ich habe in rheinland pfalz eine 100%sperre .möchte nach hessen ziehn.ist die sanktion dann noch wirksam?

3 Antworten

Sofern sich die Frage auf ALG2-Bezug bezieht, hast Du schon damit zu kämpfen, dass bis zum Umzug dein jetziges Jobcenter zuständig und zustimmungspflichtig ist.

Sofern Du also keinen neuen Arbeitsvertrag aus Hessen vorlegen kannst, der den Umzug faktisch notwendig macht, wird das ein ziemlich steiniger Weg.

Aber mal ganz ehrlich: Wie schafft man es, sich eine 100% Sanktion einzufangen?

Ohne jetzt über Für und Wider von Sanktionen diskutieren zu wollen, empfehle ich Dir die Lektüre dieses Artikels: http://www.hartziv.org/hartz-iv-sanktionen.html

davon kannst du mal ausgehen, diese Vorgehensweise würde doch Schule machen, wäre es nicht so !!! 

auch in Hessen müssen Anträge (Formulare) wahrheitsgemäß gestellt werden, ansonsten riskierst du noch eine Strafanzeige obendrauf. 

Der Text Deiner Frage ist sehr mager. Du schreibst nicht, seit wann, wie lange und warum Du sanktioniert wurdest. Bei einer 100%igen Sanktion ist für uns auch wichtig zu wissen, ob Du U25 oder Ü25 bist (= unter oder ab/über 25 J.).

Ziehst Du innerhalb der Sperrzeit um, kannst Du davon ausgehen, dass die Sperre bundesweit gilt. Anderenfalls wäre so ein Trick innrhalb der "Hartz IV- und Grundsicherungs-Berater-Szene" sicher bekannt.

Hättest du uns mitgeteilt, seit wann und warum Du sanktioniert wurdest, hätten wir möglicherweise beraterisch darauf eingehen können.

Du musst unbedingt darauf achten, dass Du während der Sperrzeit krankenversichert bist!!

Wenn Du IRGENDWAS vom Jobcenter bekommst, wie z.B. Essensmarken, muss das Jobcenter - soweit ich weiß - Dich krankenversichern.

Wenn Du jetzt irgendwas beim Jobcenter klären willst, geh auf keinen Fall allein hin, sondern lass Dich begleiten von einem erfahrenen (!!) Beistand, auch Ämterlotse genannt (dazu gleich mehr).

.

Auf jeden Fall empfehle ich Dir, wende Dich unbedingt an eine Sozialberatung. -  Google dazu mit
sozialberatung
und füge Deinen Wohnort hinzu (oder den nächstgrößeren, falls er klein ist).
Dir werden so (behördenunabhängige) Beratungsstellen gezeigt wie die
Diakonie / Diakonisches Werk, Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverband
oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Vereinbare dort einen Beratungstermin. Du wirst ja schon beim ersten Kontakt sagen, dass Du 100%ig sanktioniert und in akuter finanzieller Not bist.

Wohnst Du in Hamburg, hole Dir Rat bei der sehr guten Beratungsstelle
Arbeitslosen Telefonhilfe 0800 111 0 444 (Handy: 040 - 22 75 74 73).
Dort ist man zu Fragen rund um das Thema Arbeitslosigkeit sehr erfahren
(die dürfen nur Hamburger / Umgebung beraten).

Bei diesen Beratungen wird man Dir auch mitteilen können, ob Du während der Sperrzeit darauf angewiesen bist, dass Du Dir den Umzug vom Jobcenter genehmigen lassen musst.

.

Vorsorglich meine

Umgang mit Sozialbehörden

Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen).
Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge
persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf
einem mitgebrachten Doppel mit Stempel, Datum und Unterschrift
bestätigen. (Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht
das Schreiben rüber, „und hier brauche ich noch Stempel mit Datum
und Unterschrift“
).

Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben
aufsetzen, in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird (sind es
mehrere Anlagen, diese mit Nummern versehen aufzählen). - Wiederum
dieses Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und
Unterschrift bestätigen lassen.

Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein
Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt
wird).

Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht
behauptet werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und
wenn doch, eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original
unbedingt wie eine Kostbarkeit hüten)
. - Nicht (oder angeblich nicht)
abgegebene Unterlagen kann als Verstoß gegen die Mitwirkungspflicht
gedeutet werden, was zu Sanktionen führen kann = Kürzung von Geld. -
Und: Werden so die Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß
allgemein die Sache zügiger bearbeitet.

Falls Du meinst, ich würde übertreiben, google mit
jobcenter unterlagen verloren
und lies auch dies:
Hartz IV: Verschwundene Unterlagen mit System?
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-verschwundene-unterlagen-mit-system.php

.

Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein.
Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos im
Vertrauen
landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“
(wie es vollmundig bei Sozialbehörden heißt) verwendet werden.

.

Oft ist es ratsam, zum Amt einen Beistand als Begleitung mitzunehmen.
Dieser muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher
macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Der Beistand kann aber
auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google
mit 13 sgb 10):

     (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit
           einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene
           gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht
           unverzüglich widerspricht.

Für einen ehrenamtlichen Behördenbegleiter = Beistand google jeweils mit
Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

     Ämterlotsen
     Behördenlotsen
     Behördenbegleiter
     Hartz IV Mitläufer
     Hartz IV Gegenwind e.V.
     Wir gehen mit org

Diese Ämterbegleiter sind wertvolle Hilfen und notfalls auch Zeugen, und
(die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine
Ausbildung genossen und kennen sich bestenfalls mit den Gesetzen aus.
(Sag beim Amt niemals, Du hättest einen Zeugen dabei! Zeugen dürfen
des Raumes verwiesen werden - Beistände dagegen nicht, auf die hast
Du ein Recht.)

Lebst Du in einer Bedarfsgemeinschaft (oder Haushaltsgemeinschaft):
Andere Mitglieder solch einer Gemeinschaft können für Dich kein Beistand
sein, denn sie sind nicht neutral, sondern automatisch selbst Betroffene.

Google mit

legitimation eines beistands pdf (die Wörter genau so)

und lade Dir die Datei vom elo-forum runter. Darin erfährst Du die
gesetzliche Grundlage für Beistände und dass jeder Bürger ein Recht
darauf hat, sich bei Behördengängen von einem Beistand begleiten zu
lassen.

In der Info erfährst Du unter anderem, dass wenn Dein Beistand für Dich
etwas sagt, und Du widersprichst nicht, gilt es so, als hättest Du selbst es
gesagt.

Zum Amt mit einer erfahrenen Begleitpersonen zu gehen ist in diesem Fall
sehr empfehlenswert.

Wenn Du bei einer Sozialberatung bist, frage dort, ob dort Beistände /
Ämterlotsen / Behördenbegleiter ehrenamtlich Dienst machen. In Hamburg
z.B. bietet die Diakonie Begleitung durch Ämterlotsen an.

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