Ich kann mit 63 J. und 6 M. abschlagsfrei in Rente gehen. Kann ich Rente beantragen und trotzdem bis 65 weiterarbeiten, ohne den Arbeitgeber zu fragen?

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3 Antworten

Hallo ManfredJ,

Sie schreiben:

Ich kann mit 63 J. und 6 M. abschlagsfrei in Rente gehen. Kann ich Rente beantragen und trotzdem bis 65 weiterarbeiten, ohne den Arbeitgeber zu fragen?

Ich würde gerne die Altersrente für langjährig Versicherte beantragen und trotzdem bis zur Regelaltersgrenze 65 J. und 10 M. weiterarbeiten, da erst dann meine private Zusatzrentenversicherung ausgezahlt wird. Mein Arbeitgeber sähe es aber lieber, wenn ich mit 63 in Rente gehen würde, um den Arbeitsplatz einsparen zu können. Kann der Arbeitgeber mir kündigen, wenn er erfährt, dass ich die Rente mit 63 beantragt habe?

Antwort:

Wenn Sie Rente beziehen wollen und gleichzeitig bei Ihrem Arbeitgeber weiterarbeiten wollen, so kommen Sie zwangsläufig an der Einbeziehung Ihres Arbeitgebers und der -DRV nicht vorbei!

Da dürfte Ihnen die zulässige Hinzuverdienstgrenze einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen, seit 1.Juli 2017 gilt die sogenannte Flexirente!

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232606/publicationFile/53637/altersrentner_hinzuverdienst.pdf

Auszug:

Vorgezogene Altersrente und Hinzuverdienst

Erhalten Sie schon vor Erreichen der Regelaltersgrenze eine Altersrente, gelten beim Hinzuverdienst besondere Regelungen. 

Erst mit Erreichen der Regelaltersgrenze können Sie grundsätzlich
unbegrenzt hinzuverdienen.
Bekommen Sie eine vorgezogene Altersrente, also zum Beispiel
> eine Altersrente für langjährig Versicherte,
> eine Altersrente für besonders langjährig
Versicherte oder
> eine Altersrente für schwerbehinderte
Menschen, Berufs- oder Erwerbsunfähige,
dann müssen Sie bis zum Erreichen Ihrer Regelaltersgrenze bestimmte Hinzuverdienstgrenzen einhalten.

Die Regelaltersgrenze wird für nach dem 31. Dezember 1946 geborene Versicherte schrittweise vom 65. auf das 67. Lebensjahr angehoben. 

Wer zum Beispiel 1952 geboren ist und im Jahr 2017 seinen 65. Geburtstag
feiert, erreicht die Regelaltersgrenze mit 65 Jahren und sechs Monaten. 

Alle, die 1964 oder später geboren sind, erreichen diese erst mit 67 Jahren.

Abhängig vom Hinzuverdienst wird die
Altersrente in voller Höhe – als sogenannte
Vollrente – oder vermindert – als sogenannte
Teilrente – gezahlt. Unter Umständen kann
die Rente sogar ganz entfallen. Je mehr Sie
hinzuverdienen, desto niedriger ist der
Anteil der Rente.
Bitte melden Sie jede Erwerbstätigkeit Ihrem
Rentenversicherungsträger. Dort erfahren
Sie auch, ob Ihr Verdienst die Grenze einhält
oder überschreitet. Außerdem sagt er Ihnen,
welche Einkommensarten als Hinzuverdienst
berücksichtigt werden.

Unser Tipp:
Als Hinzuverdienst gelten der monatliche Bruttoverdienst,
der monatliche steuerrechtliche
Gewinn (Einkünfte aus Gewerbebetrieb, aus selbständiger
Arbeit und aus Land- und Forstwirtschaft)
sowie vergleichbares Einkommen (zum
Beispiel Abgeordnetenbezüge).

Vollrente oder Teilrente
Bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze
dürfen Sie bis zu 6300 Euro im Kalenderjahr,
also jeweils vom 1. Januar bis zum
31. Dezember eines Jahres, anrechnungsfrei
zu Ihrer vorgezogenen Altersrente hinzuverdienen.
Diese Regelung gilt einheitlich für
die alten und neuen Bundesländer. Eine
monatliche Gegenüberstellung gibt es nicht
mehr. In welchem Zeitraum des Jahres Sie
Ihren Hinzuverdienst erzielen, spielt also
keine Rolle mehr. Sie sind damit flexibler
und können zum Beispiel auch nur Teilzeiträume
im Jahr arbeiten

Der über den Betrag von 6300 Euro hinausgehende
Verdienst wird durch 12 geteilt.
Davon werden 40 Prozent auf die Rente
angerechnet. Die Rente wird dann nur noch
als Teilrente ausgezahlt.

Der Hinzuverdienstdeckel

Der Begriff Hinzuverdienstdeckel bezeichnet
Ihre individuelle Höchstgrenze für den Hinzuverdienst.
Dafür rechnet man die gekürzte
Rente und den Hinzuverdienst zusammen.
Liegt dieser Betrag über Ihrem bisherigen
Einkommen (höchstes Einkommen der
letzten 15 Jahre), wird der darüber liegende
Betrag zu 100 Prozent auf die verbliebene
Rente angerechnet

So wird geprüft – die Spitzabrechnung

Zunächst teilen Sie Ihrem Rentenversicherungsträger
mit, dass Sie in Kürze eine
Beschäftigung aufnehmen und wie viel Sie
voraussichtlich verdienen werden. Dieser
berechnet dann anhand Ihres voraussichtlichen
Hinzuverdienstes die Rentenhöhe für
das laufende Kalenderjahr und – in der
Regel – für die Zeit bis zum 30. Juni des
Folgejahres. Es wird also eine Prognose
gestellt.
Im Folgejahr – meist zum 1. Juli – wird
verglichen, ob Ihr tatsächlich erzielter Hinzuverdienst
mit dem voraussichtlichen
Hinzuverdienst übereinstimmt. Dieses Verfahren
nennt sich Spitzabrechnung. Stimmen
die Beträge nicht überein, wird die
Rente rückwirkend neu berechnet. Ergibt
sich nun eine Überzahlung, müssen Sie
diese zurückzahlen. War die Rente bisher zu
niedrig festgesetzt, bekommen Sie die Nachzahlung
ausgezahlt. Zu diesem Zeitpunkt
wird für die kommenden zwölf Monate eine
neue Prognose gestellt.

Unser Tipp:

Wenn Sie vorhaben, neben Ihrer Rente eine Beschäftigung
aufzunehmen, wenden Sie sich an eine unserer Auskunfts- und Beratungsstellen.

========

Fazit:

Lassen Sie sich gründlichst beraten, damit Sie sich da kein Eigentor schießen!

Das Ganze ist ein Rechenexempel zwischen Ihnen und Ihrer zuständigen DRV-Rentenanstalt!

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

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Kommentar von ManfredJ
28.07.2017, 08:39

Herzlichen Dank für die umfassende Information.

Ich möchte auf alle Fälle bis zur Regelaltersgrenze (65+10) bei meinem bisherigen Arbeitgeber weiterarbeiten. Es stellte sich für mich nur die Frage, die Rente mit 63+6 trotzdem zu beantragen oder nicht. Aber auch wenn die Rente durch den hohen Zuverdienst stark gekürzt wird ist es in der Summe doch immer noch mehr, als wenn ich keine Rente beantragen würde. Gleichzeitig würde doch der Rentenanspruch nach meiner beruflichen Tätigkeit durch die Weiterzahlung noch minimal anwachsen. Sehe ich das richtig?

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wenn Sie die Rente  mit  63+6 beantragen können Sie bis zur Regelaltersgrenze nur bedingt dazuverdienen.

Wenn Sie die Rente beantragen muss Ihr AG sie nicht  kündigen- Sie müssen Ihren AG über den Beginn Ihrer Rente informieren - dann endet das bestehende AV.

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Ich wüsste nicht warum der Arbeitgeber informiert werden müsste. Wenn natürlich im Arbeitsvertrag steht, dass das Arbeitsverhältnis endet, wenn man einen Altersvollrente erhält würde das Arbeitsverhältnis u. U. enden. Man kann aber eine Teilrente von 99% beantragen. Eine Teilrente ist unschädlich. Allerdings wird das Arbeitseinkommen zu 40% auf die Rente angerechnet soweit es 6.300 Euro jährlich übersteigt. Ein kleiner Nebeneffekt: Altersvollrentner erhalten bei Krankheit nach dem Ende der Lohnfortzahlung kein Krankengeld, Teilrentner schon auch wenn die Teilrente 99% ist. Das ist eine der Neuerungen durch das Flexirentengesetz.

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