Gewichtung der Asset Allocation? Menge an ETFs? Aufbau des risikofreien Teils?

1 Antwort

Kurz zum Thema der Portfoliostrategie, die Du hier darstellst:

  • Eine BIP-Gewichtung von Regionen/Ländern bedeutet, daß ein Land, das als etabliertes Industrieland eine hohe Wirtschaftsleistung hat, in Deinem Portfolio hoch gewichtet vorkommen wird. Der Anteil der USA liegt bei ca. 25% des Welt-BIP, wenn man in USD mißt. EU liegt bei gut 25%, China bei ca. 10%.
  • Eine BIP-Gewichtung in Kaufkrafteinheiten (Eurostat rechnet in solchen und berücksichtigt damit unterschiedliche Preisniveaus) würde das Gewicht verschieben und die Emerging Markets höher gewichten.

http://epp.eurostat.ec.europa.eu/statistics_explained/index.php/The_EU_in_the_world_-_economy_and_finance

Die wesentliche Frage ist nun, ob ein Land mit einem höheren BIP in Deinem Portfolio eine größere Position einnehmen sollte, oder ob es um Fragen wie Stabilität (Währung, Politik, Rechtssystem, Wirtschaft), Wirtschaftswachstum oder Ertragsstärke geht. Deine Portfoliostrategie sollte ja nicht irgendwelche künstlichen Indikatoren, sondern eine für das Investment unter zumindest Rendite- und Volatilitätsaspekten sinnvolle Allokation verwenden.

Ich persönlich finde BIP schon besser als Marktkapitalisierung, aber letztendlich wären mir Wachstumsmärkte darin noch etwas unterrepräsentiert. Deine Entscheidung.

Eurostat veröffentlicht in ihrem Data Warehouse Daten, die man auch automatisiert abziehen kann. Bedenke jedoch, daß diese Daten typischerweise etwas älter sind, da nicht über alle Länder/Regionen kurzfristig BIP-Werte erhoben werden. In manchen Ländern sind diese auch mit Fehlern bzw. Unsicherheiten behaftet, da die Datengrundlage angezweifelt werden kann.

Ich vermute mal, daß Du am Ende grob eine Aufteilung in der Art 30% Industrieländer Nordamerika, 30% Industrieländer Europa, 10% Industrieländer Asien, 30% Emerging/Frontier Markets bekommen wirst. Dafür muß ich kein BIP bemühen :-)

Dann ist zu bedenken, daß die Emerging/Frontier Markets stark an Anteil zunehmen. Es muß also (wenn Du strikt nach BIP gehst) auch ein Rebalancing vorgesehen werden, das zu Anpassungen führt, wenn beispielsweise Emerging/Frontier Markets von 30% welt-BIP auf 40% Welt-BIP bis in ein paar Jahren vorankommen.

Nimmst Du nun beispielsweise 25% Industrieländer Nordamerika, 25% Industrieländer Europa, 10% Industrieländer Asien/Pazifik und 25% Emerging Markets, so verbleiben 15% für Renten und Immobilien.

ad 1) Eurostat hat Daten, die man dort auch als Datensätze abziehen kann.

ad 2) Wenn Du die ETFs über die Börse für ab 10 EUR pro Transaktion kaufst, dann würde ich max. 3-4 ETFs für das genannte Volumen nehmen. Machst Du das über eine Fondsbank wie FFB, die um die 0,2-0,5% des Transaktionsvolumens (je nach Preismodell) verlangen, dann ist das Volumen egal, solange Du pro Transaktion über dem Mindestbetrag liegst. Man würde das ja ohnehin als Sparplan ausführen.

ad 3) Risikoärmere ETFs.... hahahaha... Wenn Du in Staatsanleihen hoher Bonität und ohne Wechselkursrisiko investieren möchtest, hast Du auf jeden Fall einen Verlust. Das ist also nicht sinnvoll.. Man wird hier eher in einen mix aus höherrentierlichen Unternehmens- und Staatsanleihen (Rendite 2-4% p.a.), sowie zu einem Teil in internationale High-Yields (Rendite 3-8% p.a.) und einem Teil in REITS/Immobilien (Rendite 3-5% p.a.) investieren.

Bei der Auswahl von Aktien-ETFs hast Du wenig Probleme, einige zu finden. Diese sind jedoch in den Ländern/Regionen nach Marktkapitalisierung gewichtet, d.h. Du bekommst damit eine Unterrepräsentation der export- und innovationsstarken, kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Bei den Renten-ETFs ist die Auswahl groß und Du wirst unterschiedlich zinssensitive Segmente finden.

Das Problem von ETFs ist, daß man hiermit Marktscheibchen kauft, d.h. im Prinzip etwas wie eine einzelne Aktie oder Anleihe - nur eben nach gewissen Kriterien schon vordiversifiziert. Das bedeutet, daß man eine deutlich aktivere Strategie als mit aktiv verwalteten Fonds durchführen muß, um Marktentwicklungen selbst nachzuvollziehen bzw. um sich abzusichern. Buy and Hold für Renten-ETFs halte ich daher für Unsinn. Selbst im Aktienbereich muß man jedoch ggf. reagieren, da alle Indices einen gewissen Bias ausdrücken. Daher wäre mein abschließender Kommentar: ETFs und "Buy and Hold" passen meiner Meinung nach nicht zusammen. ETFs erfordern ein sehr aktives Portfoliomanagement.

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Vielen Dank für die ausführliche Antwort! :)

Ich stimme dir zu, eine BIP Allokation ist meiner Meinung nach besser, als eine auf Basis der Marktkapitalisierung. So erhält man zum einen ein Gegengewicht gegen die häufig nach Marktkapitalisierung sortierten Indizes, zum einen hat man langfristig höhere Renditen bei etwa gleichem Risiko (vgl. hierzu den Aufsatz von Weber/Jacobs/Müller 2008).

Ich halte darüber hinaus eine BIP-Gewichtung nach Kaufkrafteinheiten, wie du es beschreibst für sinnvoller, weshalb ich mich auch auf die Daten der Weltbank bezog, da diese ebenfalls diesen Ansatz bei der Berechnung verfolgen.

Dadurch sind bei mir die Emerging Markets schon etwas stärker repräsentiert, dennoch ist es eine gute Idee auch andere Faktoren außer BIP zu berücksichtigen, ich werde mir diesbezüglich noch mal Gedanken machen, danke dafür!

Bei den Renten ETFs kenne ich mich weniger gut aus, werde dort aber nochmal verstärkt schauen und nicht ausschließlich in Staatsanleihen investieren.

Bezüglich ETFs und "Buy and Hold" würden nicht zusammenpassen, muss ich dir jedoch widersprechen. Ein Rebalancing ist wichtig, sollte jedoch 1 mal pro Jahr ausreichen. Desweiteren ist die Frage nach der Strategie hierbei auch umstritten: Man kann zum einen Marktentwicklungen und ein vermutliches Aufstreben der Emerging Markets berücksichtigen, man kann aber ebenso behaupten, eine einmal gewählte Allokation behält man bei, da ein Anpassen an Entwicklungen und "Perfomance Chasing" nicht sinnvoll ist. Dann stellt man beim Rebalancing die Ausgangsverteilung wieder her. Außerdem widerspricht ein Rebalancing meiner Meinung nach nicht einem passiven Ansatz. Das Portfolio aus von Anfang an klar festgelegten strategischen Gründen und nicht etwa aus spontanen Trends oder Entwicklungen anzupassen, steht nicht im Konflikt mit Buy and Hold.

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@Questionmaster

Reden wir doch einfach mal in 5-7 Jahren nochmals :-)

Rebalancing geht von einem mittelfristigen Erholungstrend bei gefallenen Kursen aus. Das ist gerade im Rentenbereich nicht unbedingt der Fall, wo Zyklen bei 10-20 Jahren liegen können. Daher ist Rebalancing wichtig, jedoch in manchen Marktlagen oder -perspektiven muß klar ein Umschichten durchgeführt werden.

ETFs repräsentieren Slices (sorry für den Terminus), d.h. ein USA-ETF ist kein USA-ETF, sondern ein US-LargeCap ETF oder ein US-Small/MidCap ETF oder ein US-Dividend-ETF oder... die Gewichtung kann gleichgewichtet, nach Marktkapitalisierung, nach Dividendenrendite, nach Volatilität, nach Bonität oder welchen Kriterien auch immer erfolgen. Es gibt zu jedem Slice ein Risikoprofil, das sagt, in welcher Art von Märkten diese Slices ein Outperformer oder ein Underperformer sind... wobei da ja schon wieder die Frage wäre, Outperformer oder Underperformer im Vergleich wozu? Daher kann kein ETF in allen Marktphasen besser als andere abschneiden, denn die Indexkonstruktion ist ja fest.

Aber wir erwarten ja auch nicht das perfekte Rezept hier. Letztendlich ist nicht relative Performance das Ziel, sondern ein Kaufkrafterhalt in Verbindung mit einer positiven Rendite. Und da genau muß man sehr vorsichtig betrachten, ob ausgewählte ETFs in dieses Erwartungs-/Risikoprofil passen bzw. welche Maßnahmen/Absicherungen erforderlich sind, um entsprechend ein sinnvolles Ergebnis zu erhalten.

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@gandalf94305

Nun gut, eine letzte Frage habe ich noch und zwar sind mir bei der Recherche auch vermehrt Fonds aufgefallen, die nicht in Deutschland aufgelegt sind (z.B. ISIN: LU... oder FR...) Muss ich hier selber bei der Steuererklärung tätig werden, oder übernimmt dass hier auch automatisch meine Depotbank, die ja in Deutschland sitzt? Ist es vielleicht sogar möglich, dass ich wenn ich etwas (unwissentlich) falsch mache, mich der Steuerhinterziehung schuldig mache?

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@Questionmaster

Wo ein Fonds sein Domizil hat, sollte für die Entscheidung für oder gegen einen Fonds keine Rolle spielen. Wesentlich ist die Frage, ob die Fonds steuerlich transparent sind, d.h. ihre Daten gemäß InvStG im Bundesanzeiger berichten.

Gute Depotbanken liefern ihren Kunden die Daten der ausländischen thesaurierenden Fonds (die man durch Angabe der ausschüttungsgleichen Erträge in der Anlage KAP per Veranlagung versteuern muss), weniger gute Depotbanken belassen die Aufgabe bei den Anlegern, die dann die Daten eben aus dem Bundesanzeiger heraussuchen müssen.

Das ist keine Raketenwissenschaft und kostet auch nicht so schrecklich viel Zeit, wenn man die Daten in einem kleinen Excel-Sheet für das Finanzamt zusammenfasst. Da jedoch viele gute Fonds außerhalb von Deutschland aufgelegt wurden, sollte man IMHO diese nicht deshalb missen, weil man zu faul ist, ein paar Zahlen auszurechnen.

Eine Steuerhinterziehung dürfte hier nicht in Frage kommen, da beim Verkauf ja auch eine Besteuerung erfolgt und daher es in Deinem Interesse ist eine zu hohe Steuerlast zu vermeiden, d.h. diese Daten jährlich anzugeben. Du zahlst also bei Nichtstun einfach zu viel Steuern.

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