Gewinn versteuern bei Aktienfonds?

2 Antworten

Im Prinzip richtig, aber es gibt ein paar besondere Fälle in Abhängigkeit vom Wert X und der Art des Fonds.

Ich verstehe nicht so ganz, warum die Anzahl der Fonds relevant ist, daher ignoriere ich diesen Punkt mal. Nehmen wir also einen Fonds, in den 10.000 EUR eingezahlt wurden. Nehmen wir außerdem an, dass Du einen Freistellungsauftrag von 801 EUR pro Jahr eingerichtet hast, der aktuell und in den Vorjahren nicht anderweitig ausgeschöpft wurde.

  1. Anschaffungskosten werden incl. Ausgabeaufschläge und ggf. Transaktionskosten gerechnet. Hast Du also z.B. 5% Ausgabeaufschlag gezahlt, dann wären von den EUR 10.000 nur EUR 9.523,81 angelegt worden. Kosten sind aber EUR 10.000. War das ein ETF, der über die Börse gekauft wurde (z.B. 1% Transaktionskosten), so fielen 100 EUR Transaktionskosten zusätzlich an. Der Anlagebetrag wäre dann EUR 10.000, als Anschaffungkosten würden aber nur EUR 9.900 gelten, da die zusätzlich berechneten Transaktionskosten ja abzuziehen sind.
  2. Ausschüttende Fonds wurden mit ihren Ausschüttungen bereits besteuert. Bei thesaurierenden Fonds gab es bis 2017 eine etwas kompliziertere Rechnung mit ausschüttungsgleichen Erträgen, die Du analog in dem Jahr zu versteuern hattest, in dem sie anfielen. Ab 2018 wird die Vorabpauschale berechnet, die jeweils zu Beginn eines Jahres abgerechnet werden. Diese Ausschüttungen bzw. ausschüttungsgleichen Erträge gehen gegen den Freistellungsauftrag des jeweiligen Jahres, in dem sie anfielen. Lag der Kauf also vor 2018, so ist ein Teil des Fonds (ausschüttungsgleiche Erträge) ggf. schon versteuert. Die Vorabpauschalen gelten ebenso also bereits bezahlt und gehen von der späteren Steuerlast ab.
  3. Beim Verkauf fallen über die Börse ebenso Transaktionskosten an, die abzuziehen wären. Handelt es sich um harmlose Fonds, wäre der Wert der Anteile gleich dem Wert eines Einzelanteils mal die Anzahl der Anteile - also die EUR 13.000. Bei einem ETF würden noch Transaktionskosten (also z.B. bei 1% Kosten EUR 130) zum Abzug kommen.
  4. Die Besteuerung in 2021 wird dann so stattfinden, dass Verkaufserlös (= Wert der Fondsanteile minus ggf. Transaktionskosten) minus Anschaffungskosten (= berechnete Kosten incl. Ausgabeaufschlag und Transaktionskosten) minus gezahlte Vorabpauschalen besteuert wird.
  5. Mit den Teilfreistellungen für Fonds (60% bzw. 80% für Immobilienfonds, 30% für Aktienfonds, 15% für Mischfonds, keine für alle sonstigen Fonds) wird der zu versteuernde Betrag für Erträge ab 2018 entsprechend reduziert.
  6. Von dem ermittelten, zu versteuernden Betrag nach Teilfreistellung werden dann 25% Abgeltungssteuer (bzw. ein geringer Satz, wenn Dein Grenzsteuersatz unter 25% liegt) berechnet. SolZ und ggf. Kirchensteuer ignoriere ich mal, aber diese kommen noch hinzu.
  7. Wurde ein ausländischer thesaurierender Fonds vor 2018 gekauft, sind in dem Steuerbetrag auch Steuern für die jährlichen, ausschüttungsgleichen Erträge der Jahre vor 2018 enthalten. Diese kannst Du (wenn die Besteuerung bereits in den Vorjahren erfolgte) wieder abziehen, da ja bereits gezahlt.

Das ganze Verfahren ist also recht einfach geworden, bleibt aber immer noch etwas komplexer als die ganz einfache Rechnung.

Wurde also ein Aktienfonds mit Anschaffungskosten von EUR 10.000 in 2019 gekauft und in 2021 mit EUR 13.000 verkauft, so sind grob EUR 3.000 * 70% = EUR 2.100 zu versteuern. Bei einem Rentenfonds wären es EUR 3.000. Bei einem Mischfonds EUR 2.550.

Das war der Schnelldurchgang.

Sorry, bei Punkt 1: Die Anschaffungskosten im ETF-Beispiel sind natürlich dann EUR 10.100.

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Die Rechnung Erlös - Einzahlung = Differenz - Freibetrag = zu versteuern und davon 25 % + Nebensteuern ist richtig.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Steuerbevollmächtigtenprüfung 1979, Steuerberaterprüfg .1986

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