Frage von Brigi123, 92

Ausbildungsfreibetrag 3 Euro/ Kind studiert?

Hallo,

ich habe heute meinen Einkommensteuerbescheid für 2016 erhalten. Dort sind 3,- € ( in Worten: drei Euro) nach § 33a Abs. 2 EStG vom Gewinn abgesetzt worden (ich bin selbständig).

Meine Tochter studiert seit 10/16 und erhält Bafög. Ich erhalte seit 10/16 wieder Kindergeld.

An Unterhalt habe ich seit 10/16 monatlich 300,- € bezahlt sowie einmalig den Semesterbeitrag i.H. von ca. 312,- € . Also deutlich mehr als das Kindergeld, und auch mehr als im Bafög-Bescheid festgesetzt wurde. Insgesamt 1212,- Euro in 2016. KG waren 190,- mal 3 = 570,-€.

Diese Zahlen (bzgl. des tatsächlich geleistetetn Unterhalts) habe ich dem FA aber nicht dargelegt (war das vielleicht der Fehler?).

Ich hatte aber gelesen, dass der jährliche Ausbildungsfreibetrag 924,- Euro beträgt und dass der Bezug von Bafög nicht schädlich ist, KG ist sogar Voraussetzung. Volljährig ist sie auch, sie wohnt auch in einer anderen Stadt (Studium hier nicht möglich), also sind doch alle Voraussetzungen erfüllt, oder?

Ich hätte jetzt eigentlich gedacht, dass ein Viertel von 924,- € angesetzt werden könnten (da sie ja nur drei Monate des Jahres in der Ausbildung war).

Wie kommt das FA denn auf drei Euro, das wäre 1 Euro pro Monat, oder haben die sich vertan und daran gedacht, dass ich den für 3 Monate angerechnet bekomme und aus Versehen die Zahl der Monate eingegeben ( kein Witz)?

Soll ich Einspruch einlegen? Schonmal danke im Voraus.

Antwort
von Valeskix, 52

§ 33a Abs. 1 EStG

- Aufwendungen für den Unterhalt und die Berufsausbildung
- einer unterhaltsberechtigten Person
- für die kein Anspruch auf Kindergeld besteht
- die Einkünfte und Bezüge des Kindes werden angerechnet, soweit sie den   Betrag von 624 € übersteigen
=> einzutragen in Anlage Unterhalt (bei dem anzurechnenden Einkommen + BAföG wird wohl nichts verbleiben)

§ 33a Abs. 2 EStG
- Freibetrag neben den Kinderfreibeträgen von max 924 €
- Anspruch auf Kindergeld/Kinderfreibetrag
- Kind in Berufsausbildung und volljährig
- auswärtige Unterbringung
=> einzutragen in Anlage Kind, Zeile 50-52 und Zeile 15
(Grundsätzlich je Ehepartner die Hälfte, es kann aber eine andere Aufteilung vorgenommen werden oder evtl. alle Freibeträge übertragen werden).

Die o.g. Beträge ermäßigen sich um je 1/12 für die Monate in denen die Anspruchsvoraussetzungen nicht vorlagen (§ 33a Abs. 3 EStG).

Die Ausbidlungszuschüsse (BAföG) wirken sich indes seit VZ 2012 nur noch auf den Abzug von Unterhaltsaufwendungen nach § 33a Abs. 1 EStG aus, nicht auf den Ausbildungsfreibetrag (Wortlaut des § 33a Abs. 3 S. 3 EStG).

Kommentar von Brigi123 ,

Danke Valeskix! Super dargestellt und auch noch mit Paragrafen-Nennung.

Also § 33a Abs. 1 kommt für uns nicht infrage. Ganz richtig hat das FA ja auch auf § 33a EStG Abs. 2 abgestellt.

Den Abs. 3 Satz 3 des § 33 a hab ich mir jetzt auch ausgedruckt und mehrfach durchgelesen (habe natürlich den ganzen Paragrafen gelesen). Ich lese hier aber heraus, dass sich Satz 2 und Satz 3 nur auf diejenigen unterhaltenen Personen beziehen, die nach § 33a Abs. 1 unterhalten werden. Das ist hier nicht der Fall.

Das paßt auch zu der Info aus dem oben zitierten Artikel  " BAföG-Leistungen führen nicht zur Kürzung des Ausbildungsfreibetrags, wenn es sich hierbei um ein Darlehen handelt. " Quelle "Steuertipps" ( leider gelingt es mir nicht, den Artikel zu verlinken).

Das steht allerdings irgendwie in Widerspruch zu "Die eigenen Einkünfte des volljährigen Kindes sind ab 2012 nicht mehr relevant für die Gewährung des Ausbildungsfreibetrages". Es stand aber in demselben Artikel.

Was meinst Du? Wenn Du die Sätze 2 und 3 nochmal durchliest?

Ich will jetzt auch nicht unnötig das FA nerven. Ich bin ja schon froh, dass sie wieder meine Steuererklärung in Papierform angenommen haben und den fehlenden offiziellen Grundriss wg. des Arbeitszimmers nicht angemahnt haben.

VG

Kommentar von Valeskix ,

Steuertipps ist nicht immer die schlechteste Quelle aber in diesem Falle ist die Anmerkung schlichtweg veraltet oder ungenau. Es wird weder ein Datum des Rechtsstandes angegeben, noch werden Quellen für diese Aussage genannt. Es gibt ja auch keine (mehr).

Der Gesetzeswortlaut ist eindeutig und existiert in dieser Ausdrucksweise fr ab dem Zeitraum 2014 (§ 52 Abs. 1 EStG; "Kroatiengesetz").

Ungeachtet des Wortlauts war diese Handhabung aber auch schon seit 2012 so vorzunehmen. Entsprechend haben sich die Verwaltungsanweisungen (namentlich H 33a.3 EStH) geändert: Die Kürzung des Ausbildungsfreibetrages ist hier aus den dort aufgeführten Beispielen verschwunden.

Eine Klarstellung, dass Ausbildungszuschüsse (egal ob Darlehen oder nicht) sich nur auf die Unterhaltsleistungen nach Abs. 1 richten, wäre evtl. gut gewesen aber in Hinblick auf den Gesetzeswortlaut nicht notwendig.

Ich kann Ihnen gern noch eine Expertenmeinung zitieren:

(Littmann/Bitz/Pust, ESt-Kommentar zu § 33a Abs. 3 S. 3 EStG, Rn. 401, Stand EL 121, ET 04/2017):

Als Ausbildungsbeihilfe bezogene Zuschüsse mindern ab dem VZ 2012 nur noch die zeitanteiligen Höchstbeträge des § 33a Abs 1 EStG für die Kalendermonate, für die die Zuschüsse bestimmt sind. Die Regelung betrifft sowohl Zuschüsse aus öff Mitteln als auch solche aus privaten Mitteln, die ggf als Bezüge zu erfassen sind, soweit sie den anrechnungsfreien Betrag überschreiten. Die Beschränkung der Anrechnung erfolgt wegen der Zweckbestimmung der Zuschüsse. Sie bewirkt zB bei
einem Kind, das einen Teil des Kj im Ausl, den anderen Teil im Inl
studiert, dass ein Auslandsstipendium ausschließlich auf den Zeitraum des Auslandsaufenthalts angerechnet wird, nicht aber auch auf den zeitanteiligen Ausbildungsfreibetrag für das Inlandsstudium, Loschelder in Schmidt, § 33a EStG Rz 55 (35. Aufl); krit Kanzler, FR 1988, 654/60. Die Regelung in § 33a Abs 3 S 3 EStGist durch das Gesetz zur Anpassung des nationalen Steuerrechts an den Beitritt Kroatiens zur EU u zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften v 25.07.2014, BGBl I 2014, 1266 klarstellend neu gefasst worden, ausführlich dazu s Rn 19.

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für einkommensteuer, 67

Den Abzug nach § 33 a EStG bekommst Du ohnehin nur für ie Zeit, in der Du kein Kinergeld bekommen hast (steht so im Paragraphen drin).

Der Freibetrag von 8.652,- ist erstmal auf 9 Monate umzurechnen (für die anderen 3 bekamst Du Kindergeld.

Die verbleibenden 6.489,- sind um die eigenen Einkünfte des Kinde zu kürzen, soweit die 468,- Euro (3/4 von 624,-) überschreiten.

Wie hoch war denn das Bafög?

Kommentar von Brigi123 ,

Hallo Wfwbinder,

Danke für die Antwort, auch wenn ich sie nicht verstehe. Aber das wird wohl nichts werden mit dem Ausbildungsfreibetrag...

Also, meine Tochter hat von 1/16 bis 9/16 monatlich ca. 2000,- brutto verdient (plus einige Überstunden etc.).

Ab 10/16 hat sie monatlich  609,. € Bafög erhalten und ich seit 10/2016 190,- € monatlich Kindergeld. Unterhalt bezahlt an sie habe ich insgesamt in 2016 1212,- Euro (also ab 10/16 monatlich 300,-€ plus einmal den Semesterbeitrag 312,-€).

Diese Info hatte ich im Internet gefunden:

"Ausbildungsfreibetrag
Entstehen einem Steuerpflichtigen Kosten für die Ausbildung eines Kindes, kann ein Ausbildungsfreibetrag von 924 € im Kalenderjahr vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden.
Nachfolgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
das Kind ist volljährig,
es befindet sich in Berufsausbildung,
es wohnt auswärtig und
für das Kind besteht ein Anspruch auf das Kindergeld oder den Kinderfreibetrag.
Die eigenen Einkünfte des volljährigen Kindes sind ab 2012 nicht mehr relevant für die Gewährung des Ausbildungsfreibetrages.
Anmerkung:
BAföG-Leistungen führen nicht zur Kürzung des Ausbildungsfreibetrags, wenn es sich hierbei um ein Darlehen handelt. " Quelle "Steuertipps"

Aber ich hab jetzt auch schon andere Infos gefunden. Ich kann mich auch nicht beklagen, meine Tochter ist schon durch Bafög und KG ganz gut versorgt, auch wenn 800,- Euro monatlich natürlich nicht reichen, wenn man eine eigene Wohnung hat.

Aber wie um Himmels Willen kommt denn das FA auf 3,- Euro? Ich habe keine Angaben über die Einkünfte meiner Tochter oder den gezahlten Unterhalt oder über das erhaltene Bafög gemacht. Nur das Kindergeld angegeben.

Jedenfalls Danke, liebes FA für den einen Euro/ die zwei Euro  geschenkte Steuer und Danke wfwbinder für die Antwort.

Kommentar von wfwbinder ,

Ich muss erstmal um Entschuldigung bitten, denn ich habe versehentlich die falsche Vorschrift zugrunde gelegt. Ich habe mich da in die falsche Richtung schicken lassen.

Also, Ausbildungsfreibetrag 924,- im Jahr. Für 3 Monate 231,-.

Dieser wäre dann noch durch 2 zu teilen, weil ja zwei Personen Anspruch auf einen Kinderfreibetrag für Deine Tochter haben.

Trotzdem komme ich nicht auf die 3,- Euro.

Steht da nicht irgendetwas im Bescheid als Erläuterung?

Prüfe noch den Bafögbescheid. Der Ausbidungsfreibetrag ist um den Anteil des Bafög zu kürzen, der als Zuschuss gewährt wird. Also nicht um den Darlehensanteil, nur um den Zuschussanteil.

Kommentar von Brigi123 ,

Danke. Jetzt versteh ich es,. Ich hatte überlesen, dass der Zuschuss-Anteil des Bafög abgezogen wird. Also kein Anspruch. Auch nicht auf drei Euro. Den Bafögbescheid hatte ich wohl doch eingereicht.

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