Arbeitszeugnis "übersetzen"?

2 Antworten

Eigne Einschätzung aufgrund meiner Berufserfahrung, ohne Garantien:

Frau xy überzeugte durch eine lobenswerte Einsatzbereitschaft, eine schnelle Auffassungsgabe und einen genauen Arbeitsstil.

Der erste Absatz ist eigentlich ganz ok. (gute) 3 würde ich sagen. Könnte man vielleicht auch als eine sehr kurz formulierte 2-- verstehen, aber das ist fraglich.

In der Einarbeitungsphase zeigte sie sich Neuem gegenüber sehr aufgeschlossen und kooperierte mit ihrer Kollegin in erfolgreicher Weise.

Die Beschränkung auf die Einarbeitungsphase klingt unschön. Für mich heißt das: Hat sich (wie man das so macht) in der Probezeit Mühe gegeben, sich in das Aufgabengebiet einzuarbeiten und einen recht ordentlichen Eindruck hinterlassen. Aber das wars dann auch. Was in der nicht erwähnten Zeit danach passiert ist, kann man nur spekulieren, aber allzu positiv wird ihre Arbeit da wohl nicht in Erinnerung geblieben sein. Ich würde das als Negativmerkmal werten.

Sie überzeugte durch gute und gesicherte EDV-Kenntnisse.

Soweit auch ok. Note 3, von mir aus auch 3+.

Insbesondere beim Kontakt mit ausländischen Schülern und Eltern konnte sie ihre geprüften Fremdsprachenkenntnisse in Wort und Schrift positiv einsetzen.

Auch ganz ok, Fremdsprachenkenntnisse sind immer gut. Hier würde man aber sicher schauen, was unter "geprüft" zu verstehen ist. Ein entsprechendes Zertifikat könnte vermisst werden, wenn es fehlt. Die Formulierung "positiv einsetzen" klingt aber etwas (m. E. sogar sehr) komisch. Das klingt nach meinem Gefühl so, als habe da jemand versucht, einen negativen Sachverhalt zeugnismäßig positiv zu formulieren.

Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war jederzeit einwandfrei und loyal.

Sprich: "War nicht zu beanstanden." Note 3 - 4.

Sie war stets ehrlich, bescheiden, eifrig und pünktlich.

Ehrlichkeit und Pünktlichkeit zu betonen ist unüblich, da beides Selbstverständlichkeiten sind. Wird es dennoch getan, kann das diese vordergründig positive Aussage durchaus negieren, sprich ins Gegenteil verkehren.

Im schulischen Alltag war sie bestrebt, durch Verhalten und Auftreten den Kontakt und Umgang mit Eltern, Schülern und Kollegen positiv und unterstützend zu gestalten.

"Sie war bestrebt", heißt "Sie war dabei nicht erfolgreich". Im besten Falle wird hier die Absicht eines positiven Verhaltens oder Ergebnisses bescheinigt, gerade nicht aber der Erfolg. Meines Erachtens eine 5. Kann man vielleicht auch anders verstehen, aber mehr als 4- würde ich da nicht raus lesen.

Sie erledigte die übertragenen Aufgaben zur vollen Zufriedenheit

Standardformulierung, ist eine glatte 3.

Am Schlusssatz könnte man aus dem "wünschen ihr ... viel Erfolg" ein "wünschen ihr ... weiterhin viel Erfolg" machen. Sonst könnte man das so verstehen, dass sie diesen bisher nicht gehabt hat.

Ohne Garantien, das ließt jeder Chef / Personaler etwas anders.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung
Sie erledigte die übertragenen Aufgaben zur vollen Zufriedenheit

Das ist gerade mal eine 3, also durchschnittlich, aber nicht toll.

Sie war stets ehrlich, bescheiden, eifrig und pünktlich.

Was soll die Aussage, dass man bescheiden bzw. eifrig war? Pünktlichkeit sollte eigentlich nicht erwähnenswert sein. Oder gab es da Probleme?

Im schulischen Alltag war sie bestrebt, durch Verhalten und Auftreten den Kontakt und Umgang mit Eltern, Schülern und Kollegen positiv und unterstützend zu gestalten.

Sie war bestrebt...klingt nach: sie war bemüht, aber erfolglos. Also nicht so positiv. Zumal im schulischen Bereich die Noten im Focus stehen sollten. Sind die wohl nicht so dolle?

Wir bedanken uns bereits jetzt für die geleistete Arbeit und wünschen ihr für den weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und viel Erfolg

Das man sich bedankt, ist positiv, aber bei "wünschen ihr für den weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und viel Erfolg" fehlt das "weiterhin", was bedeutet, dass in der bisherigen Arbeit kein Erfolg erzielt wurde.

Das ist jetzt meine Interpretation. Sollte der Arbeitgeber etwas anderes ausdrücken wollen, sollte das nochmal nachgearbeitet werden. Der Teufel liegt im Detail...

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