Frage von ninsche1, 62

Ist ein ausländischer Arbeitgeber ohne Sitz in Deutschland verpflichtet Sozialversicherungsabgaben an Deutschland zu leisten?

Antwort
von wfwbinder, 29

Das kommt auf den Vertrag an und welchen Charakter dieser hat. Es sind verschiedene Lösungen möglich.

1. Der Vertrag ist ein reiner Honorarvertrag. Damit wird der "Contractor" Unternehmer und ist für Steuer und Versicherung selbst verantwortlich.

2. Der Vertrag ist ein echter Anstellungsvertrag, der dem "Contractor" lediglich ermöglicht zu arbeiten, wo er möchte, auf reine eigene Verantwortung. Dann wäre es ein normaler Anstellungsvertrag mit Sozialversicherung in den USA. Die Steuererklärung müsste der "Contractor" in Deutschland abgeben wegen des Wohnsitzes und eine in den USA wegen der Staatsangehörigkeit.

3. Oder das US-Unternehmen muss für den Angestellten in Deutschland Sozialversicherung und Lohnsteuer abführen.

Man sollte den Vertrag einem Steuerberater und durch ihn ggf. der Krankenkasse und Rentenversicherung vorlegen.

Kommentar von ninsche1 ,

Muss bei Option 1 dann ein Gewerbe in Deutschland angemeldet werden? 
Der US Arbeitgeber wuerde den Arbeitnehmer nicht mehr als Festangestellten beschaefftigen um zu vermeiden hohe Versicherungssummen zahlen zu muessen (Auslandskrankenversicherung etc). 

Ich hab auch schon erlesen das es zwischen echter Selbststaendigkeit und Scheinselbsstaendigkeit zu unterscheiden gibt. Was muss alles geben sein um Selbststaendig zu gelten? 

Kommentar von wfwbinder ,

 Muss bei Option 1 dann ein Gewerbe in Deutschland angemeldet werden? 

Um das zu entscheiden müsste man die Tätigkeit kennen. Es kann ein Gewerbe sein, oder freier Beruf.

 Ich hab auch schon erlesen das es zwischen echter Selbststaendigkeit und Scheinselbsstaendigkeit zu unterscheiden gibt. Was muss alles geben sein um Selbststaendig zu gelten? 

Dazu müsste es einen zweiten Auftraggeber geben. Aber ich denke, die Sozialversicherung wird sich scheuen den "Contractor" zu einem Scheinselbständigen zu machen. Sie müssten dann ein ausländisches Unternehmen verpflichten.

Theoretisch alles klar, aber praktisch? Ein Problem.

Kommentar von ninsche1 ,

Arbeitnehmer ist im IT Bereich taetig; Netzwerkadministration, Hardware/Software Betreuung, ein bisschen Programmieren etc. 

Ich habe heute morgen mit einem Herrn bei einer Krankenkasse gesprochen und dieser meinte, da das Unternehmen keinen deutschen Sitz hat wird die Sozialversicherung die Arbeit dann nicht als Sozialversicherunspflichtig ansehen. 

Es waere auch moeglich das der Arbeitnehmer direkt von einem weiteren Kunden des Arbeitgebers bezahlt wird, damit sollte dann die Selbststaendigkeit geben sein oder?
Der Arbeitnehmer wird auch keinen Anspruch auf Urlaubs- und Krankeitstage haben und muss seine Arbeitsstunden dem Arbeitgeber woechentlich oder monatlich in Rechnung stellen. 

Was fuer ein Problem sehen Sie?

Kommentar von wfwbinder ,

Das Problem hat der Betroffene, oder besser er hat kein Problem, sondern Verhandlungsbedarf.

Als Selbständiger bekommt er nur Geld, wenn er arbeitet, also bei 6 Wochen Urlaub und 14 Tagen Krankheit/Feiertage, nur 10 Monate bezahlt. Als Angestellter bekäme er 12 Monate bezahlt.

Dann die Frage der Arbeitgeberanteile zu den Sozialversicherungen. In den USA zwar anders geregelt, aber zumindest zu überlegen/verhandeln.

Eine andere Art der Krankenversicherung, denn es gibt keine Lohnfortzahlung, also muss man sich selbst versichern.

Also genau kalkulieren und verhandeln.

Kommentar von ninsche1 ,

Waere bei dem beschriebenen Berufsfeld und Honorarvertrag dann eine Anmeldung beim Gewerbeamt erforderlich?

Kommentar von wfwbinder ,

Du nimmst nicht am allgemeinen wirtschaftlichen erkehr teil. Aus meiner Ansicht eine Art Hybrid, zwischen Selbständiger, der aber eigentlich nur Scheinselbständiger ist.

Nur, eine Einstufung als Scheinselbständiger wäre nicht durchsetzbar.

Also keine Gewerbeanmeldung.

Antwort
von Snooopy155, 43

An Deutschland muß er sicher keine Sozialversicherungsabgaben leisten, aber für seine hier beschäftigten sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter muß er die Sozialabgaben und Lohnsteuer abführen.

Kommentar von ninsche1 ,

Hm, vielleicht braucht es noch ein bisschen mehr Hintergrundinformation: Amerikaner zieht mit deutscher Frau nach Dland, wird seinen US Job mittels contractor Vertrag weiterhin von Dland ausfuehren. Ist der US Arbeitgeber dann verpflichtet Sozialabgaben an Dland zu leisten, da hier ja dann auch die Steuer privat abgefuehrt wird.  

Kommentar von Snooopy155 ,

hast Du richtig erkannt, aber mit dem Begriff Contractor Vertrag kann vieles gemeint sein. Wichtig wäre die Information ob er mit einem Angestellten oder einem Selbstständige vergleichbar wäre und ob der Arbeitgeber eventuell die UNO ist. Im Angestelltenverhältnis muß der Arbeitgeber den Arbeitgeberanteil an den Sozialleistungen tragen, im anderen Fall ist dies alleine Aufgabe des Selbstständigen.

Kommentar von EnnoWarMal ,

vielleicht braucht es noch ein bisschen mehr Hintergrundinformation

Da fragt man sich, warum die nicht gleich in der Sachverhaltsdarstellung gegen worden sind.

Kommentar von EnnoWarMal ,

*gegeben

Dicke Finger.

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