Geringe aber dafür langfristige Gewinne an der Börse so realisierbar?

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Auch Du lebst nicht ewig!

Ich hatte mir mal 10 Bayer-Aktien während des Studiums gekauft. Per heute ist der damalige Einstandskurs um 6.500 % gestiegen (plus Dividenden, plus Gratisaktien etc.). Hätte ich nach einem zwischenzeitlichen Gewinn von - sagen wir - 20 % schon wieder verkauft, wäre dieser Gesamtgewinn sicherlich realisierbar gewesen. Andere Aktienkurse liefen nicht so gut, weil die Haltezeit erheblich kürzer war oder weil trotz der tollen Analystenempfehlungen die Aktie "abtauchte". Und ewig warten kann und will ich auch nicht.

Andererseits gibt es eine Binsen- bzw. Börsenweisheit: Der Kursverlauf ist Vergangenheit! Und daraus zu Schlüsse zu ziehen, ist Kaffeesatzleserei. (Chartisten mögen das allerdings nicht hören.) Was das Unternehmen wert ist, wird durch den momentanen Börsenkurs reflektiert. Ín diesem Kurs spiegeln sich alle Informationen über den Unternehmenswert wieder. Wenn der niedrigere Börsenkurs von vor - sagen wir - 1-3 Jahren der richtige wäre, dann wären doch die Käufer der letzten Monate alle Deppen, die zu teuer eingekauft hätten und die Aktienhalter auch, denn sie hätten schon "vorgestern" verkaufen müssen, um wieder "demnächst günstig" einzukaufen. 

Jetzt kannst Du Dir noch vielleicht echt zyklische Aktien ansehen, z. B. im Rohstoffgewinnungsbereich, oder die dazu passenden Aktienfonds. Beispiel WKN A0MKKC. Nach dem Hoch in 2008 ist der Fondspreis (thesaurierend!) noch im gleichen um ca. 60 % abgestürzt und nach 10 Jahren immer noch nicht das alte Niveau wieder erreicht. Aktien des Rohstoffbereiches werden darüberhinaus noch von der US$/EUR-Kursentwicklung geprägt, die gar nicht vorhersehbar ist. 

Vielleicht erinnerst Du Dich noch an Dein Studium, dass man dort vielleicht vom Konzept der Transaktions- und Spekulationskasse sprach. Aktienkäufe müssen aus der Spekulationskasse getätigt werden, weil man notfalls auf das Geld verzichten können muss!


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Ein Ergänzung vllt noch, das Thema Charttechnik glaube ich funktioniert, weil es mittlerweile extrem viele Menschen praktizieren zeitweise schon, vom Grundsatz her bin ich davon auch nicht überzeugt.

Ein Argument was ich in diesem Zusammenhang aber mal gelesen habe, kann ich nicht entkräften, was du auch geschrieben hattest: im Kurs spiegeln sich alle Information des Unternehmens wieder, anhand dieses Arguments fällt es mir schwer zu sagen, Charttechnik funktioniert nicht, oder ist das einfach zu widerlegen und ich übersehen nur etwas!?

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Du hast hier eine Menge antworten bekommen. Was mich irritiert ist, dass wesentliche Dinge fehlen. Das liegt vielleicht daran, dass einige hier nur wenig Ahnung haben oder keinen Überblick, was alles möglich ist. Vorweg, ich verweise dich da lieber an gutefrage, dort gibt es mehr Leute, die auch wirklich mit Aktien/Fonds/ETFs arbeiten.

1. Was genau willst du? Willst du längere Zeit Aktien halten, oder willst du über kürzere Zeit mit Aktien handeln (traden)? Was sind deine Gewinnvorstellungen?

Je kürzer der Zeitraum, umso schwieriger, anspruchsvoller und emotionaler wird das ganze. Dafür kann man mit Traden auch mehr verdienen. Traden sollte man aber wirklich von Grund auf lernen. Das ist nichts, was man mal eben macht, sonst sind hohe Verluste vorprogrammiert.

2. Egal um du einen langfristigen Zeitraum wählst, oder einen eher kurzfristigen Zeitraum. Du brauchst eine klare Strategie:
a) Wann steigst du ein?
b) Wann steigst du aus?
c) Wie verhinderst du Verluste? -> Wie ist dein Risikomanagement

3. Wie viel Zeit willst du in diese Aktivitäten stecken, wie sehr willst du dich einarbeiten? Wenn du beispielsweise ETFs kaufen möchtest, um langfristig anzulegen, ist das nicht so zeitintensiv, als wenn du lernen möchtest zu Traden.

Aktien steigen und sinken auf kurz oder lang. Wäre es nicht möglich eine Aktie zu kaufen, z.B. mal angenommen 10 Siemens Aktien zu einem fiktiven Kurs von 10 € = 100 € und dann z.B. so lange zu warten bis sie - sagen wir mal - 120 € wert sind um sie dann wieder zu verkaufen.

Das ist theoretisch möglich. Jetzt mal zur Praxis: Welche Aktien willst du kaufen? Wonach wählst du aus? Wenn du eine Aktie kaufen möchtest, wäre es nicht gut eine zu nehmen, die das Potential hat, nach oben zu gehen? Willst du die Aktie kaufen, wenn sie gerade auf dem Höchststand ist?

Wie lange willst du warten, bis du sie verkaufst? 1 Monat? 1 Jahr? 10 Jahre?

Klar ich weiß bei manchen Aktien wird das evtl. nie der Fall sein. Meine Idee ist aber das wenn ich nicht gerade hochspekulative Wertpapiere handel, über kurz oder lang die Aktie irgendwann wieder steigen "muss".

Muss sie das? Über welchen Zeitraum? Du hast schließlich auch nichts davon, wenn eine Aktie so steigt, dass du nach 10 Jahren eine Rendite von durchschnittlich 0,1 % im Jahr hast.

D.h. ich müsste eigentlich nur ein paar Aktien kaufen, mich gemütlich zurücklehnen und so lange warten bis dieser Fall Eintritt.

Okay, du hast eine Aktie gekauft und siehst, dass der Kurs sinkt. Was glaubst du, wie lange du da entspannst bleiben kannst? ;-).

Also grundsätzlich hast du mit deinen Überlegungen teilweise recht, du solltest nur ganz klar überlegen, was du genau willst.

kleiner Schwenk Thema Trading:

Wenn du sowas hörst:

 Kann gut gehen oder auch nicht. Kannst genausogut ins Casino gehen. 

Einfach weitergehen. Trading, also kurzfristiges Kaufen und Verkaufen hat nichts mit Glücksspiel zu tun - wenn man es richtig macht - sondern mit Wahrscheinlichkeiten.

Viele denken, dass man Trading sich mal einfach eben so aneignen kann. Ich finde jedoch, dass man jemandem braucht, der es einem beibringt.

Wer es dann auch raus hat und sich einigermaßen sicher ist, wird dann übrigens auch auf andere Finanzprodukte umsteigen und eher nicht mehr mit Aktien handeln. Am Anfang jedoch ist es eine gute Übung.

 

 

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Diese Antwort ist spitze! Danke :)

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Im Prinzip ja,

was du nur zum einen nicht berücksichtigst ist, dass auch bei bester Auswahl z. B. an Deutschen Aktien diese alle zusammen und auch ziemlich lange darunter leiden könnten, dass es deutsche Aktien sind. 

Die Wahl in Frankreich könnte die Zukunft der EU/des Eurolandes in eine ziemlich kurze verwandeln. Die Wahl in D dafür sorgen, dass sich Unternehmen anderer Länder wesentlich besser entwickeln.

Wenn du die Entwicklung einzelner guter Unternehmen anschaust, gibt es immer wieder Überraschungen, die aber langfristig entscheidend für den Anlageerfolg sind. Der Kurszettel ändert sich schneller, als du vielleicht für möglich hältst und wenn ein aktuell für D viel zu billiger Euro für eine Sonderkonjunktur sorgt, muss das die nächsten zwanzig Jahre nicht auch so sein. 

Ein monatlich, alle Quartale oder alle Jahre überprüftes Portfolio (Überlegung einfach: würde ich die auch heute aufnehmen?) sollte also nicht nur besser als deine Idee sein, sondern dich auch deinem Ziel einer geringen Rendite näher bringen.

Richtig stößt mir die Aussage ... "...einfach so lange warten bis sie wieder in der Gewinnzone ist." ... auf. Verluste Laufen lassen und Gewinne realisieren hat noch jeden Anleger arm gemacht! Die Grundidee ist also falsch. Du kannst damit Glück haben! Wie alle anderen auch aber als Mensch mit einem Minimum an Vorbildung solltest du dich weder mit einer Strategie, die nur mit Glück funktioniert, noch mit den dabei zu erzielenden Renditen zufrieden geben.

"Dein" Portfolio hat wenig Chancen, auch nur einen Index zu schlagen, den du nicht nur wesentlich billiger einkaufen könntest. Du könntest mit der Anlage auch wesentlich breiter streuen. Gute gemanagte Fonds, die noch billiger zu haben sind, nehmen denen dann oft mehr als 5 % im Jahr ab.

Ich habe nebenbei auch BWL studiert, Beschäftige neben anderen auch einen Master BWL und mache seit fast zwanzig Jahren fast nichts anderes als Geld anzulegen.

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Vielen Dank für deine gute und ausführliche Antwort! Sie hat mir sehr weitergeholfen!

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