Hobby-Kunst kostenlos überlassen. Wie den Aufwand in der ESt-Erklärung ohne Beleg richtig erfassen?

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich versuche mich mal als erster an dieser Sache.

Ich bin aber gespannt, wie die anderen Steuerfachleute das sehen.

Man kann hier 2 Auffassungen vertreten.

  1. Es gibt keinen Aufwand für die Ware, also kein Wareneinkauf und als Kosten sind nur die Kosten für den Onlineshop, bzw. die Gebühren für eBay abzugsfähig, die Internetkosten und alles was mit der Verwaltung zu tun hat.
  2. Ich kann die Auffassung vertreten, die Schenkung erfolgte aus privaten GRünden ins Privatvermögen des Sohnes. Der legt diese Töpferware zum Teilwert (steuerlicher Begriff) in den Betrieb ein und dass ist dann der Wert des Wareneinkaufs.

Ich würde mich natürlich nach Ansicht 2 richten, wenn ich die Sache steuerlich zu bearbeiten hätte.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Steuerbevollmächtigtenprüfung 1979, Steuerberaterprüfg .1986

Das wäre ganz genau auch mein Ansatz gewesen.

Ich würde aus nachvollziehbaren Gründen auch Nummer 2 bevorzugen, mich am Ende aber nicht mit dem Finanzamt auf einen Streit einlassen wollen.

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@EnnoDerDritte

Dann sind wir uns einige. Ich freue mich immer, wenn die jungen Kollegen mich nicht schon für alt und senil halten.

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@wfwbinder

Da hab ich wohl Anfängerglück gehabt :-)

Aber nach knapp 30 Jahren Tätigkeit auf dem Gebiet der Steuern muss ja auch mal ein Glückstreffer dabei sein.

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Ich bin wahrlich kein Steuerfachmann, sondern nur Gewerbetreibender. Doch als solcher würde ich Nummer 2 ausschließen. Diese Möglichkeit gibt es zwar und kann durchaus genutzt werden. Doch meiner Ansicht nach dürfte das nur bei Einzelstücken ohne Probleme mit dem Finanzamt möglich sein. Wenn das regelmäßig gemacht wird, könnte das Finanzamt durchaus einen Missbrauch der Norm sehen, was nicht sein darf. Es ist nicht glaubwürdig erklärbar, dass eine größere Anzahl an Vasen aus privaten Gründen verschenkt wird.

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@Aivas

Wie Du siehst würden zwei Steuerberater trotzdem erstmal Lösung 2 bevorzugen, wären aber nicht bereit sich mit dem Finanzamt zu streiten.

Es wäre noch eine Lösung sämtliche Materialien, die die Mutter benötigt, über den Betrieb einzukaufen und so die Sache als "eigenes Töpfern" darzustellen.

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@wfwbinder

Ja, das halte ich für die sauberste Lösung, bei der kein Potential für Streitigkeiten mit dem Finanzamt bestehen sollte. Daher hatte ich das in meiner Antwort auch geschrieben.

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@Aivas

Sieh es mal so:

Wenn das Finanzamt Nr. 2 verwirft und Nr. 1 heranzieht, steht der Fragesteller genauso da als wenn er sofort zu Nr. 1 gegriffen hätte. Er kann also nichts verlieren, wenn er der Auffassung folgt, dass Nr. 2 richtig ist.

Es ist also bereits aus verhandlungstaktischen Gründen geboten, Nr. 2 zu nehmen.

Noch ein Grund: Es ist denkbar und sogar wahrscheinlich, dass im Laufe der Verhandlung mit dem Finanzamt ein Ereignis eintritt, der Nr. 2 stützt. Vielleicht ein BFH-Verfahren, vielleicht eine Äußerung des Finanzamts....

Wendet er in vorauseilendem Gehorsam Nr. 1 an, kann er von einer solchen Wendung nicht mehr profitieren.

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Vielen Dank für die Antwort. Wie ermittle ich denn den Teilwert ? Müssen hier dann Lieferscheine o.ä. als Belege ausgestellt werden?

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@Jimb0

NEin, wie ich schrieb ist "Teilwert" ein Fachbegriff aus dem Steuerrecht.

Teilwert ist der Wert, der dem Einzelnen Gegenstand beizulegen ist, unter dem Gesichtspunkt, dass der ganze Betrieb verkauft wird.

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@wfwbinder

Ok, d.h. zusammenfassend, dass ich keinen Wareneinkauf in der EÜR ausweisen kann/muss, richtig?

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@Jimb0

Zur Zeit gibt es keinen Einkauf. Daher der Vorschlag das Rohmaterial einzukaufen.

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Du kannst keine Ausgaben (Kosten) für die Vasen bzw. das Material ansetzen. Es fehlen ja Belege dafür, die aber erforderlich sind. Wenn das Finanzamt deine EÜR überprüfen möchte, dann musst du Belege liefern. Kannst du das nicht, werden dir die Kosten gestrichen.

Ich sehe nur die Möglichkeit für die Zukunft, dass du von nun an das Material auf deinen Namen einkaufst. Dann hast du eine Rechnung.

Die Kleinunternehmerregelung ist nicht immer sinnvoll, auch wenn sie sich verlockend anhört. Denn man kann damit ja auch nicht die Mehrwertsteuer aus den Kostenbelegen abziehen. Und unter Umständen kann das sogar den Gewinn verringern.

Vielen Dank für Ihre Antwort. Das werde ich dann in Zukunft so machen!

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