Darf meine Versicherung so etwas einfach machen?

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Um was für eine Versicherung geht es hier? Falls es sich um eine Kapital bildenden Lebens- oder Rentenversicherung handelt: ja, das dürfen sie machen.

Wie soll es auch anders gehen? Garantiert werden 3%, erwirtschaftet werden, sagen wir mal, 2,6%. Die Versicherung macht also bei dem Vertrag in diesem Jahr 0,4% Verlust. Würde sie nun trotzdem Zinsüberschüsse gewähren, würde sie ja noch mehr Verlust machen.

Möglicherweise ist die Formulierung der Versicherung aber missverständlich: der Vertrag hat einen garantierten Zins von 3%, der wird auch gewährt, aber nichts darüber hinaus. Und nur das, was über 3% hinaus geht, wird als "laufender Zinsüberschuss" bezeichnet.

Es geht ja nicht darum ob die LV verlust macht sondern darum das sie trotz alle dem Überschüsse erwirtschaftet und diese nicht an die Kunden weiter gibt und ob dieses Rechtens ist.Wenn die LV kein Gewinn mehr machen würde wären sie ja Pleite.Die Frage war doch aber ob sie das so einfach dürfen ( einfach schreiben " wir haben keine Überschüsse mehr gemacht und jetzt kriegste nichts mehr").Ich unterstelle mal einfach der Versicherung sie haben 2 % erwirtschaftet danach hätte doch jeder Versicherte ein anrecht darauf an diesen 2 % erwirtschafteten Geld beteiligt zu werden oder sehe ich das falsch? In jedem Versicherungsvertrag steht drin das man an den Überschüssen beteiligt wird.

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@Hindenburg

Ich glaube da werden hier ein paar Begriffe und Fakten verwechselt.

Wie kommst du darauf, dass die LV Überschüsse erwirtschaftet. Dieses ist natürlich möglich, im aktuellen Zinsumfeld aber durchaus nicht real. Wenn du meinst, dass die Versicherung in den Bilanzen bzw. GuVs Gewinne auszeichnet, so ist das ein trügerischer Effekt. Grund hierfür sind die sogenannten stillen Reserven. Das bedeutet, dass vor Jahren gekaufte lanfristige Wertpapiere mit hohen Zinsversprechen aktuell am Markt sehr viel mehr Wert sind als damals. Dadurch weisen die Gesellschaften (je nach Bilanzierungstyp) ggf. hohe Gewinne aus. Um aber tatsächlich dieses Geld in den Händen zu halten, müssten sie die Papiere erst mal verkaufen. Und da mit aktuellen Papieren diese Zinsen nicht erwirtschaftbar sind, werden sie dies nur im absoluten Notfall tun. Andernfalls können sie aktuell fällige Kapital-Lebensversicherungen noch auszahlen. Für andere Kunden ist dann kein (oder nicht ausreichen) Geld mehr da.

Grundsätzlich ist es so, dass die wenigsten Versicherungen aktuell über die Zinsversprechen hinaus noch Überschüsse erwirtschaften. Sollte das Zinsumfeld weiterhin so bleiben, wird es für die Lebensversicherungsgesellschaften immer schwieriger zu überleben.

Schlussendlich haben auch die Versicherungen sich das vor ein paar Jahren noch ganz anders vorgestellt. Die damligen Worst-Case-Szenarien klingen heute nämlich nahezu paradiesisch.

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Hallo Hindenburg,
wie sie schon erfahren haben, darf die LV ihre Verträge von weiteren Überschüssen ausschließen, die über den Rechnungszins (häufig Garantiezins) hinaus gehen.

Aber auch der Garatiezins kann in der gerade stattfindenden Krise der Lebens- und Rentenversicherung mit Garantiewerten gefährdet sein:

1. Erste Versicherer beginnen zu tricksen, um sich um den Garantiezins als Mindestniveau zu drücken.
So wir bei mindestend einem Versicherer der vertraglich vereinbarte Garantiezins nicht mehr für neu eingezahlten Beitrag gewährt. Wer also bisher einen Garantiezins von 3% hatte, der erhält für den Teil, der auf neue Beiträge entfällt ab dem 1.1.2017 entfällt nur noch 0,9% !

Und jetzt kommen zwei Regelungen, die den "Garantiezins" noch wackeliger erscheinen lassen, so dass man eigentlich kaum noch von einer Garantie sprechen kann:

2. §163 VVG (Versicherungsvertragsgesetz): Hiernach kann der Versicherer, wenn der Beitrag zur Deckung des Risikos nicht mehr ausreicht und er sich keiner fahrlässigen Fehlkalkulation schuldig gemacht hat, erhöht werden.
Der Kunde kann dann verlangen, dass statt einer Beitragserhöhung, diese aus den Erträgen finanziert werden.
Also eine nachträgliche Verringerung vermeintlich garantierter Leistungen. Denn wer ging nicht davon aus, dass die Beitragshöhe garantiert wäre?

Gesetzestext: https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__163.html

3. §314 VAG (Versicherungsaufsichtsgesetz): Das BaFin kann anordnen, dass Versicherer Überschussbeteiligungen dauerhaft reduzieren und auch bereits entstandene Überschüsse zu reduzieren, wenn diese Maßnahme "geeignet erscheint" die Stabilität des Unternehmens zu erhalten und eine Insolvenz zu vermieden. Es kann sogar der Wert der gesamten Versicherung reduziert werden. Wer also vor der BaFin Anordnung 20.000€ auf seinem Versicherungskonto hatte, könnte sich danach mit 15.000€ oder weniger wiederfinden.
Zusätzlich kann das Bafin dem Unternehmen für begrenzte Zeiträume untersagen z.B. Rückkaufswerte oder Beleihungswerte auszuzahlen. Auch können die Kunden zur Weiterzahlung des Beitrages in der bisherigen Höhe verpflichtet werden.

Gesetzestext: http://www.gesetze-im-internet.de/vag_2016/__314.html

Die Frage ist berechtigt.

Über die Jahre sind unsere Ablaufleistungen immer gestiegen. Seit ca. 4 Jahren tut sich nichts mehr. Garantierte Überschüsse sind festgeschrieben und haben sich seit ca. 4 Jahren nicht verändert. Laufende Überschüsse kommen nicht mehr dazu.

Das würde bedeuten, dass die Institute seitdem keine Überschüsse mehr erwirtschaften. Ist das so?

Sollten sie doch geringe Überschüsse erwirtschaften, sie aber nicht mehr gutschreiben um sich rückwirkend zu sanieren, stellt sich tatsächlich die Frage: Dürfen die das?

Ich bin Kunde, kein Fachmann. Ich fände es interessant wenn "Hindenburg" hier eine fachmännische Aufklärung bekäme.

Direktversicherung - weiterführen, ruhen lassen oder kündigen?

Hallo allerseits,

ich zahle seit dem 1.12.2002 halbjährlich 876,-E (also 1752,-E jährlich) von meinem Urlaubs- bzw. Weihnachtsgeld in eine Gothaer Direktversicherung ein. Im Versicherungsschein steht Gothaer Kapitalversicherung (E1), Versicherungsnehmer ist mein Arbeitgeber, Versicherter bin ich, Versicherungsablauf 1.12.2037.

Aufgrund der voraussichtlich nachträglichen Beitragszahlung an die Krankenkasse bin ich unsicher, ob ich die Direktversicherung weiterführen, ruhen lassen oder kündigen (soweit möglich) soll.

Vielen Dank im Voraus!

Ergänzung:

Hallo, danke für die schnellen Antworten. Wenn ich den Vertrag übernehme, muß ich den Beitrag vorher versteuern und Sozialversicherungsabgaben zahlen.

Einen Zuschuß zahlt mein Arbeitgeber leider nicht, er spart die Sozialversicherungsabgaben. Ich spare ebenfalls die Sozialversicherungsabgaben sowie Lohnsteuer und Soli.

Laut dem Brutto-Netto-Rechner hätte ich ohne Direktversicherung 842,97E in 2015 mehr im Portemonnaie gehabt (und einige Punkte auf meinem Rentenkonte, ob nicht alles auf Einheitsrente hinausläuft-wer weiß). Dem stehen 1752,-E Beitragszahlung in meine Direktversicherung gegenüber.Der Garantiewert für das Jahr 2036 wird mit 76219,-E angegeben (hoffentlich hat die Versicherung nicht noch ein Hintertürchen).

Für meine Familie ist die Todesfallsumme mit 77903,-E natürlich auch sehr wichtig. Ich zahle während der Vertragslaufzeit 44676,-E ein. Die Auzahlung soll steuerfrei sein. Der einzige Wermutstropfen ist der Krankenkassenbeitrag, z.B. bei 55000,-E Auszahlung 10000,-E auf 10 Jahre aufgeteilt (83,33E mtl.) Somit werde ich höchstwahrscheinlich die Direktversicherung weiterführen. Oder habe ich irgendwo etwas übersehen oder einen Denkfehler?

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