Ich beziehe Arbeitslosengeld II und würde gerne 27 Tage auf einem Festival arbeiten. Wie sollte mich der Arbeitgeber anmelden? Was darf ich behalten?

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4 Antworten

Was Du (unabhängig von der Bezahlung) davon hast, ist auch noch die Erfahrung, Du hast mal eine Beschäftigung und kommst unter die Leute, und es sieht im Lebenslauf nicht so aus, als wolltest Du nur untätig herumsitzen. Solange Du Dir nicht aus guten Gründen (allgemeiner Gesundheitszustand heikel, Pflege Angehöriger, etc.) solch einen Streß nicht antun willst, warum denn nicht?

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Mit diesem Rechner kannst Du mal ein bisschen "spielen": http://www.hartziv.org/hartz-iv-rechner.html

Jedoch ist das ja ziemlich hypothetisch, da du deinen realen Verdienst ja nicht abschätzen kannst.

Sofern klar ist, dass Du die 450,- €-Marke nicht überschreitest, ist eine Anmeldung als Minijob am einfachsten.

Empfehlenswert ist jedoch die ganz normale Anmeldung als Arbeitnehmer auf Lohnsteuerklasse - die sowieso greift, wenn der 451-te Euro verdient wird.

Unabhängig davon wird dir jeglicher Zuverdienst - siehe Rechner - in Teilen vom Leistungsbedarf abgezogen. Je nach dem, wieviel du verdienst, wird also die erhaltene ALG2-Leistung für den Arbeitsmonat von Dir zurückgefordert.

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Bei deinem eventuellen Verdienst solltest du folgendes beachten:

Die ersten 100 Euro vom Lohn werden gar nicht auf das Alg II angerechnet. Sie bilden den so genannten Grundfreibetrag.

Liegt der Verdienst über 100 Euro aber noch unter 1.000 Euro brutto bleiben zusätzlich zum Grundfreibetrag weitere 20 Prozent des Bruttolohnes unbeachtet.

Bei Brutto-Einkommen über 1.000 Euro bleiben zusätzlich zu den eben aufgeführten zwei Freibeträgen nochmals 10 Prozent des Brutto außen vor.Die Freibeträge haben allerdings eine Obergrenze. Bei Leistungsberechtigten ohne Kind liegt sie bei 1.200 Euro brutto.

Du siehst also, es lohnt sich auf jeden Fall.

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Ergänzend zu den guten Antworten, die Du bereits erhalten hast: ALG II / Hartz IV ist ja keine Versicherungsleistung (wie ALG I), sondern eine Art von Sozialhilfe  / Grundsicherung für diejenigen, die ihr Existenzminimum nicht durch Einkommen oder Vermögen decken können. Sobald dies möglich ist, entfällt diese Art von Not-Hilfe. - Auch wenn vieles an der Regelung der Grundsicherung (für Arbeitssuchende und für aufstockende Rentner) beanstandungswürdig ist, können wir doch froh sein, dass es dies in unserem Land überhaupt gibt.

Wenn Du also nun die Möglichkeit hast, Geld zu verdienen und so für eine gewisse Zeit zumindest teilweise Deinen Lebensunterhalt selbst sichern zu können, ist das doch eine prima Sache. Die Summe, die Dir von Deinem Verdienst angerechnet wird, braucht Dich also nicht zu ärgern. Statt dessen freue Dich über die Freibeträge, die Dein Konto / Deinen Geldbeutel befüllen.

Falls Dir vom Jobcenter irgendwelche Steine in den Weg gelegt werden wegen dieses Jobs (diese Empfehlung nur vorsorglich:), geh um das zu klären nicht allein hin, sondern lass Dich begleiten von einem erfahrenen Beistand, auch Ämterlotse genannt (dazu gleich mehr).

.

Ebenfalls vorsorglich diese Hinweise von mir zum

Umgang mit Sozialbehörden

Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen).
Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge
persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf
einem mitgebrachten Doppel mit Stempel, Datum und Unterschrift
bestätigen. (Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht
das Schreiben rüber, „und hier brauche ich noch Stempel mit Datum
und Unterschrift“
).

Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben
aufsetzen, in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird (sind es
mehrere Anlagen, diese mit Nummern versehen aufzählen). - Wiederum
dieses Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und
Unterschrift bestätigen lassen.

Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein
Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt
wird).

Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht
behauptet werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und
wenn doch, eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original
unbedingt wie eine Kostbarkeit hüten)
. - Nicht (oder angeblich nicht)
abgegebene Unterlagen kann als Verstoß gegen die Mitwirkungspflicht
gedeutet werden, was zu Sanktionen führen kann = Kürzung von Geld. -
Und: Werden so die Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß
allgemein die Sache zügiger bearbeitet.

Falls Du meinst, ich würde übertreiben, google mit
jobcenter unterlagen verloren
und lies auch dies:
Hartz IV: Verschwundene Unterlagen mit System?
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-verschwundene-unterlagen-mit-system.php

.

Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein.
Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos im
Vertrauen
landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“
(wie es vollmundig bei Sozialbehörden heißt) verwendet werden. - Lies auch

Wichtige Tipps für Hartz-IV-Betroffene
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/wichtige-tipps-fuer-hartz-iv-betroffene.php

.

Oft ist es ratsam, zum Amt einen Beistand als Begleitung mitzunehmen.
Dieser Ämterlotse muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher
macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Der Beistand kann aber
auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google
mit 13 sgb 10):

     (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit
           einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene
           gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht
           unverzüglich widerspricht.

Für einen ehrenamtlichen Behördenbegleiter = Beistand google jeweils mit
Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

     Ämterlotsen
     Behördenlotsen
     Behördenbegleiter
     Hartz IV Mitläufer
     Hartz IV Gegenwind e.V.
     Wir gehen mit org

Diese Ämterbegleiter sind wertvolle Hilfen und notfalls auch Zeugen, und
(die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine
Ausbildung genossen und kennen sich bestenfalls mit den Gesetzen aus.
(Sag beim Amt niemals, Du hättest einen Zeugen dabei! Zeugen dürfen
des Raumes verwiesen werden - Beistände dagegen nicht, auf die hast
Du ein Recht.)

Lebst Du in einer Bedarfsgemeinschaft (oder Haushaltsgemeinschaft):
Andere Mitglieder solch einer Gemeinschaft können für Dich kein Beistand
sein, denn sie sind nicht neutral, sondern automatisch selbst Betroffene.

Google mit

legitimation eines beistands pdf (die Wörter genau so)

und lade Dir die Datei vom elo-forum runter. Darin erfährst Du die
gesetzliche Grundlage für Beistände und dass jeder Bürger ein Recht
darauf hat, sich bei Behördengängen von einem Beistand begleiten zu
lassen.

In der Info erfährst Du unter anderem, dass wenn Dein Beistand für Dich
etwas sagt, und Du widersprichst nicht, gilt es so, als hättest Du selbst es
gesagt.

.

Achtung! sehr wichtig für Hartz IV-Bezieher:
Folge den Dir aufgegebenen Mitwirkungspflichten wie Bewerbungen
schreiben, an Maßnahmen / Fortbildungen teilnehmen (auch falls Dir
eine der Maßnahmen blöd, unsinnig oder für Dich unangemessen erscheinen
mag). In solch einem Fall wende Dich an eine Arbeitsloseninitiative /
Arbeitslosenberatung / Rechtsberatung. - Bezüglich fehlender Mitwirkung
wurde das Gesetz für "Hartzis" krass verschärft, und das kann sehr
schmerzhafte finanzielle Folgen für Dich haben!

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cyracus 17.05.2017, 04:10

Die Abrechnungen Deines Einkommens gegenüber dem Jobcenter erfolgen monatlich. Erstreckt sich Dein Verdienst also über zwei Monate, und in zwei Monaten wird Dir anteilsmäßig der Lohn aufs Konto überwiesen bzw. ausgezahlt gegen Quittung, stehen Dir zweimal die Freibeträge für den ausgezahlten Lohn zu.

Wichtig dabei ist, dass auch tatsächlich die Auszahlung in zwei Monaten erfolgt. Denn bei Hartz IV gilt das sogenannte Zuflussprinzip.

Arbeitest Du in zwei Kalendermonaten, aber der Lohn fließt auf Dein Konto oder Dir bar per Quittung innerhalb eines Monats zu, gibt es die Freibeträge nur einmal.

Falls die 27 Tage innerhalb eines Monats sind, könnte es problematisch werden, wenn tricki-tricki der Lohn aufgeteilt wird auf zwei Monate. Denn manche Jobcenter-Mitarbeiter sind sehr genau bei derartigen Überprüfungen.

.

Diesbezüglich ist auch wichtig für Dich zu wissen für den Fall, dass es Dir gelingt, eine Arbeit zu finden, die Dich aus Hartz IV befreit:

Du beziehst Hartz IV, und mal so als Beispiel ab 1. Juni beginnst Du mit einer Arbeitsstelle, der Lohn dafür wird Am Ende des Monats ausgezahlt. Damit Du im Monat Juni überlebst, erhältst Du Ende Mai / Anfang Juni nochmal Hartz IV, das fließt Dir also für / im Juni zu.

Wenn nun Dein erstes Gehalt Ende Juni aufs Konto fließt, musst Du das letzte Hartz IV zurückzahlen (das wird dann so berechnet, als hättest Du für Juni doppelt Geld erhalten, obwohl Du ja vom ersten Lohn im Juli leben sollst).

Fließt aber Dein erster Lohn am 1. oder 2. Juli auf Dein Konto, musst Du das letzte Hartz IV nicht zurückzahlen, denn die Beträge Hartz IV und erster Lohn sind ja nicht im selben Monat auf Den Konto geflossen.

Wir wissen, das ist schizophren, total verrückt, aber so ist die Vorschrift, das ist das Zuflussprinzip. Das sollte im Falle eines Falles auch der Chef der neuen Arbeitsstelle wissen / erfahren.

Wenn Du googelst mit

hartz IV zuflussprinzip

wird hierzu vielfach geschrieben.

.

Ich wünsche Dir sehr, dass Du eine freudvolle Arbeit findest mit freundlichen Kollegen / Chef und fairem Lohn, und dass Du Dich so aus Hartz IV lösen kannst.

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