Ist es ökonomisch zu rechtfertigen, Erben von Unternehmen gegenüber Käufern von Unternehmen zu begünstigen?

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2 Antworten

Die Frage ist aus meiner Sicht falsch gestellt, denn wenn die Frage so lautet, wie Du sie gestellt hast, muss man auch Fragen:

Ist es richtig Erben eines Hauses besser zu stellen, als die Käufer eines Hauses?

Ist es richtig die Erben eines Geldvermögens besser zu stellen, als die, die ein Geldvermögen erarbeiten (auf welchem Weg auch immer)?

Die Frage müsste, wenn man sie stellt eher lauten:

"Ist die Erbschaft- und Schenkungssteuer in der jetzigen Form zeitgemäß/gerecht?"

Ich halte die Erbschaft- und Schenkungssteuer in der derzeitigen Form für Schwachsinn.

Wie komme ich zu dieser Ansicht?

Nur ca. 10 % aller Erbschaftsteuererklärungen führen zu einem Steuerbescheid mit einer Zahllast.

Die Kosten zur Erhebung der Steuer sind ca. 30 % der Steuer, die erhoben wird.

In der Form reiner Wahnsinn.

Warum macht man nicht reinen Tisch?

Zwei Möglichkeiten:

1. Völlig Abschaffung. Die Kapazitäten an Finanzamtsmitarbeiter die Frei werden, könnten im Bereich der anderen Steuern z. B. zu Mehrergebnissen führen. Die Aussenprüfungsabteilungen klagen über Personalmangel.

2. Man macht eine Erbschaftsteuer mit geringeren Freibeträgen udn geringeren Steuersätzen. Warum sind für Erbschaften unter nicht Verwandten nur 20.000,- Euro frei, aber dann wird mit 30 % Steuesatz zugeschlagen.

Bei Ehegatten sind 500.000,- frei, bei Kindern 400.000,-. Ein Familieneigenheim ist noch gesondert weitgehend freigestellt.

Wenn es dann losgeht sind die Steuersätze aber schon kräftig.

Wäre doch viel einfacher 

Freibetrag 100.000,- für Ehegatten udn Kinder, für alle anderen 50.000,-

Steuersätze dann von 1 % bis höchsten 5 %.

Was ist denn so schlimm, wenn Kinder ein Haus von 500.000,- erben und 5.000,- Euro zahlen?

Ein Ehegatte der einen Betrieb im Wert von 1.000.000,- erbst zahlt 1 % auf 900.000,- = 9.000,-. Macht keinen Betrieb tot.

Aber auch der Mitarbeiter, der seit 20 Jahren im Betrieb eines Kinderlosen Inhabers ist und den gleichen Betrieb im Wert von 1.000.000,- Erbt, muss nciht 980.000,- mit 30 %, sondern 950.000,- mit 5 % versteuern.

OK, jeder hat seine eigene Idee von Gerechtigkeit.

Impact 18.07.2017, 20:03

"Die Kapazitäten an Finanzamtsmitarbeiter die Frei werden, könnten im Bereich der anderen Steuern z. B. zu Mehrergebnissen führen. Die Aussenprüfungsabteilungen klagen über Personalmangel."

Das ist falsch. Alle Abteilungen sind vom Personalmangel betroffen.

Die paar Leute, die mit der Sache jetzt beschäftigt sind, müssten versetzt werden, wären nur ein Tropfen auf den heissen Stein und würden über kurz oder lang nicht durch neue Leute ersetzt.

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wfwbinder 18.07.2017, 21:08
@Impact

 Das ist falsch. Alle Abteilungen sind vom Personalmangel betroffen

Was ist falsch? Wenn alle Abteilungen über Personalmangel klagen, gehört die Aussenprüfung doch wohl auch dazu.

 Die paar Leute, die mit der Sache jetzt beschäftigt sind, müssten versetzt werden,

Stimmt, ein großes Opfer. Aber bei allen anderen Steuerarten sind die Ergebnisse im Verhältnis zum Personalaufwand besser, als bei der Erbschaftsteuer.

Es geht ja nur um Ideen, die Sache umzugestalten, damit es etwas gerechter und ggf. einträglicher wird.

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Impact 18.07.2017, 21:41
@wfwbinder

Mit Aussenprüfung ist wohl hauptsächlich die Betriebsprüfung gemeint (gehobener Dienst). Das sind Stellen, die noch nie besetzt waren, es aber besser wären.

Das Gros der Leute fehlt im mittleren Dienst, der ständig abgebaut wird. Und es kommt niemand nach (wenig zu verdienen).

Was Dir evtl. entgangen ist, ist die Tatsache, dass die ErBSt zentralisiert wurde. Wenn Du diese Leute jetzt versetzt, dann heisst das sie kommen von ihrem Lebensmittelpunkt mehrere hundert Kilometer weg ("ein grosses Opfer").

Verhältnis Personal/Ergebnis: Wieviel bringt die Lohnsteueraussenprüfung, die BNV usw. 

So kannst Du nicht rechnen.

Die ganze Finanzverwaltung muss umgestaltet werden, nachdem die Politik die Gesetze vereinfacht hat. 

Der Spruch ist schon tausend Jahre alt und es hat sich nichts getan und es wird sich nichts tun (solange der kleine Arbeitnehmer irgendwann mal seine Erstattung bekommen hat,  nicht zur Wahl gegangen ist/seinem Abgeordneten Gas gegeben hat).

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RedDevil1982 18.07.2017, 22:39

Danke für deine ausführliche Antwort wfwbinder. Mir hätte aber schon ein kurze Antwort gelangt. Auf der einen Seite ist es z. B. Sozial gesehen gut, da die Erben somit eher einen Anreiz haben das Unternehmen fortzuführen und damit Arbeitsplätze zu bewahren.

Ökonomisch gesehen, ist es nicht optimal da so die Käufer von Unternehmen benachteiligt werden.

Gibt es sonst noch irgendwelche Ökonomischen Gründe dafür und dagegen ? Mir langt eine kurze Antwort, ihr müsst gar nicht soweit ausholen.


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wfwbinder 19.07.2017, 04:10
@RedDevil1982

Kauf und Erbe ist nicht vergleichbar. Der eine bekommt, was der Familie gehört, der andere kauft 

Wer kauft wird durch den Kauf nicht steuerlich belastet. Das, was als ggf. Darlehenstilgung geleitet werden muss, wird im Normalfall, ja durch die Abscreibung , steuerfrei gehalten.

Wer erbt zahlt zwar nichts, aber dieser Zuwachs ist durch ERbschaftsteuer belastet.

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RedDevil1982 19.07.2017, 12:24
@wfwbinder

Wie hast du das gemeint ? „Das, was als ggf. Darlehenstilgung gleitstet werden muss, wird im Normalfall, ja durch die Abschreibung, steuerfrei gehalten.“

Wenn ich z. B. einen Kredit aufnehme um mir das Unternehmen zu kaufen, zahle ich Darlehenszinsen. Diese Fremdkapitalzinsen verringern meine Bemessungsgrundlage für die Steuer, somit zahle ich weniger Steuern. Richtig ?

Dies hast du wahrscheinlich mit dem „durch die Abschreibung steuerfrei gehalten“ gemeint ?

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wfwbinder 19.07.2017, 12:39
@RedDevil1982

Wenn ich ein Unternehmen kaufe, nicht als "share Deal," Also kauf der Unternehmensanteile, sondern durch kauf des gesamten Inhalts des Unternehmens, dann habe ich doch Abschreibungen auf die Maschinen und anderen Anlagegüter udn ggf. auch einen entgeltlich erworbenen Firmenwert. 

Das meinte ich mit Abschreibungen.

Also, ein Kind erbt vom Vater einen Betrieb im Wert von 1.000.000,- (dieser soll unstreitig sein). 1Mio. abzüglich 400.000,- sind 600.000,- zu versteuern. bei der noch gültigen Regelung keine Steuer. Bei einer Vollversteuerung 90.000,-.

Wenn einer dagegen den gesamten Inhalt des Betriebs kauft und die Verbindlichekiten übernommen udn angerechnet werden, so zahlt er 1 Mio.

Diese muss er sich leihen.

wenn er, nehmen wir an in 10 Raten a 100.000,- tilgt. kann er auf der anderen Seite (je nach alter der Maschinen, Geräte, Einrichtungen) die Million in 3-10 jahren abschreiben. erversteuert also nur Gewinne nach diesen Abschreibungen und kann die Millioen aus unversteuertem Geld zahlen. Natürlich hat er die Zinsbelastung.

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Ja, selbstverstänlich. Alles andere als Erben zu bevorzugen wäre Verstaaltichung und dass der Staat mit Unternehmen nun wirklich rein gar nichts anzufangen weiss und sie zum Schaden aller verwendet, hat die Vergangenheit bewiesen.

Dem Staat Unternehmen zu überlassen, die aktuell privat gefphrt werdne, wäre ökonogischer Wahnsinn!!!

Oder meinst du was ganz anderes?

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