Ist bei einer betrieblichen Altersvorsorge garantiert, dass man zumindest das eingezahlte Kapital zurück bekommt?

...komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Die Frage nach Beitragsgarantie ist abhängig vom gewählten Tarif.

Der Arbeitgeber haftet für die zugesagte Leistung.

Beitragsgarantie bedeutet auf alle Fälle Verlust. Bei einer Inflation von 2,29% (Durchschnitt 1975 - 2015) haben nach 40 Jahren 100€ nur noch eine Kaufkraft von 40,43€.

Deshalb sollte man sich mit "Beitragserhalt" nicht zufrieden geben. Fondsgebundene Tarife sind ertragstärker. Jedoch entsteht dadurch ein wesentlich höheres "Nachfinanzierungsrisiko" für den Arbeitgeber.

Deshalb ist aktuell das Betriebsrentenstärkungsgesetz auf dem Schirm. Hier wird von einer "Zielrente" gesprochen. Es wird dabei keine Leistungszusage mehr gegeben. Es soll die zugesagte Leistung nach Möglichkeit entstehen. D.h. es kann weniger oder mehr werden.

Ohne Leistungszusage ist der Arbeitgeber "enthaftet". Allerdings sollen neben den Vertragspartner (AG / AN) auch die Tarifpartner (Arbeitgeberverband / Gewerkschaft) mitmischen dürfen. Das wird dadurch nicht einfacher. Auch entsteht dadurch das Risiko, dass der mühsam errungene Verbraucherschutz aufgeweicht wird.

Auch sollte sicher gestellt werden, dass auch für den Arbeitnehmer ein Mehrertrag entsteht. Nicht, dass der Arbeitgeber aus der Haftung genommen wird und sich die Versicherungskonzerne den "Reibach" einstecken. Dann wäre der Arbeitnehmer wieder der dumme.

Zu diesem Thema gibt es auch ein interessantes Statement vom Bund der Versicherten. 

https://plus.google.com/u/0/b/113115229683721212327/113115229683721212327/posts/KLwLAU8A31p

Deine Frage ist zu allgemein gestellt.Es gibt tatsächlich Anlageformen, in denen du eine Garantie auf bestimmte Auszahlungsbeträge hast.Das ist unter anderem dann der Fall, wenn deine betriebliche Altersversorgung durch eine Versicherung mit Garantie bei der Auszahlung hinterlegt sind.Letztendlich wird aber immer dein Arbeitgeber für die Erfüllung der zugesagten Leistungen haften, nachzulesen im Betriebsrentengesetz Paragraph 1.Selbstverständlich setzen die Garantien immer einen durchgehend Zahlungsverlauf voraus, alles andere ist ja auch mehr als unlogisch.

Es geht mir eigentlich um folgendes: ich will meine BAV beitragsfrei stellen, da ich mittlerweile der Ansicht bin, dass das für mich die falsche Anlageform ist. Aufgrund von Vertriebskosten etc. wird das verbleibende Kapital ja nun deutlich geringer sein als das, was ich einbezahlt habe. Im Zuge der betrieblichen Altersvorsorge ist aber ja immer von der sogenannten "wertgleichen Zusage" die Rede. Kann man sich die Differenz vom Arbeitgeber holen?

0

Hallo, nicht unbedingt.

Bei einer Kapitalversicherung sieht man anhand der Versicherungssumme, wieviel rauskommt. Üblicher sind heute Rentenversicherungen, da macht man i.d.R. nur Gewinn, wenn man länger lebt als der Versicherer kalkuliert hat.

Der Arbeitgeber haftet, wenn der Versicherer die zugesagte Leistung nicht erbringt. Das ist allerdings eher Theorie.

Viel Glück

Barmer

Hallo Langos,

gleich vorab muss eines klar gestellt werden: Die betriebliche Altersvorsorge ist immer ein arbeitsrechtlicher Prozess und hat zunächst mit Versicherungen oder ähnlichen Anlagen, die lediglich zur Ausfinanzierung dienen überhaupt nichts zu tun!

Versorgungszusagen der betrieblichen Altersversorgung (bAV) werden immer vom Arbeitgeber (AG) dem jeweiligen Arbeitnehmer (AN) zugesagt, sind also Bestandteil der arbeitsrechtlichen Vereinbarung. Dies ergibt sich aus dem Betriebsrentengesetz (BetrAVG), da einem Arbeitnehmer „aus Anlass des Arbeitsverhältnisses“ Leistungen der betrieblichen Altersversorgung vom Arbeitgeber versprochen werden.

Diese arbeitsrechtliche Verankerung der betrieblichen Altersversorgung
gilt unabhängig vom sogenannten Durchführungsweg, also auch bei einer
externen Finanzierung über eine Direktversicherung, eine Pensionskasse,
einen Pensionsfonds oder eine (z.B. über Versicherung) rückgedeckte
Unterstützungskasse.

Siehe beiliegende Grafik! Hier die Erläuterung:

Im Arbeitsrecht (BetrAVG) unterscheidet man also zunächst zwischen Zuwendungsverhältnis (Versprechen an Arbeitnehmer) und erst im zweiten Schritt, dem Deckungsverhältnis, also wie und wo dieses Versprechen ausfinanziert wird. Deckt diese Ausfinanzierung (z.B. über Versicherung) das
Versorgungsversprechen nicht vollständig, steht der Versprechende (Arbeitgeber) für die entstandene Differenz ein, denn wie und womit er das Versprechen einlöst, ist – rein arbeitsrechtlich gesehen – allein ihm überlassen.

Doch nun zum eigentlichen Dilemma: Da die Mehrheit der bAV über Versicherungen ausfinanziert wird und diese offensichtlich die zugesagten Leistungen nicht erwirtschaften, müssten nach heutigem Recht die Unternehmen als AG diese entstehenden Differenzen gegenüber dem AN selbst ausgleichen. Dies hat wohl auch die Politik erkannt und versucht nun insbesondere die Klein- und Mittelstandsbetriebe (KMU) durch "Aufweichung" der arbeitsrechtlichen Vorschriften vor solchen Ausgleichszahlungen zu schützen, damit diese Unternehmen nicht für das Versagen der Versicherungen einstehen müssen. Dies bezieht sich jedoch auf das Leistungsversprechen, das nicht mehr garantiert werden soll.

Die Einzahlungen sind von einer solchen "Haftungsbefreiung" nicht betroffen und es ist anzunehmen, dass dies arbeitsrechtlich auch nicht so einfach umzusetzen ist, da das eingezahlte Geld ja eigentlich zustehender Teil vom Lohn, also Gehaltsbestandteil ist, den der AG lediglich als "Treuhänder" für den AN verwaltet bzw. anlegt.

Damit würde ich Deine Frage eindeutig mit JA beantworten, denn alles andere wäre 'Veruntreuung von Lohn'.

Hoffe, damit geholfen zu haben . . .

LG von Betriebssparen

 - (Versicherung, Altersvorsorge, Betriebliche Altersvorsorge)

Was möchtest Du wissen?