Ist für ein bis 30.06.2020 existierendes Gewerbe die Kleinunternehmerregelung möglich, wenn ab 01.07.2020 ein neues Gewerbe mit USt-Anwendung gegründet wurde?

1 Antwort

  1. Der Unternehmer ist nur einmal Unternehmer. §2 ABs. 1 Satz 2 UStG: Das Unternehmen umfasst die gesamte gewerbliche oder berufliche Tätigkeit des Unternehmers
  2. Die Umsatzsteuer ist eine Jahressteuer.
  3. Es ist also zu entscheiden entweder die neue Tätigkeit in den ersten 6 Monaten auch als Kleinunternehmen zu führen, oder für das ganze Jahr auf Regelbesteuerung zu optieren. Denn wenn er Unternehmer in 2020 unter 22.000,- Umsatz hatte, ist er erstmal 2021 Kleinunternehmer.
  4. Ein Optieren auf Regelbesteuerer für nur ein halbes Jahr ist nicht möglich.

Eventuell wäre der frühzeitige Gang zu einem Berufskollegen von mir doch eine gute Idee gewesen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Steuerbevollmächtigtenprüfung 1979, Steuerberaterprüfg .1986

Vielen Dank für die schnelle und umfassende Antwort. Das bisherige Unternehmen wurde seit 2 Jahren als Kleinunternehmen abgerechnet, da die Grenzen immer eingehalten wurden. Zum 30.06.2020 wurde es stillgelegt. Am 01.07.2020 wurde ein neues Unternehmen begründet. Hier wurde und musste die Umsatzsteuer berücksichtigt werden, da die Umsatzerlöse über den Grenzen der Kleinunternehmerregelung liegen. Deshalb war die Frage, ob man sich in diesem Fall, in dem keine Unternehmen GLEICHZEITIG vorliegen, für das erste (alte) Unternehmen die Kleinunternehmerregelung und für das neue Unternehmen die Regelbesteuerung anwenden kann.

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@Ekim2021

Ich verstehe dir Problematik schon, aber § 2 UStG war so ziemlich das erste, was ich bei Beginn meiner Ausbildung in der Berufsschule lernte und was sich auch fast als einzige Regelung seit 1972 (als ich anfing) nicht geändert hat, sondern nur ergänzt wurde.

§ 2 Unternehmer, Unternehmen

(1) Unternehmer ist, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbständig ausübt. Das Unternehmen umfasst die gesamte gewerbliche oder berufliche Tätigkeit des Unternehmers. Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht, Gewinn zu erzielen, fehlt oder eine Personenvereinigung nur gegenüber ihren Mitgliedern tätig wird.

Daran ist nichts zu rütteln. Für die einkommensteuerliche Gewinnermittlung sind es zwei Betriebe mit zwei Einnahmen-Ausgaben-Überschusrechnungen.

Für die Umsatzsteuer ist es ein Unternehmen mit einer Umsatzsteuererklärung 2020. Wichtig auch, da für das Jahr 2020 die Voraussetzungen für den Kleinunternehmerstatus vorlagen, wurde mit der ersten Abgabe einer Umsatzsteuervoranmeldung für 2020 auch schon auf die Regelbesteuerung optiert.

Übrigens ist die Begründung:

 Hier wurde und musste die Umsatzsteuer berücksichtigt werden, da die Umsatzerlöse über den Grenzen der Kleinunternehmerregelung liegen. 

Nach dem UStG nicht stichhaltig, denn diese Erwartungen lagen ja anscheinend zu Beginn des Jahres nicht vor.

Wenn also die Leistungen des neuen Unternehmens auch nur an Privatleute gingen, wäre ein optieren nicht zwingend gewesen, außer wegen eines hohen Vorsteuerabzugs aus den nötigen Investitionen.

Wie auch immer, hier vor dem 30. 06. mal zu fragen, hätte eventuell Geld gespart.

Wenn nach dem 30. 06. 2020 Rechnungen mit Umsatzsteeurausweis erstellt wurden, muss für das erste halbe Jahr nachberechnet werden.

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@wfwbinder

Herzlichen Dank für Ihre Schilderungen. Damit haben Sie sehr geholfen und Licht ins Dunkel gebracht. Alles Gute und viele Grüße.

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