Indesxfonds - warum sind die risikoreicher als gemanagte Fonds?

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6 Antworten

Das kann man so pauschal nicht sagen. ETFs sind auch nur eine Sorte von Fonds, deren Strategie jedoch definierter ist und damit eine kostengünstigere Abbildung ermöglicht.

ETFs sind ebenso riskant wie gewöhnliche Fonds:

  • in Bezug auf Emittentenrisiken, da sie ebenso wie auch gewöhnliche Fonds allesamt Sondervermögen darstellen, d.h. im Falle einer Insolvenz der KAG an die Depotbank fallen und weiterhin z.B. durch Übertragung des Verwaltungsmandats an eine andere KAG verwaltet werden können bzw. per Auszahlung an Anleger liquidiert werden.

  • wegen Wertpapierleihen und Pensionsgeschäften. Diese gibt es auch bei gewöhnlichen Fonds.

  • wegen Swaps, da diese zwar max. 10% eines ETF-Volumens ausmachen können, in der Praxis jedoch zwischen -2% und +2% nur liegen und überbesichert sind (mit 102-110%, je nach KAG).

ETFs sind weniger riskant als gewöhnliche Fonds:

  • da sie eine transparentere Kostenstruktur aufweisen und damit das Risiko der undefinierten Transaktionskostenposition in gewöhnlichen Fonds entfällt. Werden die ETFs über Swaps synthetisch abgebildet, finden praktisch keine nennenswerten Transaktionszahlen statt. Im Fall voll- oder teilreplizierender ETFs beschränken sich die Transaktionen auf Indexanpassungen und Rebalancing.

  • da sie i.d.R. eine klare Strategie abbilden, die für jeden Anleger direkt nachvollziehbar ist. Jeder Anleger kann mit der persönlichen Markterwartung gezielt in die Slices des Marktes investieren, die vielversprechend sind. Man könnte sogar eine Long/Short-Strategie implementieren und in den lt. Erwartung zukünftig schlecht performenden Sektoren Short-ETFs kaufen. Dieses Argument der "klaren Indexstrategie" muß relativiert werden, wenn es sich um aktive ETFs handelt, die einem speziellen Strategieindex abbilden.

  • da sie generell über die Börse mit i.d.R. geringen Spreads gehandelt werden. Das ist zwar bei vielen gewöhnlichen Fonds inzwischen auch der Fall, aber dort sind meist die Spreads deutlich höher. Bei Fonds kauft/verkauft man über die KAG mit einem noch unbekannten Preis. Dieser wird erst am Abend des Tages bzw. manchmal sogar erst ein paar Bankarbeitstage später publiziert. Man kauft/verkauft also aufgrund von Indikationen und hat damit ein Kursrisiko. Der börsengehandelte Preis von ETFs ist unmittelbar ersichtlich.

  • da man bei Fonds keine Stop-Loss-Limits setzen kann. Man kann das zwar bei einigen Verwaltern dennoch tun, aber dann kann es deutliche Gaps zu den tatsächlich gestellten Preisen geben, da nicht sofort verkauft wird, sondern erst zum nächsten gestellten Kurs - am nächsten Bankarbeitstag. Gerade riskantere Märkte sollte man jedoch nach unten absichern, auch wenn eigentlich Fonds in sich schon eine solche Absicherung enthalten sollten. Das ist jedoch vielfach nicht der Fall. Für börsengehandelte ETFs gibt es alle Optionen der Limitierung bei Kauf/Verkauf.

ETFs sind riskanter als gewöhnliche Fonds

  • aufgrund von Anlegerverhalten, denn die meisten Privatanleger haben keine Ahnung, welche konkrete Zusammensetzung Indices haben, welche Klumpenrisiken damit verbunden sind und in welchen Marktlagen was besser ist. Sie kaufen daher nach der Methode "Geiz ist geil" und "Europa ist Europa", ohne zu verstehen, daß es für den Markt, in den sie investieren wollen, auch durchaus besser als entsprechende Indices laufende Fonds gibt.

  • aufgrund von Korrelationen, da ETFs die Korrelation von Aktien in einem Index erhöhen. Damit wird ein Stockpicking relevanter, um potentielle Outperformer herauszusuchen. Gerade in schlechten Marktphasen erhöht sich die Korrelation deutlich. ETFs werden also stärker als gute Fonds die Krisenverkäufe ganzer Marktsegmente abbilden.

Letztendlich sind alle Fonds und ETFs doch Investmentvehikel für bestimmte Märkte. Die einen halten sich strikt an einen Index (der nach objektiven Kriterien zusammengestellt und laufend angepaßt wird) oder haben ihre flexiblere Strategie. Es ist daher kompletter Unsinn, davon zu sprechen, daß generell ETFs besser oder schlechter als irgendwelche Fonds in diesen Märkten sind. Es gibt gute und schlechte ETFs und es gibt gute und schlechte Fonds. Man muß jeweils entscheiden, welche Instrumente passen.

Indexkonstruktionen nach Marktkapitalisierung haben ihre Tücken, da damit Wachstumswerte eher außen vor bleiben und bestimmte Branchen übergewichtet werden. Je nachdem, wie die jeweiligen Sektoren laufen, wird man also den Index gut oder schlecht performen sehen. Man versucht daher, mit Gleichgewichtungen, Dividendengewichtungen, Minimum-Variance-Ansätzen und anderen Kriterien die Konstruktion der Indices zu optimieren. Letztendlich läuft das jedoch darauf hinaus, daß man eine "Weltformel" sucht, die in allen Marktlagen im Durchschnitt am besten von allen Strategien läuft. Man kann in einem ETF insbesondere nämlich nicht die Strategie wechseln. Daher sind gute Fonds im Vorteil, da sie zwischen defensiven und wachstumsorientierteren Aktien oder zwischen einzelnen Sektoren umgewichten können.

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Kommentar von gandalf94305
24.08.2013, 09:47

Es werden von der ETF-Industrie immer wieder Artikel zitiert, die die Überlegenheit von Indexinvestments darlegen sollen. Das ist Markting.

"Die meisten aktiv verwalteten Fonds sind schlechter als ihre Vergleichsindices." Stimmt. Das sind sogar erschreckende 80%. Aber daher muß man ja auch die passenden Fonds heraussuchen, die besser als der Markt laufen und diese ggf. umschichten. Der Wechsel zwischen Fonds wird in solchen Untersuchungen nicht berücksichtigt.

Weiterhin darf man nicht vergessen, daß das Hauptrisiko der Anleger selbst ist. Wenn man in europäische Aktien investieren will, was nimmt man denn da? Eurostoxx50? Stoxx Europe 600? Einen Minimum-Variance MSCI Europe? Einen europäischen Dividendenindex? Allein schon die Auswahl eines Index verlagert doch die Frage nach der Strategie auf den Anleger. Das sollte eigentlich ein erfahrener Fondsmanager mit einem Team erledigen.

Noch komplexer: in welchen Rentenindex investiert man bzw. in welche Rentenindices? Deckt man damit die Bereiche ab, die auch sinnvoll laufen? Wann schichtet man zwischen Durationen oder Regionen von Emittenten um? All das vergessen die ETF-Käufer gerne. Und dann wundern sie sich über eine unter dem Strich unterirdische Performance, wo ETFs doch so billig sind und so gut laufen sollen.

Sorry, das gebetsmühlenartige Promoten von ETFs ist ebenso dumm wie die kategorische Verteufelung von ETFs. ETFs bilden eine Art von Strategie ab. Manchmal paßt sie, manchmal nicht. Man muß aus dem gesamten Fondsuniversum die Instrumente wählen und kombinieren, um eine sinnvolle Portfoliostrategie herzustellen.

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Leider stellst Du Fragen, die 1001 Antworten zulassen und dies insbesondere, weil die Fragen so undifferenziert sind. Nehmen wir doch nur die gewählten Begriffe und deren vielschichtige Inhalte.

Fangen wir mit Börse an. Überlege mal, welche Börse Du meinst und wo sie sich abspielt und um welche Börsengüter es dabei gehen soll. Du könntest nach Ländern unterscheiden z. B. Deutschland und dort die Anleihen nehmen, die entweder vom Staat, von staatlichen Institutionen, von Finanzinstituten, von Groß- oder Mittelstandsunternehmen herausgegeben werden, wobei noch nach unterschiedlichen Anleiherestlaufzeiten zu unterscheiden wäre. Wieviele Indices ergibt das also?

Jetzt wechselst Du einfach mal zu Aktien, den eines Landes, einer Region, eines Währungsraumes, eines Kontinentes oder vielleicht global. Du kannst natürlich auch hier verschiedene Indices finden, die dieses Geschehen rückwärtsgerichtet abbilden. Aber ist die Geschichte der Vergangenheit ein Wegweiser für die Zukunft? Ist ein Preis- oder Performanceindex die korrekte Abbildung? Ist ein Index nach Marktkapitalisierung, Gleichgewichtung oder sonstigen Kriterien auch zukunftsweisend?

Welcher Index und welcher diesen Index abbildende ETF ist der "Korrekte" für einen Vergleich mit gemanagten Fonds?

Neben Anleihen und Aktien kannst Du auch noch gerne Immobilien und Rohstoffe berücksichtigen oder eine x-beliebige Kombination davon.

Nun zum Risiko. Wie definierst Du Risiko (siehe z. B. de.wikipedia.org/wiki/Risiko)? Über welchen Zeitraum willst Du Risiko ermitteln, ein, drei oder 10 Jahre. und ist es richtig, überhaupt über einen so definierten Zeitraum zu ermitteln oder müßte man nicht vielmehr z. B. über drei oder fünf solcher, aufeinanderfolgender Zeiträume rechnen? Kann man dann einfach einen arithmetischen oder eher einen gewogenen Durchschnitt ermitteln? Gibt es hier eine absolute Richtigkeit oder ist nicht der Anleger gezwungen zu sagen, ich trage ein Risiko, das am Ende nicht höher als x % von meinem Ausgangsinvestment sein soll?

Ist das Risiko nur die Berücksichtigung der Negativ- also der Verlustabweichung oder zählt dazu auch die Positiv- oder Chancenabweichung? Deine Frage tendiert offenbar eher zur Verlustversion und läßt die Chancen auf Gewinn bzw. Rendite außer acht.

Kann man bei der Risikobetrachtung die Kostenkomponente für das Risikomanagement außer acht lassen? Bei den ETFs liegen idR die Kosten für das Risikomanagement unbeziffert beim Anleger, bei den Fonds in der Management- und Erfolgsgebühr und der Anleger bekommt die Rechnung durch den Fonds präsentiert. Und beim ETF- oder Fondswechsel fallen erneut Transaktionskosten an, für die der Spruch gilt "Hin und her macht Taschen leer!"

Nun, der langen Erklärung kurzer Sinn: Für welchen Index suchst Du für welche Laufzeit einen risiko- bzw. ertragreicheren_ärmeren Fonds?

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Kommentar von GAFIB
24.08.2013, 16:55

Fogende Ergänzung noch, um die Diskussion noch ein wenig "praktischer" zu machen:

Vergleich der tatsächlichen Performance aktiv gemanagter Fonds (laut BVI-Statistik _> http://www.bvi.de/statistik/wertentwicklung/ ) mit der von führenden ETFs laut *justETF.de* über die** letzten 5 Jahre (Stichtag zum 30.06.2013**)

Aktien D BVI = +21,5% - ETF (iShares Dax) = +22%

Aktien Europa BVI = +2,8% - ETF (iShares EuroStoxx) = +4,9%

Aktien Global BVI = +10,4% - ETF (iShares MSCI Wolrd) = + 32%

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so eine Aussage lässt einen Autor vermuten, der selbst einen gerwalteten Fonds verkaufen will.

Wer den Chartverlauf eines Indexes für riskant bewertet, der findet auch die entsprechenden ETFs riskant.

Es kommt auf die Auswahl des Indexes an und das Risikoprofil des Anlegers. Wer Risiko scheut, Renten bevorzugen sollte, sich dann aber vergreift bei der Auswahl des ETFs, der wird seine Risiken nicht abgebildet finden.

Mit ETFs kann man das Börsenverhalten gut abbilden. Wenn man sich selbst gut mit Investments auskennt, dann ist sicherlich ein ETF nicht riskanter. Wer jedoch unerfahren ist, der wäre mit einer guten Beratung besser bedient, wenn er die korrekten, passenden Anlagen finden will.

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Wenn die Indexfonds tatsächlich die Aktien des Index kaufen würden, wäre es zumindest nicht risikoreicher als andere Fonds.

Offenbar gehen aber immer mehr Fondsmanager dazu über, nicht die Aktien zu kaufen, sondern den Index mit synthetischen Produkten wie Swaps oder Derivaten nachzubilden. Und die sind halt riskanter. (Wie das genau funktioniert, kann ich nicht in ein paar Worten erklären, mal Tante Google fragen). Wie riskant ein ETF ist, hängt also davon ab, wie genau das Geld der Investoren angelegt wird.

Also erkundige Dich, wie der ETF in den Du investieren willst, vorgeht. Wenn ich nicht verstehe, was die machen, wäre das für mich schon ein Grund, da nix zu investieren.

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Kommentar von gandalf94305
24.08.2013, 15:31

Wenn die Indexfonds tatsächlich die Aktien des Index kaufen würden, wäre es zumindest nicht risikoreicher als andere Fonds.

Nein. Ein Index ist klar definiert. Ein ETF muß sich daran halten, ob replizierend, teil-replizierend oder synthetisch. Ein Fonds kann Stockpicking betreiben, einen Value- oder Growth-Ansatz verfolgen, nach Dividenden suchen, nach Minimum-Variance auswählen, oder ganz andere Kombinationen von Kriterien anlegen. Nicht nur dar, der Fondsmanager kann sogar die Strategie wechseln, Schwerpunkte anders setzen und gezielt Absicherungen vornehmen. All das kann ein ETF nicht. Es läßt sich daher nicht sagen, ob eine Indexstrategie oder die (nicht formal definierte) Strategie eines Fonds zukünftig besser sein wird.

Mit welcher Berechtigung sollte denn ein Index (und in vielen Märkten gibt es ja auch noch mehr als einen Indexanbieter) gerade das perfekte Investmentvehikel sein?

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Ganz einfach, weil sie nucr den Index abbilden. Wenn also ein Indexfonds den DAX repliziert, und der geht von 8.400 Punkten auf 3.000 Punkte, dann geht der Fonds eben diesen Verlust ( 64 % )mit. Das macht in der Regel kein gemanagter Fonds. Lass dir nicht anderes erzählen. Das gilt für jeden Indexfonds und jeden ETF.

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Kommentar von LittleArrow
24.08.2013, 00:28

Das macht in der Regel kein gemanagter Fonds.

Etliche gemanagte Fonds übertreffen dank des Managements sogar noch diesen Rückgang. Das mag aber auch zusätzlich noch an den höheren Kosten für das Managements und die Fondsverwaltung liegen;-) Und wegen der höhere Kosten kommen viele auch auf keinen grünen Zweig.

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Das ist nicht richtig.

Oder doch verkappte Werbung für teure und schlechte "aktiv gemanagte Fonds" ???

Fakt: Die Abbildung eines Index in einem Fonds ist preisgünstiger - TER Wert der Fonds vergleichen!!!

Indexfonds werden bei Xetra oder anderen Börsen gehandelt, und da die Kosten meist gering beim Kauf sind, sind sie viel preisgünstiger als ein Fonds mit 5% Ausgabeaufschlag !!!

Und nur ganz wenige aktiv gemanagte Fonds schlagen dauerhaft die Performance eines Indexfonds.

Nur:: Auf den Index kommt es an !!! Da gibt es nämlich auch sehr konstruierte Indices, aber wenn man bei DAX, DOW, NIKKEI oder MSCI World bleibt, ist man schon auf der sicheren Seite.

Mit den Marken dbxtracker oder ishare gibt es viele Indexfonds, mit guter Performance.

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Kommentar von GAFIB
23.08.2013, 21:31

@qtbasket hat Recht. Indexfonds (ETs) sind keineswegs riskanter als aktiv gemanagte Fonds. ETFs bilden schlicht die Indices nach wie Dax, Dow Jones, Eurostoxx etc.

Die finanzwiss. Literatur zeigt es eindeutig: "Passives" Investieren mit Index-Fonds ist überlegen, bei längeren Zeiträumen sogar massiv überlegen.

Wir reden hier über Renditevorteile (bei identischem Risiko) von ca. 30-50% (!).

Wenn der Aktienindex 7% Wertzuwachs hat, dann bietet ein ETF darauf immer ca. 6,5%, ein aktiv gemanagter Fonds im Durchschnitt nur ca. 4,2%. Zwar gibt es 20%, die besser sind, aber auch 30-40%, die schlechter sind. Aktives Investieren ist ein Minus-Geschäft.

Denn letztlich mindern ziemlich genau die Fonds-Management-Kosten den Ertrag an der Börse - der Rest ist nämlich ganz weitgehend Zufall, der sich ständig ändert.

http://www.portfoliotheorie.com/Grundlage/index.htm

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