Erbe ausgeschlagen und doch wieder in der Erbfolge?

6 Antworten

1. Du kannst ausschlagen, dann ist es wirklich nicht mehr Dein Erbe.

2. Du kannst den Vertrag beibringen, den Du vor 25 Jahren mit Deiner Muttergeschlossen hast. Aber darin wird vermutlich nur geregelt sein, dass Du auf ein weiteres Erbe verzichtest. Das wäre hier aber nicht wirksam, denn wenn es ein Testamen mit Dir als Erben gibt, beginnt die Uhr neu zu laufen.

3. Du kannst Deinen Erbteil an die Geschwister verschenken, aber wenn die kein Geld haben, um die Rechnungen zu zahlen, werden die nicht annehmen.

4. Warum sollst Du die Rechnungen alleine zahlen? Wenn Ihr eine Erbengemeinschaft seid, dann jeder 1/3.

5. Du kannst, wenn die Geschwister eine Schenkung nicht annehmen, auch die Zwangsversteigerung zur Auflösung der Erbengemeinschaft beantragen.

"4. Warum sollst Du die Rechnungen alleine zahlen? Wenn Ihr eine Erbengemeinschaft seid, dann jeder 1/3."

so sollte man denken, aber der Gesetzgeber hat das anders geregelt. Bei einer Erbengemeinschaft haftet jeder Gesamtschuldnerisch. Wenn die anderen nicht zahlen muss der 3. zahlen.

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@hildefeuer

Das die gesamtschuldnerisch haften ist schon klar (BGB 1. Semester). Aber es ändert nicht an der Verpflichtung der anderen auch zu zahlen. So etwas regelt sich relativ schnell, wenn man denen sagt, Leute, entweder ihr zahlt, oder ich lasse die Kiste versteigern und ziehe es dann von Euren Anteilen ab.

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@wfwbinder

ganz so einfach ist es nicht. Wenn versteigert wird, dann teilt das Gericht den Erlös ja abzüglich Versteigerungskosten auf. Wenn also einer gezahlt hat, muss er sich das zivilrechtlich einklagen. Wenn dies nicht vor dem Versteigerungstermin gelingt ist das Geld  nach der Versteigerung erst einmal weg.

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@hildefeuer

Falsche Reihenfolge. Wenn ich der/die Betreffende wäre, würde ich mir per Mahnbescheid erst (geht auch während des  langen Versteigerungsverfahrens) einen Titel besorgen und dann den Auszahlungsanspruch pfänden lassen.

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@wfwbinder

Eben, so einfach aufrechnen geht nicht. Man muss einen Schuldtitel haben. Den erreicht man allerdings nicht durch einen Mahnbescheid, sondern nur durch Klage. So dämlich ist meist niemand, einem gerichtlichen Mahnbescheid nicht zu widersprechen. Dann muss man klagen.

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@hildefeuer

Himmel noch eins, das ist doch in diesem Fall ein Alleingang, ohne jedes Problem. Ich kenne diese Situationen. Entweder die legen keinen Widerspruch ein udn der Vollstreckungsbescheid wird rechtsräftig, oder beim Prozess tauchen die nicht auf uns kassieren ein Versäumnisurteil. Kommen die doch ist die Sache trotzdem in 30 Minuten erledigt.

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@wfwbinder

Oder sie beantragen Prozesskostenhilfe und lassen sich vertreten. Dann stehen ihnen 3 Instanzen offen und es dauert bis zu 10 Jahren.

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"Sie wollen, das ich an ihrem geerbten Haus sämtiche Rechnungen bezahlen soll,"

Leider hat der Gesetzgeber das entgegen dem rechtsempfinden der Bevölkerung geregelt (Wer die Musik bestellt muss zahlen). Bei einer Erbengemeinschaft haften alle Gesamtschuldnerisch.

Also jeder Teilnehmer der Erbengemeinschaft kann Kosten verursachen, die die Erbschaft betreffen und jeder einzelne Teilnehmer muss gesamtschuldnerisch haften wenn die übrigen nicht zahlen. Insbesondere für laufende Kosten, Grundsteuer B, Müllabfuhr, Wasser, Abwasser, Strom, Gas, GEZ, Erschließungsbeiträge, Straßenausbaubeitrag, Notarkosten.

Am besten Erbe annehmen und dann die Geschwister zur anteiligen Zahlung bewegen. Wenn die nicht zahlen, Versteigerung beantragen.

Was du wolltest und das, was deine Mutter (oder genauer der Notar) gemacht hat, sind vermutlich zweierlei.

Wenn ihr beim Notar wart, dann ist das Übliche ein (entgeltlicher, wie ihr das auch gemacht habt) "Pflichtteilsverzicht". Du hast also damals gegen das Grundstück auf deinen Pflichtteil verzichtet. Damit kann deine Mutter alles an die anderen vererben, ohne auf deinen Pflichtteil Rücksicht zu nehmen. Sie hat es sich aber anders überlegt.

Einen Verzicht auf den Erbteil macht man nicht notariell und als Vertrag. Man kann das Erbe ja ausschlagen. Wenn du das nicht machst, bist du nicht wengier Erbe als deine Geschwister und an Kosten und Nutzen mit deinem Erbteil beteiligt.

Du würdest also nicht nur zahlen. Dir gehört auch das, was dir deine Mutter vererbt hat. Du kannst je nachdem, ob es etwas wert ist, dich entweder von den Geschwistern für deinen Erbteil abfinden lassen (also es an die Geschwister oder einen verkaufen) oder das Erbe ausschlagen.

Schau dir das Testament nochmal an oder hole dir Hilfe.

Die Frist zur Erbausschlagung wid sicher schon verstrichen sein. Jetzt gilt es diese wieder zu aktivieren mit der Begruendung, dass das Testament der Absprache mit Deiner Mutter widerspricht. Und dann das Erbe ausschlagen.

Magdalena:

Vor 25 Jahren wurde also der Erbverzicht erklärt, in welcher Form?

Mündlich? Schriftlich? Schriftlich mit Unterschriftsbeglaubigung? In notariell beurkundeter Form wäre der richtige Weg gewesen. Wußte derjenige, der den Erbschein beantragte, vor dem Erbverzicht?

Im Gegensatz zum notariellen Testament kommt beim Erbverzichtsvertrag eine besondere amtl. Verwahrung nicht in Betracht. Der Notar hat aber dem Standesamt des Geburtsorts des Erblassers oder, wenn er außerhalb des Geltungsbereichs des Grundgesetzes geboren ist, der Hauptkartei für Testamente  beim Amtsgericht Berlin-Schöneberg Erbverzichts-  und Zuwendungsverzichtgverträge mizuteilen.

Für die Zeit nach dem Erbfall bestimmt § 2346  BGB, dass der Verzichtende von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen ist, wie wenn er zur Zeit des  Erbfalls nicht mehr gelebt hätte. Der Erbverzicht ändert also die gesetzliche Erbfolge unmittelbar, in dem er die Erbenstellung und Pflichtteilsberechtigung des Verzichtenden beseitigt.

Ja schriftlich, beim Notar.

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