Gibt es einen Pflichtteil den ein Familienmitglied erben kann?

3 Antworten

mgroth:Deine Mutter hat einen Pflichtteilsanspruch.

Der Erblasser kann jedoch einem Abkömmling den Pflichtteil unter folgenden Voraussetzungen entziehen (ich zitiere Walter Krug, Erbrecht, 4. Aufl. 2009):

a) Wenn der Abkömmling dem Erblasser, dessen Ehegatten oder einem anderen Abkömmling nach dem Lebend trachtet. Straflose Vorbereitungshandlungen, die noch nicht das Stadium des strafbaren Versuchs erreicht haben, reichen aus.

b) Wenn der Abkömmling sich einer vorsätzlichen Misshandlung des Erblassers oder dessen Ehegatten schuldig macht. Im Fall der Misshandlung des Ehegatten nur dann, wenn der Abkömmling von diesem abstammt. Seelische Misshandlung, die sich nicht auf das körperliche Empfingen auswirkt, reicht nicht aus.

c) Wenn der Abkömmling sich eines Verbrechens oder eines schweren vorsätzlichen Vergehens gegen den Erblasser oder den Ehegatten schuldig macht. Strafverfolgung ist nicht Voraussetzung. Es kommt auf die konkreten Umstände des Einzelfalls an, nicht auf die abstrakt vorgesehenen Strafrahmen. Auch Eigentums- und Vermögensdelikte kommen in Betracht, wenn sie schweren Schaden zufügen, eine grobe Missachtung des Eltern-Kind-Verhältnisses widerspiegeln und damit den Erblasser besonders kränken.

d) Wenn der Abkömmling seine gesetzliche Unterhaltspflicht gegenüber dem Erblasser böswillig verletzt. Dieser Tatbestand hat kaum praktische Bedeutung, weil in diesem Fall selten so viel Nachlass vorhanden sein wird, dass ein nennenswerter Pflichtteilsanspruch überhaupt in Frage käme.

e) Bei ehrlosen oder unsittlichen Lebenswandel des Abkömmlings gegen den Willen des Erblasser. Auch hier wird Verschulden vorausgesetzt.


Der Pflichtteil, der somit nur unter bestimmten engen Voraussetzungen entfällt, ist kein gesetzlicher Erbteil (er wird auch nicht im Erbschein aufgenommen) sondern ein persönlicher Anspruch auf Zahlung einer Geldsumme in Höhe der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils im Zeitpunkt des Erbfalls.

Grds. ist das Erbrecht nicht von Sympathie abhängig. Ohne Testament verstorben, erben gesetzliche Erben, das sind Ehegatten und Kinder, nach bestimmten Quoten.

Grds. können gesetzliche Erben eines Verstorbenen, sofern er eine abweichende Erbfolge durch Testament verfügte, gegen die darin genannten Erben ein Pflichtteilsanspruch in Höhe der halben Erbquote fordern.

Diese Pflichtteilsrecht wäre nur dann zu versagen, wenn Erbunwürdigkeit vorliegt.

Hierzu zählt seit der Ebrechtsreform 2010 eben auch schweres Fehlverhalten gegenüber dem Erblasser und ihm nahe stehender Personen (Partnermobbing) sowie bei allgemeinem schwerem sozialwidrigem Fehlverhalten (Elternunterhalt versagt, Beerdigungskosten verweigert, Pflegekosten nicht mitgetragen, Entmündigung, Betreuung, Einweisung durchgesetzt,...).

G imager761

Der Pflichtteil ist die Hälfte des gesetzlichen Erbteiles. Sind also nur Deine Mutter und Deine Tante vorhanden, dann wäre der gesetzliche Erbteil jeweils die Hälfte. Pflichtteil also für Deine Mutter 1/4. Anspruch hinsichtlich des Pflichtteiles besteht nur in geldwerter Auszahlung. (also keine Anspruch auf bestimmte Gegenstände).

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