Frage von Jlagreen,

Zweite Kapital-LV bzw. Rentenversicherung noch sinnvoll?

Hallo,

ich hatte vor einer Weile ein Gespräch mit meinem Versicherungsvermittler. Nachdem wir uns um die wichtigen Versicherungen gekümmert haben, wollte er auch das Thema Altersvorsorge durchgehen.

Dazu hat er meine Ist-Situation aufgenommen, die wie folgt ist (reine Altersvorsorge):

  1. Kapital-LV mtl. 40€, Abschluss 1998, Laufzeit 40J.
  2. Kapital-LV/RV mtl. 87€ (3% Dynamik), Abschluss 2007, Laufzeit Renteneintritt
  3. Fondsgebundene Riesterrente mtl. 162€, Abschluss 2010

Der Baustein Altersvorsorge ist bei mir eher klein, mein Vermögensaufbau ist wesentlich höher. Daher ist mir dieser Baustein aktuell nicht so wichtig, wichtig ist aber eben eher der Gelderhalt im Alter (wie der Name schon sagt).

Im Zuge der Beratung empfahl mir mein Vermittler ein neuartiges Investmentprodukt, das ich nun nach Überlegung wohl ausschlagen werden. Er empfahl dabei aber auch, die Versicherung Nr. 2 dafür zu kündigen.

Letzteres beschäftigt mich nun, ich bin mittlerweile auch sehr verunsichert, was das Thema LV/RV angeht. Dank der Gesetzgebung der letzten Jahre sind ja sämtliche Garantien in Altverträgen hinfällig bzw. "anpassbar". D.h. die vermeintlichen Vorteile einer KLV existieren nicht mehr, auch ist die Versicherung nicht steuerfrei, da nach 2004 abgeschlossen.

Bei einer Kündigung habe ich mir überlegt, die Versicherungssumme auf das Tagesgeld zu legen bzw. als Sondertilgung zu nutzen und die mtl. Rate dann in 1-2 Fonds zu investieren. Da ich bereits in div. ETFs/Fonds investiere, würde ich da ggf. aufstocken.

Was haltet ihr von der Idee, würdet ihr mir zur Kündigung raten?

Antwort
von Kevin1905,

Also das Geld liegt bei deutschen Versicherungsunternehmen nach wie vor ziemlich sicher. Allerdings ist eine KLV in der Tat keine sinnvolle Anlagestrategie mehr.

Geht es dir ehr um Vermögensaufbau oder um die Altersvorsorge. Sicherheit oder Ertrag? Etc.

Ich würde schauen, dass du hier zu einer unabhängigen Beratung kommst.

Kommentar von Jlagreen ,

Das ist das Problem, Ertrag ist mir eigentlich wichtiger. Denn im Rentenalter will ich Millionär sein, nach aktuellem Stand (Einkommen+Sparrate) wird das auch hinhauen. Die Rendite wird dann nur entscheiden, wie hoch der 7-stellige Betrag sein wird ;) Und mir ist natürlich klar, dass alles anders kommen mag, aber zumindest werde ich immer versuchen mehr Geld zu besitzen als ich brauche, um stets ruhig schlafen zu können.

Und das mit den unabhängigen Beratern ist so eine Sache. Ich suche seit Jahren nach einem und meist erkennt man den auch erst hinterher. Wie soll ich den vorher erkennen, ob ich seriös und unabhängig beraten wurde, wenn ich nicht selbst nächtelang Google bemühe? In dem Fall brauche ich doch keinen Berater, oder?

Kommentar von Kevin1905 ,

Wenn du ein Haus bauen willst machst du das alleine oder arbeitest du mit einem Architekten zusammen?

Google kann sicher Anhaltspunkte und Informationen liefern, aber als Ansprechpartner bevorzuge ich einen Menschen aus Fleisch und Blut.

Ob ein Berater unabhängig ist und welcher Rechtsform er unterliegt hat er dir mitzuteilen.

  • Es gibt Ausschließlichkeitsvermittler, Mehrfachagenten, Versicherungsmakler und Honorarberater.
  • Die beiden letzteren sind von Gesellschaften unabhängig.
Kommentar von Jlagreen ,

Naja, wenn ich mich im Bekanntenkreis so umsehe, hätten die Meisten wohl lieber auf den Architekten verzichtet. Gab mehr Probleme als dass es geholfen hat.

Genauso beim Bau, die die bauen ließen, hat viel zu kämpfen, während die Selbstbauer zwar nun körperlich leiden, aber immerhin keine Probleme mit dem Haus haben.

D.h. also wenn dir ein Makler sagt: "Ich bin unabhängig." Dann glaubst du das? Mein vorheriger Berater war mir z.B. sofort suspekt als er mir nämlich 3 unterschiedliche Versicherungen von der gleichen Gesellschaft anbot. Ein Vergleich im Internet hat aber schnell gezeigt, dass die Versicherungsgesellschaft für hohe Kosten und Provisionen eher bekannt ist. Der Makler hingegen beteuerte, dass er unabhängig sei, schließlich machte er auch umfangreiche Vergleichsrechnungen usw. Nur was nützt mir das, wenn seine spezielle Software nur teure Versicherungen vergleicht?!

Meine Erfahrung bisher war stets, dass ich im Internet immer ein besseres Angebot finden konnte als das, was mir der Makler angeboten hat. Trotzdem bin ich beim letzten Makler doch hängen geblieben, sein Angebot war immerhin nicht schlecht (oberes Drittel) und vor allem vermittelt er das Gefühl, dass Kunden ihm auch wichtig sind (langfristig!). Mit Vermittlern hat man nämlich auch andere Vorteile, z.B. klären sie Formalitäten problemlos. Wenn ich ein Problem habe oder etwas will, rufe ich meinen Makler an und setzt das Schreiben auf. Für solch einen Luxus zahle ich gerne etwas mehr. Aber nicht überirdisch mehr...

Antwort
von Sobeyda,

Die Empfehlung, eine bestehende Versicherung zu kündigen und mit den Beiträgen eine andere - vermeintlich bessere - Versicherung abzuschliessen, ist bei Vermittlern sehr beliebt, weil sie dann erneut Abschlussprovision kassieren können. Daher ist Deine Skepsis hier mehr als angebracht.

Kündigen würde ich die Versicherung unter 2 nicht, weil dort die Abschlusskosten bereits getilgt sind und Dir eine Kündigung keinen Vorteil bringt. Der Höchstrechnungszins war 2007 bei 2,25%. Dieser Garantiezins ist nicht anpassbar, der bleibt bestehen. Was sich ändern kann ist die Überschussbeteiligung, die ist aufgrund des derzeitigen Finanzmarktumfelds, diverser Gerichtsurteile und politischen Vorgaben derzeit nicht besonders hoch.

Wenn Du die Versicherung unter 2. nicht weiter besparen willst, ist eine Beitragsfreistellung meiner Meinung nach besser. Nach dem jüngsten BGH-Urteil darft Dir dabei auch keine Stornoabschlag mehr abgezogen werden.

Bei der Nr. 1 solltest du prüfen, ob es Dir möglich ist, den Beitrag statt monatlich einmal jährlich zu zahlen, dann kannst Du den Ratenzahlungszuschlag von (vermutlich) 5% sparen.

Antwort
von Niklaus,

Was du brauchst ist ein unabhängiger Schichtenvergleich

Die wirklich wichtige Frage zur Altersvorsorge sollte lauten: „Welche Altersvorsorge ist für mich optimal“? Die Altersvorsorge ist seit 2005 in 3 Schichten aufgeteilt. Schicht 1 Basisversorgung: gesetzliche Rentenversicherung und Basisrente (Rürup-Rente). Schicht 2 Zusatzversorgung: betriebliche Altersvorsorge und Riester-Rente. Schicht 3 Kapitalanlagen: Private Renten- bzw. Kapitallebensversicherungen und Aktienfondssparpläne etc. Weder die optimale Schicht noch die Art der Altersvorsorge kann man pauschal festlegen. Jede Form der Altersversorgung hat unterschiedlich hohe Aufwendungen zum Ansparen einer gleichen Nettorente. Deshalb ist es wichtig, dass vor Abschluss jeglicher Altersvorsorge ein qualitativer und quantitativer Schichtenvergleich durchgeführt wird. Denn es ist ein großer Unterschied, ob man von der ausgezahlten Rente noch Steuern und ggf. Krankenversicherung zahlen muss oder nicht.

Beispiel:

Mann, ledig, 34 Jahre alt, Versorgungslücke ab dem 67. Lebensjahr 540 € monatlich (=erforderliche Nettorente)

Um die Versorgungslücke von 540 €/Monat netto abzudecken, werden folgende Bruttorenten je Schicht benötigt:

  • Basisrente: 779 €
  • Direktversicherung, Pensionsfonds, Pensionskasse: 1.050 €
  • Unterstützungskasse, Pensionszusage: 1.050 €
  • Riesterrente: 779 €
  • Private Leibrente: 568 €
  • Investmentfonds-Auszahlungsplan: 690 €

Der erforderliche Beitragsaufwand monatlich, um die Versorgungslücke abzudecken, beträgt:

  • Basisrente: 210 €
  • Direktversicherung, Pensionsfonds, Pensionskasse: 302 €
  • Unterstützungskasse, Pensionszusage: 302 €
  • Riesterrente: 210 € (damit wird aber nicht die komplette Versorgungslücke gedeckt)
  • Private Leibrente: 110 €
  • Investmentfonds-Auszahlungsplan: 116 €

Die Differenz zwischen Bruttorente und Nettorente sind Steuern und Beiträge für die Krankenversicherung. Ausgehend von den unterschiedlichen Bruttorenten, ist die Höhe des monatlichen Aufwands natürlich auch unterschiedlich. Bei der Ermittlung des Nettoaufwandes müssen nämlich noch die unterschiedlichen staatlichen Förderungen und die unterschiedlichen Renditen der Vorsorgeformen eingerechnet werden.

Antwort
von billy,

Von klassischen KLV rate ich derzeit ab, es gibt bessere Geldanlagen.

Antwort
von mig112,

"Im Zuge der Beratung empfahl mir mein Vermittler ein neuartiges Investmentprodukt, das ich nun nach Überlegung wohl ausschlagen werden. Er empfahl dabei aber auch, die Versicherung Nr. 2 dafür zu kündigen." ==> Sorry für die offenen Worte, aber deine vorgenannte Aussage reicht mir schon, um zu behaupten, dass dein Vertreter ein schwarzes Schaf der Branche ist!!

Kaum ist seine Stornohaftung abgelaufen, vermittelt er dir ein Ersatzprodukt... Es ist dir dringendst anzuraten einen qualifizierten Versicherungsmakler zu konsultieren.

Kommentar von Jlagreen ,

Moment!

Versicherung Nr. 2 wurde mir nicht von ihm vermittelt, die habe ich selbst abgeschlossen. Mit dem Vertreter arbeite ich erst seit 2009 zusammen und bin beim Thema Versicherungen auch zufrieden mit ihm. Insbesondere beim undurchsichtigen PKV-Markt hat er mir sehr geholfen. Allerdings wird er mir derzeit auch etwas unsympathisch, weil er sich nun auch um meine Finanzen kümmern möchte, ich das aber nicht möchte. In dem Zug hat er halt vorgeschlagen die Versicherung zu liquidieren und das Geld ins neue Investmentprodukt zu investieren. Das hat mich zumindest auf Idee gebracht, die Versicherung an sich tatsächlich abzustoßen.

Zugegeben, bin ich mir auch schon länger unsicher, was mir die Versicherung Nr. 2 bringen soll. So richtig renditestark wird sie nicht sein, aber immerhin ist es eine Versicherung, d.h. Totalverlust dürfte eher nicht eintreten.

Meine eigentlichen Ziele sind es mit Fondssparplänen, weiteren Investments und vermieteten Immobilien ein 7-stelliges Vermögen bis zum Rentenalter anzusparen. Da fällt solch eine Versicherung später nicht so sehr ins Gewicht, ich habe sie halt abgeschlossen, weil ich damals einfach spontan etwas für die Altersvorsorge tuen wollte.

Ich frage mich aktuell eben, ob es nicht besser ist, die Rate statt in die Versicherung nicht doch in Fonds zu investieren. Doch aus Erfahrung weiß ich, dass Fonds nicht automatisch Gut sein müssen, auch die Vergangenheit ist kein Indiz für die Zukunft.

Die Frage ist also, soll ich ein eher sicheres, aber renditeschwaches Produkt behalten oder doch lieber in ggf. renditestärkere Wertpapiere investieren?

Blöd ist halt, dass die Versicherungsgebühren bereits gezahlt wurden. Immerhin gab es aber keine Vermittlerprovision :).

Antwort
von alfalfa,

Da kann ich mig112 nur zustimmen.

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