Erbeverteilung. Bruder in Privatinsolvenz. Darf ich ihm seinen Anteil ausbezahlen?

3 Antworten

Befindet sich denn der Bruder noch im Insolvenzverfahren oder bereits in der Abtretungfrist (auch Wohlverhaltensphase genannt)?

Im eigentlichen Insolvenzverfahren droht dir zwar kein Strafrecht, aber das Zivilrecht, siehe § 82 Insolvenzordnung:

Ist nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens zur Erfüllung
einer Verbindlichkeit an den Schuldner geleistet worden, obwohl die
Verbindlichkeit zur Insolvenzmasse zu erfüllen war, so wird der
Leistende befreit, wenn er zur Zeit der Leistung die Eröffnung des
Verfahrens nicht kannte. Hat er vor der öffentlichen Bekanntmachung der
Eröffnung geleistet, so wird vermutet, daß er die Eröffnung nicht
kannte.

Es droht dir also, dass im Szenario der Barzahlung der Insolvenzverwalter irgendwann Wind von dem Erbe bekommt. Im schlimmsten Fall fordert er dich dann (sich selbst völlig im Recht befindlich) zur erneuten Zahlung des Erbteils direkt an ihn auf, da deine erste Zahlung an deinen Bruder nicht schuldbefreiend war.

Ich empfehle daher sehr gut zu überlegen, ob du diesen Weg wirklich gehen willst. Es drohen die zivilrechtliche Haftungsansprüche. Falls bereits die Wohlverhaltensphase erreicht ist, muss übrigens nur die halbe Erbschaft an den Treuhänder/Insolvenzverwalter abgegeben werden.

Die Insolvenz ist erst im Februar 2016 eröffnet worden. Die Wohlerhaltensphase ist doch erst nach 6 Jahren oder?  Ich habe auch nur per Zufall gehört, dass er in der Privatinsolvenz ist. Ich habe dann im Internet bei den insolvenz Bekanntmachungen nachgeschaut und es stimmt. Mein Bruder selbst sagte mir nichts. Das Erbe hat er versäumt auszuschlagen. Er steht nun mit auf dem Erbschein. 

Muss ich den Insolvenzverwalter nun informieren oder wie verhalte ich mich jetzt?

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@Renate1979

Die Wohlverhaltensphase geht 6 Jahre, sie beginnt natürlich früher. Aber ich bezweifle, dass sie jetzt bereits begonnen hat (sicher sagen könnte es wohl dein Bruder).

Du hast keine Verpflichtung den Insolvenzverwalter zu informieren (dein Bruder hingegen schon). Aber: Zahlst du den Bruder jetzt aus und der Insolvenzverwalter erfährt irgendwann von dem ihm verschwiegenen Erbe, kann er die Zahlung erneut von dir fordern. Ob dir die Sache dieses Risiko wert ist, musst du selbst für dich beantworten.

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@Bankrevisor

Dann werde ich ihn mal darauf ansprechen. Vielen Dank für ihre die schnelle Antwort. 

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Wenn er in Insolvenz ist, muss er alles über 1073€ abführen an den Insolvenzverwalter. Hat er Einkommen, welches unter 1073€ liegt, könntest Du die Differenz zahlen ohne das er das Geld abführen muss. Also z. B. er hat nur Einkommen von 800€, dann kannst Du Ihm jeden Monat 272€ zahlen bis der Betrag erreicht ist, quasi abstottern.

Für seine Guthaben und Zahlungsverpflichtungen ist der Bruder selbst verantwortlich, es sei denn er ist noch minderjährig oder nicht geschäftsfähig oder hat aus anderen Gründen einen Vormund bzw. gesetzlichen Vertreter. 

Er hat das Geld zu nehmen und selbiges dem Insolvenzverwalter zu geben. Das Geld zu behalten wäre strafbar...

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