ein seit 16 Jahren getrennt lebender Ehemann verstirbt. Muß seine Ehefrau für seine Schulden, die er nach der Trennung machte, aufkommen?

5 Antworten

Von Experte wfwbinder bestätigt

Volker

Zur Erbschaft gehört sowohl das Aktivvermögen als auch das Passivvermögen (Verbindlichkeiten, Schulden) des Erblassers.

Haftet seine Ehefrau für diese Schulden?

Ja. Solange sie keinen Antrag auf Scheidung stellte, ist sie gesetzl. mit dem Erblasser verheiratet und erbt seine Nachlassverbindlichkeiten n. § 1931 BGB. Das kann sie durch form- und fristwahrende Ausschlagung allerdings verhindern.

Sie haftet nicht für die Schulden.

Aber sein Vermögen (halbes Haus) ist ggf. zu verwerten, um seine Schulden zu bezahlen.

Sie muss also prüfen, ob die Schulden mehr sind, als das halbe Haus wert ist.

Sind seine Schulden höher, sollte sie das Erbe ausschlagen.

Das kann natürlich dazu führen, dass der Staat als letztendlicher Erbe, das Haus zum Zwecke der Auseinandersetzung versteigern lässt. Sie könnte dann ggf. mit Glück die zweite Hälfte dazu gewinnen, oder as ganze Haus verlieren.

Eine andere Möglichkeit wäre, wenn sie in der Lage ist Geld aufzubringen, oder einen Kredit zu bekommen, einfach eine Einigung mit den Gläubigern zu versuchen.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Die Bank kann doch nicht das ganze Haus versteigern, wenn die unbelastete Hälfte einer anderen Partei gehört. Wie sollte das denn gehen?

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@Zappzappzapp

Wieso die Bank?

Wenn die Ehefrau ausschlägt, weil der Mann überschuldet ist und eventuelle andere Erben auch, dann erbt der Staat. Der kann nicht ausschlagen.

Gehen wir mal davon aus, dass keine die ideelle Hälfte des Hauses kauft, wird man die Zwangsversteigerung zum Zweck der Auseinandersetzung betreiben.

Denkst Du, man wir einfach das Haus der Ehefrau überlassen und auf die Tilgung der Schulden verzichten?

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@wfwbinder

Vorweg, ich habe nur eine Verständnisfrage gestellt, ich habe kein spezielles Wissen in diesem Bereich.

Natürlich wird man das Haus der Ehefrau nicht einfach unter Verzicht auf die Tilgung der Schulden überlassen, so habe ich das nicht gemeint.

Ich bin davon ausgegangen, beide Eheleute jeweils mit ihrem 50%-Anteil im Grundbuch stehen und dass die Schulden des Ehemannes (Bank/Bausparkasse) mit einer Grundbucheintragung in seine Hälfte besichert sind. Also würde nach meinem Verständnis zunächst unabhängig von der Erbschaftsfrage erst einmal die Bank ihre Forderungen geltend machen und ihre Sicherheiten verwerten. Das ist natürlich rein hypothetisch, zur Zeit geht die Frage ja nur um eine evtl. Haftung der Ehefrau für die Schulden des Ehemannes.

Daraus folgt meine Frage, könnte die Bank wirklich eine Zwangsversteigerung inclusive der unbelasteten Hälfte einer nicht beteiligten dritten Person betreiben?

Das kann ich kaum glauben. Die Bank kann doch "ihre" Hälfte zwangsversteigern und wenn sie dafür keinen Käufer fände, wäre das doch ihr Problem und kein Grund für eine Auseinandersetzungsversteigerung. Der Frau gehört das halbe unbelastete Haus und sie will ihre Hälfte nicht verkaufen und fertig. Gleiches gälte, wenn das Erbe an den Staat fiele, oder was sehe ich da falsch?

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@Zappzappzapp

Gut, a haben wir gegenteilige Annahmen. Denn wenn der Ehemann auf seiner Ideellen Hälfte hätte Eintragungen vornehmen lassen, wüsste die Ehefrau davon und hätte es erwähnt. Ich nehme daher an, dass die Schulden jeweils an der Grenze essen waren, das es keine Grundbucheintragung gab.

Aber selbst wenn, die Bank würde einfach an die Erben herantreten und sie als Erben auffordern zu zahlen.

Wäre aber wegen er Schuldenlast as Erbe ausgeschlagen worden, so wäre die Erbschaft letztendlich bei der OFD gelandet. Die haben zu Verhandlungen meist keine Lust.

Also würden sie die Ehefrau/Witwe fragen, ob sie ie Hälfte für die Zahlung der Schulden übernehmen will, a sie schon ausgeschlagen hat, würde sie ablehnen. Also würde die OF die Zwangsversteigerung zum Zwecke der Auseinandersetzung beantragen, um entweder die Witwe zu zwingen im Rahmen dieser das ganze zu erwerben (wobei sie die Hälfte des Erlöses zurück bekäme), oder ein Anderer das Haus übernimmt und eine Hälfte die Witwe bekommt und die andere Hälfte unter den Gläubigern des Verblichenen aufgeteilt würde.

Wäre die Frau meine Mandantin würde ich Ihr raten nicht auszuschlagen. Dadurch gewinnt sie Zeit. kann die Schulden sichten. Entweder es ist nicht so schlimm wie angenommen, dann könnte man mit den Gläubigern eventuell um einen Nachlass, oder um Stundung verhandeln.

Ist es och so schlimm wie befürchtet, könnte man noch immer die Nachlassinsolvenz beantragen. Aber man wäre er Herr des Verfahrens.

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@wfwbinder

Naja, man kann wohl ohnehin annehmen, dass der Mann nicht ohne (grundschuldliche) Absicherung Schulden hat, die den Beleihungswert seiner Haushälfte oder sein Gesamtvermögen übersteigen. Das macht doch heute keine Bank mehr. Wenn das Erbe also nicht überschuldet ist, wird die Frau sicher das Erbe antreten und Haus und Schulden übernehmen.

Trotzdem bleibt das, was mich eigentlich interessiert hat, offen.

Den Erbfall mal beiseite gelassen, sondern ganz einfach den Fall betrachtet, dass zwei verschiedenen Parteien, die sich vielleicht nicht einmal kennen müssen, jeweils 50% einer Immobilie gehören und eine Partei auf ihrem Anteil eine Grundschuld eingetragen hat. Auf welcher Rechtsgrundlage könnte dann die zweite völlig unbeteiligte Partei mit ihrem unbelasteten Anteil in eine Zwangs- oder sogar Auseinandersetzungsversteigerung gezwungen werden? Das verstehe ich nicht.

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Sie haftet nicht für die Schulden.

Selbstverständlich haftet sie als Erbin für Nachlassverbindlichkeiten ihres verstorbenen Ehemannes; §§ 1931, 1967 I BGB :-O

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@imager761

Ja, als Erbin. Es ging ja darum, ob sie nach Ausschlagung der Erbschaft noch in irgendeiner Form an das halbe Haus kommen kann, oder anders, wie das halbe Haus für seine Schulden verwertet werden kann, ohne Ihre Rechte am Haus zu beeinflussen.

Und ich bin eben der Ansicht, dass wenn sie die Erbschaft ausschlägt, seine Hinterlassenschaft (halbes Haus und die Schulen) letztendlich an den Staat fallen, der verwerten wir, um die Schulden zu zahlen.

Es gibt eine Nachlassinsolvenz und die ist im Prinzip nur über eine Versteigerung des Hauses zu bekommen.

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Die Ehefrau haftet natürlich nicht für die Schulden, aber sich muss sich damit abfinden, dass die Schulden gegen das Vermögen aufgerechnet werden, erben geht nur ganz oder gar nicht. Annehmen oder ausschlagen.

Die Ehefrau kann nicht ein halbes Haus Erben und mit den Schulden nichts zu tun haben wollen, ganz gleich wann die entstanden sind.

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