Internatskosten als Kosten für Kinderbetreuung von der Steuer absetzen?

...komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Hallo,

wie wfwbinder schon ausgeführt hat, sind ausschließlich die Betreuungskosten abzugsfähig. Der Gesetzgeber möchte damit einen steuerlichen Anreiz für die Ganztagsbetreuung schaffen bzw. berufstätigen Eltern die Möglichkeit geben, die erforderliche Betreuung der Kinder wie Werbungskosten abzusetzen.

Aus dem Sinn des Gesetzes ergibt sich aber auch, warum Internatskosten nicht abzugsfähig sind:

  • Das Internat dient in aller erster Linie der auswärtigen Unterbringung. Hierfür sowie für Verpflegung wird eine entsprechende Gebühr erhoben. Wäre das Kind nicht im Internat untergebracht, wären - wie für jedes andere Kind - zu Hause die Kosten für Unterbringung (Strom, Wasser, Miete für genutzte Räume) angefallen. Auch hätte das Kind zu Hause verpflegt werden müssen.

  • Diese Aufwendungen sind durch das Kindergeld/Kinderfreibetrag abgegolten.

Sofern das Internat die Gebühren in einen Teil für die Beaufsichtigung/Betreuung aufteilen kann, könnte dieser Teil im Übrigen berücksichtigt werden. Denn Kosten für die Betreuung sind im Sinne des Gesetzes abzugsfähig.

Und wegen dem Hinweis auf die Tagesmutter:

Vergleiche von Kinderbetreuungskosten mit der Gewinnermittlung einer Tagesmutter sind an den Haaren herbei gezogen.

Eine Tagesmutter ist gewerblich tätig und muss ihre Einnahmen den eigenen Ausgaben gegenüber stellen. Zu den Ausgaben gehören entsprechend Aufwendungen für die Unterbringung der betreuten Kinder.

Abzugsfähig sind Betreuungskosten. Weder die Unterbringung, noch die Verpflegung. Auch wenn Kinder in eine Internatschule gehen, sind nur für den reinen Unterrichtsteil die kosten steuerlich zu berücksichtigen.

Das Euer Sohn im Internat wohnt ist ja nicht dem Umstand geschuldet, das er eine Hausaufgabenbetreuung hat, sondern seiner zugehörigkeit zu einem Chor, also einem privaten Zweck.

Wenn Ihr eine qualifizierte, detaillierte Abrechnung bekommen würdet, wäre der reine Betreuungsteil (Also ohne Unterbringung und Verpflegung) bei den Betreuungskosten anzusetzen.

Zunächst danke ich wfwbinder und dervomfinanzamt für ihre klärenden Hinweise

  • Als Laie finde ich den Job einer Tagesmutter mit einer Internatsdienstleistung durchaus vergleichbar. Das Internat ist ggf. sogar die günstigere Lösung.

  • Das Internat handelt ebenso kommerziell wie die Tagesmutter (bei der das Kind ja durchaus auch übernachten darf, zumal bei Eltern die ggf. nachts arbeiten müssen..)

  • Nach Eurer Argumentation könnten die Internats-Eltern -durch (mit-)unternehmerische Gestaltung- statt der "Internats"-betreuung ein Tagesmuttermodell am Schulort des Kindes initiieren - und somit alle Kosten von der Steuer absetzen...

  • "Das Internat dient in aller erster Linie der auswärtigen Unterbringung." Das bestreite ich: Das Internat dient -zumindest in diesem Fall (kinderreiche Familie, beide berufstätig etc.)- primär der Betreuung des Kindes (Nummer 5). Wir Eltern sind mit der -zusätzlich zur Berufsausübung notwendigen- Betreuung von 6 Kindern (=zukünftigen Rentenzahlern) zeitlich, logistisch, pädagogisch schlicht überfordert.

  • zu Hause fallen "die Kosten für Unterbringung (Strom, Wasser, Miete für genutzte Räume)" übrigens weiterhin an - auch wenn das Kind nicht da ist. Unser Kind hat weiterhin ein schönes eigenes Kinderzimmer (6 qm) bei uns ! Internatskosten sind Zusatzkosten, die bei uns beruflich bedingt sind.

  • Die Internatskosten sind durch unsere -notwendige- berufliche Betätigung bedingt und ermöglichen somit erst die Erzielung eines steuerpflichtigen Einkommens.

  • Die Tatsache unserer Berufsausübung verhindert im Übrigen, daß wir jenseits des Kindergeld irgendwelche Sozialleistungen in Anspruch nehmen müssen....

Günstiger wäre es, wenn das Internat eine Bescheinigung ausstellt in der die Verpflegungskosten und Betreuungskosten aufgeschlüsselt sind. Einspruch vorsichtshalber einlegen und den Beleg nachreichen.

Wir stehen grade vor dem selben Problem. Das die Kosten nicht als Kinderbetreuungskosten angesetzt werden können, nehmen wir jetzt mal so hin. Von der Funktion her haben wir:

Unterbringungkosten Miete

Verpflegungskosten

Fahrtkosten

Auch bei uns fallen die laufenden Kosten zuhause natürlich nicht weg, deswegen finden wir die Situation durchaus vergleichbar mit doppelter Haushaltsführung von Arbeitnehmern oder in Trennung lebender Partner. Es muss doch einen Weg geben diese Ausgaben in die Bildung, wenigstens zum Teil steuerlich ansetzen zu können, zumal die Kosten für Normalverdienende erheblich das Budget belasten.

Was möchtest Du wissen?