frage dazu gegeben haben einen herzlichen Dank.

Übrigens komme ich aus Niedersachsen und die zahlen ja angeblich gerne Steuern warum auch immer.

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@Caroma

gern zahlende Steuerzahler aus Niedersachsen sind uns hier bei ff.net  immer wieder gern gesehen ! .....lach mich wech !

Bis zum nächsten Mal dann........

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@Gaenseliesel

Schlacht von Clontarf: Brian Boru besiegt Viking Invasoren, ist aber in der Schlacht getötet. (23. April 1014)

 Blöd oder?

Nicht unbedingt. Immerhin konnten seine Erben, falls das Erbe nicht ausreichte, die Bestattungskosten als außergewöhnliche Belastung geltend machen (§ 33 Abs. 1 EStG).

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