Hartz 4 möchte heiraten aber trotzdem getrennte wohnsitze behalten

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Ich nehme mal an, euch geht es eigentlich mehr um die Frage: "in welcher Konstellation bleibt unterm Strich das meiste Geld übrig". Unter diesem Aspekt versuche ich mich mal an einer Antwort: Ich bin kein Hartz 4 - Experte, aber im Unterhaltsrecht kenne ich mich ganz gut aus.

Grundsätzlich: Wenn ihr heiratet und du kein eigenes Einkommen hast, ist dein zukünfitger Ehegatte dir gegenüber zum Unterhalt verpflichtet. Aaaber: Die Kinder stehen an erster Stelle. Nun kommt es darauf an, wieviel er verdient und wie alt seine Kinder bereits sind. Eine Orientierung stellt die sog. Düsseldorfer Tabelle dar (die jedoch - wider der häufigen Auffassung - NUR eine Richtlinie für die Behörden darstellen soll. Es stimmt nicht, daß diese Tabelle bindend ist, ganz im Gegenteil: Eingentlich ist die Behörde dazu angehalten, jeden Einzelfall für sich genommen zu überprüfen, aber das nur am Rande). Da ich jetzt keine Infos über sein Einkommen, seine Kinderzahl und das Alter seiner Kinder habe, kann ich dir nicht sagen, in wieweit dein Unterhaltsanspruch noch zum tragen kommt. Das mußt du dir selbst ausrechnen.

Mit einer Ex-Frau, die vielleicht auch noch unterhaltsberechtigt ist, wirst du ab dem Zeitpunkt der Heirat gleichgestellt (ihr kommt zu gleichen Teilen in der Rangfolge nach den Kindern).

Deine Kinder bleiben von der Unterhaltsverpflichtung unberührt, so lange dein Zukünfitger die Kinder nicht adoptiert. Bis dahin ist für deren Unterhalt der leibliche Vater der Kinder zuständig (ersatzweise das Amt, wenn es keinen Vater gibt).

Das jetzt mal zum Grundsätzlichen zwecks Unterhalt.

Jetzt kommt der Hartz $ - Aspekt dazu: Soweit ich weiß, fallt ihr in die gemeinschaftliche Veranlagung, sobald ihr verheiratet seid (unabhängig vom Wohnort und bei gesetzlicher Gütergemeinschaft). Seitens des Amtes stellt sich dann die Frage, warum ein zweiter Wohnsitz notwendig ist (sind schließlich zusätzliche Kosten, die man durch Zusammenzug in eine Wohnung schnell eingespart hätte). Von daher: Geht auf beide Ämter und erkundigt euch, welche Folgen die Hochzeit aus sicht der Behörden für euch hat. Denkt auch an die steuerliche Seite (vielleicht kommt ihr "günstiger" weg, wenn du aus Hartz 4 ausscheidest und als Hausfrau bei deinem Mann eingetragen wirst in Bezug auf die Steuererklärungen).

Das Amt wird in jedem Fall überprüfen, ob durch die Heirat für dich nicht doch der ein oder andere Euro bei deinem zukünfitgen Gatten zu holen ist (schließlich besitzt er Eigentum). Überlegt euch daher, was euch wichtig ist (Haus behalten oder im Notfall veräußern, um den Unterhaltsansprüchen nachkommen zu können) und ob ein zweiter Hausstand für das Amt plausibel erklärbar ist.

LG Galoppi

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