Frage von Thomas0815, 86

Abfindung Steuerfrei bei Umzug ins Ausland trotz neuer §50 Abs.12 ESTG?

Hallo, bis 01.01.2017 konnte eine Abfindung realtiv sicher steuerfrei sein, bei Wegzug ins Ausland und Auszahlung im dortigen Ausland. Laut obigen Paragraph wird diese Möglichkeit seit 01.01.17 stark eingeschränkt / in eine rechtliche Grauzone gerückt / unmöglich gemacht.

Welche Möglichkeiten könnten jetzt die Beste Alternativen sein um eine Abfindung steuerfrei zu bekommen? Gibt es ein DBA das eine Abfindung explizit eindeutig dem Wohnsitzstaat zuweißt? Das würde den obigen Paragraph außer Kraft setzen, aber ich habe keines gefunden das dies explizit regelt sondern immer nur generell von "Einkommen" spricht.

Danke für die Antworten.

Antwort
von Valeskix, 62

Grundsätzlich regeln auch die meisten DBA, dass derartige Abfindungen im ehemaligen Tätigkeitsstaat zu versteuern sind (Ausnahmen z.B. Schweiz, Belgien, GB, Österreich, Niederlande und natürlich Luxemburg).

Es ist fraglich, d.h. insbesondere noch nicht höchstrichterlich geklärt, ob die gesetzliche Fiktion des § 52d Abs. 12 EStG bestehende DBA-Regelungen und Konsultationsvereinbarungen mit entsprechenden Ländern "durchbricht".

Im Folgenden wird vorgeschlagen, sich z.B. auf den Vertrauensschutz zu berufen, wenn der Aufhebungsvertrag vor dem 20.12.2016 vereinbart wurde und eventuell Einspruch gegen den Steuerbescheid unter Hinweis auf die unklare Rechtslage eingelegt werden.

Siehe:
https://www.ahs-kanzlei.de/2017/02/%C2%A7-50d-abs-12-estg-abfindung/

Kommentar von Ernsterwin ,

Ich stimme dem Beitrag von Valeskix zu und ergänze nur noch: Sollte sich aufgrund des Steuerbescheids eine Nachzahlung ergeben, nicht nur Einspruch einlegen, sondern auch Aussetzung der Vollziehung beantragen.

Kommentar von Thomas0815 ,

Ich bin nicht sicher aber die meisten DBA regeln das eben nicht explizit
(mit Ausnahme der ganannten), sondern es gilt eigentlich pauschal die
Wohnsitzklausel. Deswegen war ja in der Vergangenheit die Abfindung
steuerfrei bei Umzug (z.B. Dubai, da dort keine Steuern zu zahlen sind).
Ich habe aber leider noch kein DBA gefunden, das explizit das Wort
Abfindung erhält und diese dem Wohnsitzstaat zuweißt. Die Frage ging
auch eher in die Richtung ob es noch andere Möglichkeiten (wie
ungewöhnlich auch immer) gebe könnte, außer einem Umzug, um die
Abfindung steuerfrei zu stellen. z.B. die Abfindung auf mehrere Jahre
strecken um einen deutlichen niedrigen Steuersatz zu erhalten, da die
Fünftelregelung bei hohen Abfindungen ins leere läuft oder die
Versorgungscharaktermethode Was für Ideen wären noch denkbar?

Kommentar von Valeskix ,

Spätestens mit § 50d Abs. 9 S. 1 Nr. 1 EStG würde eine im Ausland steuerfrei gestellte Abfindung der deutschen Steuer unterworfen.

Weitere Möglichkeiten wären z.B. die begünstigte Einzahlung in Altersvorsorgeverträge (Direktversicherung, Rürup) etc. Ein Teil des Geldes wäre dadurch aber gebunden, hätte jedoch auch einen zukünftigen Spareffekt.

Falls das Unternehmen mitspielt, könnte man die Abfindung als Schmerzensgeld behandeln, welche steuerfrei wäre. Da kommt's mir aber hoch.

Ansonsten lohnt sich ja der Besuch bei KPMG, PWC u.ä. Da gibt's spezielle Steuervermeidungs-Abteilungen, wenn nach den Gebühren noch etwas von der Abfindung übrig bleibt.

Kommentar von Thomas0815 ,

Schmerzensgeld ist eine Super Idee, aber genau darum ging es inn dem Post - einfach mal Möglichkeiten zu eruieren.

Was wäre wenn man den Wohnsitz verlegt und sich dann die Abfindung vom deutschen AG über mehrere Monate als Gehalt auszahlen lässt. Gehalt ist nach nahezu allen DBA in Deutschland von der Steuer freigestellt und würde im Ansässigkeitsland versteuert werden (in Dubai z.B könnte das dann 0 heißen). Nach Auszahlung kündigt man dann selbst bzw. man kündigt bereits bei der Unterzeichnung damit der AG auf der sicheren Seite ist.
Dann gibt es offiziell überhaupt keine Abfindung.

Der AG muss halt mitmachen. Aber rechtlich sehe ich hier keine Probleme bei AG.

Nachteil ist das auf das Gehalt Sozalversicherung anfällt, aber das ist wohl zu vernachlässigen da gedeckelt bei der Beitragsmessungsgrenze.

Sonst noch Ideen?

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