Hat jemand mit Vorsorgevollmacht auch Zugriff auf mein Girokonto?

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Mit einer Vorsorgevollmacht bevollmächtigt nach deutschem Recht eine Person eine andere Person, im Falle einer Notsituation alle oder bestimmte Aufgaben für den Vollmachtgeber zu erledigen. Mit der Vorsorgevollmacht wird der Bevollmächtigte zum Vertreter im Willen, d. h., er entscheidet an Stelle des nicht mehr entscheidungsfähigen Vollmachtgebers. Deshalb setzt eine Vorsorgevollmacht unbedingtes und uneingeschränktes persönliches Vertrauen zum Bevollmächtigten voraus und sollte nicht leichtfertig erteilt werden. Die Rechtsgrundlage für das Handeln des Bevollmächtigten findet sich in § 164 ff. BGB, das Verhältnis zwischen Vollmachtgeber und Bevollmächtigten (sog. Auftrag) in § 662 ff. BGB.

Eine Vorsorgevollmacht ist eine Willenserklärung, die einem anderen Menschen die rechtsgeschäftliche Vertretung erlaubt.

Hingegen wird der Bevollmächtigte in finanziellen Angelegenheiten nicht durch das Vormundschaftsgericht kontrolliert. Es kann sich daher empfehlen, selbst Kontrollmechanismen in die Vorsorgevollmacht aufzunehmen, zum Beispiel die Erteilung der Vollmacht in der Weise, dass immer nur zwei Bevollmächtigte von ihr Gebrauch machen können ("Vier-Augen-Prinzip").

Die Errichtung in der Form notarieller Beurkundung (§ 129 BGB) ist aber sinnvoll und wichtig, da der Notar umfassend über die Rechtswirkungen und den Inhalt der Vorsorgevollmacht berät, Feststellungen zur Geschäftsfähigkeit trifft und vor allem vor einer inhaltlich fehlerhaften, ungenauen und/oder unzweckmäßigen Abfassung der Vollmacht schützt.

Vorsorgevollmachten müssen auch von Banken akzeptiert werden. Die frühere Praxis, dass Banken zusätzlich noch eigene Kontovollmachten verlangen, ist heute nicht mehr rechtmäßig. Eine Bank darf jedenfalls dann, wenn die Vorsorgevollmacht notariell beurkundet worden ist, keine speziellen Bankvollmachten verlangen. Um die Akzeptanz bei Geldinstituten zu gewährleisten, ist es ratsam, den Bevollmächtigten dort persönlich einzuführen.

Sie schreiben: Vorsorgevollmachten müssen auch von Banken akzeptiert werden. --- Bitte sagen Sie mir, wo dazu etwas steht! Gilt dies auch, wenn ich als Bevollmächtigte ein neues Girokonto (mit besseren Konditionen) eröffnen will? In meinem konkreten Fall ist es so, dass die Banken zusätzlich zu meiner Bevollmächtigung auch die persönliche Unterschrift meines Vaters wollen. Der ist aber nach einem Schlaganfall gelähmt und kann nicht unterschreiben. So sind wir anscheinend auf Dauer an die alte Bank gebunden....

Das Thema Vollmacht hat qtbasket schon erklärt, deshalb nur noch eine Ergänzung. Die Vorsorgevollmacht hat noch einen besonderen Vorteil. Das Problem liegt im Betreuungsrecht. Wenn man selbst nicht mehr entscheiden kann, wird ein Betreuer beauftragt, durch das Betreuungsgericht (vorm. Vormundschaftsgericht). Dieser Betreuer wird eingesetzt, ohne das Angehörige oder Freunde gehört werden. Angehörige, auch Kinder und Ehepartner haben nachher kein Widerspruchsrecht gegen die Entscheidung. Mit einer Vorsorgungvollmacht, nur mit einer Vorsorgevollmacht, kann man relativ sicher bestimmen, wer im Notfall bevollmächtigt sein soll.

Mehr Info bei www.pflegeverantwortung.de

Unterschiede der Vorsorgevollmacht und Generalvollmacht im Testament

Meine Eltern haben in ihrem Testament festgelegt, dass wir eine Vorsorgevollmacht haben, falls diese nicht mehr in der Lage sind zu entscheiden. Nun ist mein Vater seit einiger Zeit gestorben und meine Mutter an Krebs erkrankt. Meine Schwester möchte, dass wir getrennt voneinander Entscheidungen treffen können, da ich nicht mehr im Ort wohne, wo meine Mutter lebt. Sie sprach von einer Generalvollmacht. Kann mir jemand den Unterschied erläutern und mir sagen, was wir nun idealerweise tun sollten? Muss meine Mutter eine Generalvollmacht für uns beide ausstellen, damit wir beide, getrennt von einander Entscheidungen treffen können? Ist die Vorsorgevollmacht quasi auch Teil der Generalvollmacht? Herzlichen Dank schon einmal vorab für Ihre Ratschläge!

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