Haben globale Aktienfonds einen Vorteil gegen europäische oder deutsche?

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Theoretisch sind global ausgerichtete Aktienfonds besser (ertragreicher und risikoärmer) als solche die sich auf Europa oder gar nur Deutschland beschränken, weil die global viel größere Aktienauswahl eine breitere Streuung erlaubt und auch Regionen mit größerem Wachstum einschließt.

Der Vorteil einer wirklich globalen Anlage lässt sich allerdings erst über einen längeren Zeitraum erkennen. Mindestens ein ganzer Börsenzyklus mit vollständiger Aufschwung- und Abschwungphase sollte es schon sein.

In der Praxis hat die globale Anlage das Problem, dass über viele ausländische Gesellschaften hinreichend ausführliche und regelmäßige sowie verständliche Informationen nur schwierig zu beschaffen sind und die meisten Fondsmanager durch die große Zahl der Branchen und Wirtschaftszweige und die unübersehrbare Menge der Aktiengesellschaften sowie die Unterschiedlichkeit ihrer Heimatländer schlicht überfordert sind. Die Folge davon ist der sogennannte "Homebias", also die Bevorzugung von Aktien des Heimatlandes. Es gibt Fonds, die sich mit Aktien von nur drei internationalen Großkonzerne als international anlegend bezeichnen. Andere versuchen als Dachfonds das Problem einer internationalen Anlagenstreuung auf die Zielfonds abzuwälzen.

Ein mittelmäßig begabter Vermögensverwalter wird mit einem eingeschränkten Anlageuniversum oder einem Dachfonds vermutlich erfolgreicher sein als mit einer globalen Aktienanlage. Letztere ist wirklich nur was für die allerbesten Vermögensverwalter.

Das mit "global" oder "nicht global" ist so eine Sache. Investierst Du in einen Fonds, der nur in deutsche DAX30 Standardwerte investiert, dann investierst Du in Wirklichkeit weltweit, denn die DAX30 Unternehmen sind wirtschaften allesamt weltweit. Aus diesem Grund halte ich eine Investion in deutsche Blue Chips schon für sehr risikoarm, weil weit gestreut.

Es spricht grundsätzlich wenig dafür, sich regional zu beschränken. Deutschland und Europa sind zwar billig, andere Regionen aber auch und sie bieten (durch günstigere demografische Entwicklungen und weil sie teilweise Nachholbedarf haben) langfristig mehr Chancen.

Weitere Vorteile sind, dass die Manager ausweichen können, wenn ein Markt teuer erscheint und auch, dass Deutschalnd wie auch Europa relativ gleich schwanken. Es kann dagegen durchaus passieren, dass die USA oder auch Asien - weil der Markt in einer anderen Phase ist - das Portfollio vom minus ins plus bringen.

In der Vergangenheit haben die Emerging Markets die Aktienportfolien deutlich besser performen lassen. Warum sollte das nicht auch in Zukunft der Fall sein und warum sollte nicht für einige Jahre die USA oder Osteuropa diese Rolle übernehmen?