Frage von Wikki, 16

Zinsen steigen - jetzt Forward abschließen?

Man liest nun überall, dass die Zinsen ansteigen werden. Soll man jetzt einen Forward abschließen, wenn man in 3 Jahren eine Anpassung des Darlehens hätte?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von KlausWehrt, 9

Sehr geehrte/r Wikki,

die gegenwärtige Politik der EZB ist eher mit Zinssenkungsphantasien als durch Zinssteigerungsphantasien besetzt. Natürlich mag die Verzinsung von Darlehen auch irgendwann wieder ansteigen. Der optimale Zeitpunkt zum Abschluss eines Forwarddarlehens ist dann der absolute Tiefpunkt in der Zinsentwicklung. Kaum jemand kann die Frage beantworten, ob wir diesen schon erreicht haben. Durchschritten haben wir ihn jedenfalls noch nicht. Wer also in der Vergangenheit kein Forwarddarlehen abmachte, hat auch keinen Fehler gemacht. Wer dagegen abschloss, der ärgert sich heute.

In den vergangenen 22 Jahren hatten immer diejenigen Recht, die kein Forwarddarlehen vereinbarten, denn die Zinssätze befinden sich seit dieser Zeit fast durchweg auf dem Rückzug.

Ein weiterhin niedriges Zinsniveau findet seine Begründung in der Sparpolitik der nationalen Staatshaushalte. Wenn die Staaten ihre Schulden nicht mehr vergrößern möchten, sondern ausgeglichene Haushalte präsentieren möchten, so sinkt die Kreditnachfrage und damit auch die Zinsen.

Ein weiterer Aspekt, der für niedrige Zinsen spricht ergibt sich aus der Demographie. Da wir künftig mit einem Rentnerberg zu rechnen haben und diese Menschen darum wissen, dass die Altersrenten wahrscheinllich kaum noch reichen werden, sparen sie, was das Sparangebot erhöht und niedrige Zinsen ebenfalls begünstigt.

Einzig die aufkeimende Weltkonjunktur mag eine gewisse Zinssteigereungsphantasie begründen.

Strukturell ergeben sich somit kaum Risiken für ein erheblich steigendes Zinsniveau. Das ist die Meinung eines Volkswirtes, der weiß, dass er nur mit 60% Wahrscheinlichkeit richtig liegt.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. rer. pol. habil. Klaus Wehrt

Diplom-Volkswirt

Antwort
von LittleArrow, 7

Welche Zinsen steigen?

Ehe nun Unsicherheiten oder Panikattacken aufkommen, bitte ich zunächst mal zu überlegen, über welche Restlaufzeit das Darlehn nach diesen ersten drei Jahren laufen sollte und welche Tilgungsquote dafür angestrebt wird. Diese Überlegungen sind wichtig, um ein passendes Forwarddarlehn zu finden bzw. die Konditionen dafür. Warum?

Bei einem Forwarddarlehn nimmt der Kreditgeber - zumindest gedanklich und rechnerisch - bereits heute die Refinanzierungsmittel am Markt auf und legt diese für die Forwardzeit am Markt wieder an. Da die Refinanzierungsmittel grundsätzlich bei der heutigen Zinsstruktur höher verzinslich sind als die verdiente Verzinsung der Wiederanlage für drei Jahre, entsteht dem Kreditgeber ein Zinsverlust für diese drei Vorlaufjahre, der entweder zu Beginn der Kreditlaufzeit zahlbar ist oder der - mitfinanziert - auf die nächste Zinsfestschreibungsperiode umgelegt wird. Der Zinsverlust beträgt z. B. 6 % insgesamt (sog. "flat") für drei Jahre, dann führt eine Verteilung auf die anschließenden 10 Jahre zu einer höheren jährlichen Belastung als eine auf die anschließenden 20 Jahre. Die Dauer der anschließenden Zinsfestschreibungsperiode beeinflußt also die Belastung mit den Forwardkosten. Andererseits hat eine längere Zinsbindungsperiode idR auch höhere Refinanzierungskosten, was zu einem qualitativ höheren Forwardverlust führt als eine kürzere Zinsbindungsperiode. Daneben hat die angestrebte Tilgungsquote ebenfalls einen Einfluss auf die Refinanzierungskosten.

Diese Darstellung soll Dir vorallem die unterschiedlichen Abhängigkeiten zwischen Zinsbindungsdauer, Tilgungsquote und Forwardzeitraum veranschaulichen. Du beeinflußt die Kosten also mit Deiner Entscheidung, wie Du Dir die weitere Zukunft Deines Kredites vorstellst (wenn alles planmäßig läuft) und was Du Dir dabei finanziell leisten kannst bzw. willst! Entdecke Deinen finanziellen Spielraum!

Bitte beachte, dass in der (öffentlichen) Diskussion bei Forwarddarlehn (egal wie die Vorlaufzeit ist) häufig eine nur 10-jährige Anschlussfinanzierungszeit unterstellt wird und über die Tilgungsmodalitäten während dieser Zeit gar nichts gesagt wird, um mit optisch niedrigem Zinssatz zu "glänzen".

Kommentar von LittleArrow ,

Ergänzend hier noch etwas zum Lesen:

http://www.finanztip.de/baufinanzierung/forward-darlehen/

Wenn die letzten 22 Jahre durch Hypothekenzinssenkungen gekennzeichnet waren (nimmt man mal großzügig von einigen Steigungsphasen Abstand), dann darf man für die nächsten 22 Jahre dies nicht auch erwarten.

Antwort
von Rat2010, 6

In genau deiner Situation war die Entscheidung nie schwieriger als heute!

Es ist also genau um das Quäntchen wahrscheinlicher, dass der Tiefstpunkt hinter uns liegt, dass die Kosten des Forward-Darlehens vielleicht (genau gesagt zu exakt 50 %) gut investiertes Geld sind.

Zünglein an der Waage ist, dass ich ein positiver Mensch bin. Ich erwarte also, dass die Börsen noch lange weitersteigen und das sorgt (am langen Ende und über Umwege) für steigende Zinsen. Es kann aber auch anders kommen und dann könntest du noch warten.

Bringt dir aber auch nichts. Hast du z. B. die Möglichkeit, die Hälfte als Forward-Darlehen zu nehmen oder kommt es auf ein oder zwei Prozent Zins - weil das Restdarlehen für dich nciht so hoch ist - nicht darauf an oder gibt es irgendwas anderes, das weiter helfen könnte?

Wegen des Timings ist deine wirklich eine der schwersten Fragen der letzten Zeit.

Antwort
von freelance, 4

hier wird man keine absolut richtige Antwort bekommen, denn keiner kennt die Zinsentwicklung.

Ein Forwarddarlehen über 3 Jahre wird nicht günstig werden. Da sollte man erst die Konditionen kennen, bevor man weiteres entscheidet. Ich persönlich vermute, dass die Konditionen so teuer sind, dass sich ein solches Darlehen schwer lohnen wird.

Und was die Presse so schreibt, ist mir egal.

Antwort
von mig112, 4

WO liest man das denn!???

Mir sagte noch Ende Dezember 2013 ein Banker, dass vor 2016 nicht mit steigenden Zinsen zu rechnen sei. Die folgende Sitzung der EZB bestätigte die These.

Kommentar von Rat2010 ,

Ich würde es mir nicht zu einfach machen. Es gibt Indizien in die andere Richtung!

  1. Der Trend hat gedreht. Seit dem Tiefststand im Juni sind die Zinsen im 10-jährigen Bereich um 0,4 % gestiegen.

  2. Die Aussage deines Bankers. Hat der jemals Recht gehabt?

Dass die EZB damit wenig zu tun hat zeigt die Zinsentwicklung. Unabhängig davon würde ich auch auf die EZB nicht länger als sechs Monate setzen. Konjunkturell ändert sich etwas.

Ich wage derzeit keine Prognose (siehe meine Antwort) aber einfach machen sollte man es sich jedenfalls nicht.

Kommentar von mig112 ,

Ich weiß, dass es nicht einfach ist und habe ja auch von THESE geschrieben... Allerdings ab "heute" ein dreijähriges Forward zu zahlen, halte ich für Unfug.

Kommentar von Rat2010 ,

Wie andere auf sinkende Aktienkurse schaut jemand, dessen Existenz davon abhängt auf die steigendne Zinsen und greift - je nachdem - zur Unzeit dann doch noch zu.

Ich halte es (in meiner Situation) auch für falsch. Kann aber auch nicht auschließen, dass die Situation von Wikki eine ganz andere ist.

Dass eines deiner Argumente die Aussage eines Bankers war, erschreckt mich. Ich unterhalte mich jeden Donnerstag mit unserer Masseuse und traue der auf dem Gebiet Zinsprognise schon wesentlich mehr zu ;)

Sie weiss die Zukunft nebenbei auch nicht ;)

Antwort
von HilfeHilfe, 4

Hallo

es kann , muss aber nicht interessant sein. Ja , auf lange Sicht steigen die Zinsen und das Zinsumfeld wird auch schwanken.

Einfach Angebote einholen ( auch von Vermittlern) und schauen ob man einen Zinsvorteil zum aktuellen Darlehen hat. Wenn Sie zB 2 % günstiger finanzieren würden in 3 Jahren in sich gehen und abwägen.

Ich persönlich hätte keine Lust 3 Jahre die Zinsen zu beoachten und Angst haben zu müssen höher abzuschließen.

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