Einkommensteuer & Sozialversicherung bei MIDIJOB + SELBSTSTÄNDIGER Tätigkeit (für 3 Monate)?

2 Antworten

   Bis jetzt bin ich über meinen Midijob sozialversichert und ich muss auch keine Einkommensteuer bezahlen / eine Steuererklärung machen. 

1. Stimmt, es fällt nur Sozialversicherung in der Gleitzone an.

2. Richtig bei 9.600,- pro Jahr fällt keine Einkommen-/Lohnsteuer an, wie Du schon gemerkt hast, denn sonst würde sie Dir abgezogen. a) stimmt der Grundfreibetrag nicht mehr, der ist jetzt 8.652,- Euro. Ausserdem gibt es noch die Arbeitnehmerpauschale (1.000,- Euro), Sonderausgabenpauschale (36,- Euro), Vorsorgepauschale (1.900,- Euro). Daher gibt es Lohnsteuerabzug erst ab ca. 960,- Euro.

3. NAtürlich kommen die Gewinne aus der selbständigen Tätigkeit dazu. Es können höchstens ca. 1.380,- Euro an Steuern anfallen, vermutlich weniger, denn von den 3.200,- gehen ja noch Deine Betriebsausgaben ab. 

4. In den Drei Monaten müsstest Du noch Beiträge zur Krankenversicherung zahlen, weil die zusätzlichen Einkünfte vom zeitlichen Umfang kein Nebenerwerb mehr sind. Setze Dich mit der KV in Verbindung.

   NICHT ANMELDEN bei Finanzamt und Versicherung eine Option? Wenn ich meine selbst. Tätigkeit gar nicht beim Finanzamt melde und auch nicht bei der Versicherung, würde das ja nur bei einer Betriebsprüfung aufliegen oder? 

Natürlich ist das eine Option. Eine Ggf. sehr teure, denn die Geldstrafe würde garantiert so angesetzt, das das verdiente Geld komplett weg wäre. Die Abgaben dürftest Du dann aus Deinem Gehalt zahlen.

   Würde ich dann unterm Strich nicht besser dastehen wenn ich die selbständige Tätigkeit gar nicht erst anfange??

Wenn Du es Dir leisten kannst auf  mindestens 6.800,- netto zu verzichten, na klar. Abgaben höchstens 1.380,- Steuern + höchstens ca. 1.440,- KV-Beitrag. Dagegen 9.600,- Einnahmen - Kosten.

Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Antwort und die genaue Schätzung der zu erwartenden Abgaben - jetzt bin ich schon sehr erleichtert!

- Sie meinten, dass die zusätzlichen Einkünfte aus der selbst. Tätigkeit von der Krankenversicherung nicht als Nebenerwerb gesehen werden wird. Ein Kommentar weiter unten, meinte jemand, dass es schon als Nebenerwerb zählt, da es nur für 3 Monate ist. Was stimmt denn jetzt nun? 

- Wird die Krankenversicherung Auskünfte über mein Einkommen / Jobs beim Finanzamt anfordern, auch wenn ich bis jetzt noch nie eine Steuererklärung abgegeben habe / ich bis jetzt nur Mini / Midi - Jobs hatte? Meine Hoffnung ist, dass die Krankenversicherung gar nichts von meiner selbst. Tätigkeit erfährt. Und ist in so einem Fall mit Strafe zu rechnen seitens der Krankenversicherung? Oder nur mit Nachzahlung der Beiträge?

Viele Grüße!

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@simpoa

- Ich könnte eine zusätzliche 4. Rechnung schreiben (dann hätte ich pro Monat unter 20h selbständige Tätigkeit) und 20h Midi-Job. Dann kommt aber noch dazu, dass ich bei der selbständigen Tätigkeit mehr verdiene. - Würde es dann als Nebenerwerb oder Haupterwerb zählen (die selbst. Tätigkeit)?

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Außerdem meinte mein Steuerberater dass ich zusätzliche Rechnungen schreiben solle an Freunde für Leistungen (die ich in Wirklichkeit gar nicht mache) - damit ich mehr als einen Auftraggeber habe und so nicht Risiko begehe als scheinselbständig eingestuft zu werden. - Muss ich wirklich mehrere Auftraggeber haben?

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@simpoa

1. Die Frage der Scheinselbständigkeit ergibt sich nicht, weil Du ja nur wenige Monate tätig sein wirst.

2. Die Frage der Krankenversicherung, da ist @Barmer kompetenter als ich. Wenn Du es auf 4 Monate verteilst ist es aber unter 20 Stunden und hat sich erledigt.

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Hallo,

natürlich müssen die Beträge versteuert werden. Wie aber wfwbinder schon sagte, macht das nicht viel aus und sollte deshalb keinesfalls zur Steuerhinterziehung führen.

Ich weiß nicht, ob eine Gewerbeanmeldung nötig ist. Wenn ja, wird sich das FA melden. Wenn nein, kann man die Anmeldung beim FA auch lassen, die bisherige Steuernr. auf die Rechnungen schreiben und die Einnahmen natürlich in der Steuererklärung deklarieren. Für einmalige Einnahmen in drei Monaten wird da nichts Schlimmes passieren.

Bei der Krankenversicherung würde ich nichts unternehmen. Pflichtversicherte Arbeitnehmer müssen keine Beiträge auf zusätzliche selbständige Einnahmen zahlen. Solange sie nicht hauptberuflich selbstständig sind. Das bist Du nicht, wenn das nach 3 Monaten vorbei ist.

Wenn die Dame sich mit ihrer Meinung durchsetzt, zahlst Du volle KV- und PV-Beiträge (19%) auf beide Einkünfte zusammen. Und Dein Arbeitgeber muss keinen Zuschuss mehr zahlen, weil Du hauptberuflich selbstständig bist.

Viel Glück

Barmer

Vielen herzlichen Dank für die hilfreiche Antwort! 

Sie meinten dass ich auch meine bisherige Steuernummer auf die Rechnung schreiben kann. Bis jetzt habe ich nur eine "Steuer-ID" (hatte bis jetzt nur Mini / Midi - Jobs) - das ist nicht das selbe wie eine Steuernummer oder? Reicht es auch die Steuer-ID anzugeben? 

- Sie meinten, dass die zusätzlichen Einkünfte aus der selbst. Tätigkeit von der Krankenversicherung als Nebenerwerb gesehen werden wird. Ein Kommentar weiter oben, meinte jemand, dass es NICHT als Nebenerwerb zählt, da es zeitlich länger ist pro Monat. Was stimmt denn jetzt nun? Gibt es da eine neutrale Infostelle - außer bei der Krankenversicherung anrufen?

- Ich könnte eine zusätzliche Rechnung schreiben (dann hätte ich pro Monat unter 20h selbständige Tätigkeit) und 20h Midi-Job. Dann kommt aber noch dazu, dass ich bei der selbständigen Tätigkeit mehr verdiene. - Würde es dann als Nebenerwerb zählen?

- Wird die Krankenversicherung Auskünfte über mein Einkommen / Jobs beim Finanzamt anfordern, auch wenn ich bis jetzt noch nie eine Steuererklärung abgegeben habe / ich bis jetzt nur Mini / Midi - Jobs hatte? Meine Hoffnung ist, dass die Krankenversicherung gar nichts von meiner selbst. Tätigkeit erfährt. Und ist in so einem Fall mit Strafe zu rechnen seitens der Krankenversicherung? Oder nur mit Nachzahlung der Beiträge?

Viele Grüße!

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@simpoa

Sie haben einen Steuerberater, aber noch nie eine Erklärung abgegeben ? Sachen gibts... Dann müssen Sie sich beim Finanzamt eine Nr. besorgen.

Sie haben schon gemerkt: es gibt Ermessensspielraum und unterschiedliche Ansichten. Ich meine: wenn Sie vorher und nachher und durchgehend Arbeitnehmer sind, werden Sie durch 3 Monate zusätzliche Selbstständigkeit nicht zum hauptberuflich Selbstständigen. Außerdem kann doch keiner kontrollieren, wie hoch Ihr Arbeitsaufwand als Selbstständiger ist oder sollen Sie Stunden abrechnen ? Solange weniger Stunden als in der Beschäftigung anfallen, sehe ich das entspannt.

Scheinselbstständigkeit ist ein Problem für Leute, die selbstständig sein wollen und sollen. Das ist aber auch kein Thema für einen, der nur 3 Monate Honorare bekommt. Und wenn, ist es vor allem ein Problem für den Auftraggeber.

Die Scheinrechnungen, die Sie ausstellen sollen, müssen Sie dann aber auch versteuern.

Sollte Ihnen die Kasse daraufkommen und wirklich meinen, Sie seien 3 Monate hauptberuflich selbstständig gewesen, zahlen Sie Beiträge nach, aber sonst passiert nichts.

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Wenn der Steuerberater seinen Job gut macht, sollten alle offenen Frage geklärt sein. 

Was die Einkommenssteuer angeht haben Sie offensichtlich richtig verstanden, was die Sozialversicherung betrifft z. T. auch. 

Die KK erfährt von Ihren Einkommen aus einer Selbstauskunft. 

Nicht anmelden ist keine Option. Bewahren Sie die Ruhe, Sie werden nicht geschlachtet, also kein Grund „verrückt" zu werden.-,)))

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