Würde sich eine Rezession oder Inflation auf Immobilienmarkt auswirken?
Viele Anleger setzen auf Sachwerte wie Immobilien. Manche Finanzexperten wie Dirk Müller oder Max Otte raten davon ab und empfehlen eher Aktien oder Edelmetalle. Frage: Wie würde oder könnte sich eine mögliche Rezession oder Inflation speziell auf den Immobilienmarkt in Deutschland auswirken?
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du suchst hier nach kausalen Regeln, die es so nicht geben wird. In einer Rezession würde jeder fallende Immopreise erwarten oder nicht? Nur: was passiert(e) seit 2008? Die Preise steigen.
Auch Aktien und Edelmetalle sind Sachwerte.
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Das Schöne an den sogenannten Experten ist doch, daß sie nur sehr selten (wenn es nämlich für alle offensichtlich ist) etwas kategorisch und für alle anderen ablehnen, sondern immer nur positive Präferenzen für irgendeine Anlageklasse oder einen Sektor in einer Anlageklasse artikulieren.
Natürlich sind Anlagen in Sachwerten sinnvoll - in Rezessionen wie in Boomphasen. Das bedeutet aber nicht, daß jeder Sachwert in jeder Phase immer gleich geeignet ist.
Gold soll für Stabilität in einer Inflation sorgen, da es als Referenzwert mit beschränkter physischer Verfügbarkeit zwar keine Zinsen oder Erträge abwirft, aber Geldentwertung kompensieren kann. Spekulationseinflüsse sorgen allerdings dafür, daß Preise zu hoch angesetzt sind, so daß diese Funktion nur eingeschränkt besteht.
Immobilien als klassische Sachanlagen haben einen soliden Wert, wenn sie in entsprechend erstklassiger Lage sind, jedoch wäre in einer Rezession bei Gewerbeimmobilien mit einer Abwertung zu rechnen, da Unternehmen Kosten optimieren oder sogar ganz verschwinden. Wohnimmobilien leiden unter einer dann ggf. steigenden Arbeitslosigkeit bzw. geringeren Einkommen. Die Liquidierung (d.h. Realisierung des Werts) in einer Rezession kann sehr schwer werden.
Aktien globaler Unternehmen mit geringer bis moderater Verschuldung, die nicht zu den Zyklikern gehören, sind eine recht robuste Geldanlage. Man hat jedoch gesehen, daß eine globale Krise auch diese Unternehmen angreift und in Mitleidenschaft zieht.
Daher sollte man seinen Portfolio vernünftig diversifizieren und langfristig ausrichten. Man sollte immer von allem etwas halten. Wer jetzt keine europäischen Aktien hält, wird auch nicht bei einem Aufschwung dabei sein. Kurzfristig kann es Turbulenzen geben, aber im langfristigen Mittel stimmt die Performance.
Zum Immobilienmarkt in Deutschland: http://www.hypoport.de/hpx-hedonic.html
Hinterher kann man alles mögliche erklären, aber die Frage ist doch, ob man im voraus Trends vorhersagen bzw. auch nur bestimmen kann. Abgesehen davon: ein allgemeiner Trend im deutschen Immobilienmarkt hilft Dir wenig, wenn Du an einem genau bestimmten Ort im Bayerischen Wald oder in Bochum oder auf Rügen ein Haus kaufen willst. Ein Trend kann höchstens helfen, die grobe Richtung von REITs oder Immobilienfonds zu bestimmen.
Theoretisch sollte eine Inflation durch Hauspreise langfristig kompensiert werden. Mit der Inflationsrate steigen aber auch Zinsen und die Finanzierung von Immobilien wird teurer. Bestehende Schulden können geringer werden, wenn der Arbeitsmarkt gut läuft und Steigerungen der Löhne und Gehälter die Inflation kompensieren. Gibt es eine Rezession, steigt die Arbeitslosigkeit, es können sich weniger Menschen Häuser leisten und der Immobilienmarkt verliert ohnehin knappe Liquidität. Man kann Immobilien aber nicht als börsentäglich veräußerbare Güter betrachten.
Unten findest Du noch einen Artikel zum Thema...
Kommentar von gandalf94305gandalf94305 29.07.2012 -
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Das führende Immobilien-MaFo-Unternehmen Bulwien-Gesa hat zumindest "harte" historische Daten: Reale Wertentwicklung deutscher Immobilien seit 30 Jahren: 1% p.a.
Das ist natürlich nur ein Durchschnitt und manche Metropolen haben in den letzten zehn Jahren mehr geliefert. Aber Durchschnitte sind wichtig im Vergleich zu anderen Assetklassen. Aktien haben in den letzten zweihundert Jahren (US-basiert) 6,8% real p.a. gebracht. Selbst wenn´s in Zukunft nur noch 2/3 davon wären: 4,5% real ist auch nicht schlecht.
Warum sind Aktien die produktivste Anlageklasse? Weil dort Menschen arbeiten mit Fleiß und Ideen. "Arbeitet" toter Beton? Eher weniger... Werden Mieter bei Rezession zahlungskräftiger? Eher nicht.
Langfristig müssen Unternehmen erfolgreicher sein, zumal sie auch Inflation überwälzen können oder regional ausweichen können (viele Unternehmen sind heute global ausgerichtet).
Kommentar von pinke14 16.07.2012Das ist eine sehr interessante Antwort. Es kommt für die Aktie also darauf an, wie sich die Zukunft der Arbeit entwickelt, und es sieht eher so aus, dass sie von Maschinen verdrängt wird. Allein der Microchip wird hunderte Millionen Arbeitsplätze weltweit überflüssig machen. Und wer nichts verdient, konsumiert nicht. Innovation? Die Finanzwirtschaft ist hoch innovativ, aber volkswirtschaftlich überwiegend nutzlos und schädlich, das sehen wir ja jetzt. Da die Arbeit um die Welt zieht, von Land zu Land, müssen es auch die Fachkräfte von morgen, Job-Nomaden. Die brauchen keine eigenen Häuser mehr, die werden in komfortablen Mobilhomes an attraktiven Plätzen leben und in den grossen Städten leben dann die Armen. Wer weiss..... Wir können höchstens noch für die nächsten 20 Jahre planen.
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Was ist "der" Immobilienmarkt denn? Es würde doch niemand behaupten, dass sich der Preis für ein Geschäftshaus an der Düsseldorfer Königsallee genauso entwickeln wird wie der für eins im Eifeler Euskirchen. Eine Eigentumswohnung in München-Schwabing ist ein Schatz, eine in der Platte von Eisenhüttenstadt unverkäuflich. Egal, ob Rezession oder Inflation: An diesen Verhältnissen wird sich nichts ändern. Ich halte diesen Denkansatz für unbrauchbar und das ganz besonders für die eigene Anlageentscheidung unbrauchbar. Viel entscheidender als die allgemeine Wirtschaftslage ist bei der Immobilie die geografische Lage.
Kommentar von pinke14 16.07.2012Das macht es ja so schwierig. Bekannte hatten ein Haus mit Garten in guter Lage in Berlin (Müggelsee) gekauft, über das jetzt die Startbahn des neuen Flughafens angeflogen wird. Ich habe ihnen gesagt: wartet bis die leisen Antriebe kommen, in 15 Jahren hört man die Maschinen kaum noch, dann ist es dort schöner als am Prenzelberg! Schwacher Trost, denn kein Mensch kauft dort zur Zeit noch ein teures Haus. Und wenn irgendwo ein Werk geschlossen wird, zieht das die ganze Stadt runter. Aber so ist das Leben. Was halten Sie von mittelgroßen Städten wie Bremen? Ich frag mich warum dort die Immobilien noch relativ günstig sind. Die Schulden schütteln die Städte doch mit der Inflation ab, oder?
Kommentar von Privatier59Privatier59 16.07.2012Es gibt für den Hausbesitzer in Deutschland eine viel größere Gefahr als die Wirtschaftskrise und diese Gefahr ist die Bevölkerungsentwicklung der nächsten Jahrzehnte. Millionen Menschen weniger brauchen Millionen Wohnungen, Geschäfte, Büros etc weniger. Diese Entwicklung vollzieht sich zudem auch noch ungleichmäßig. In Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Stuttgart oder München, um hier die wesentlichen Gewinner der Entwicklung zu nennen, wird es auf absehbare Zeit keine Probleme geben. Völlig anders hingegen im ländlichen Raum und in den kleinen bis mittelgroßen Städten. Die günstigen Preise beispielsweise in Bremen zeigen doch, dass sich der Markt auf diese Entwicklung vorbereitet. Ich würde da nicht kaufen, auf keinen Fall.
Kommentar von pinke14 16.07.2012Hmm, klingt einleuchtend. Aber dann wären doch gut gemanagte Immobilienfonds, die in ausgesuchte Objekte an Plätzen mit positiver Prognose investieren, in Europa oder global, auch eine gute Alternative, oder? Aber man liest, dass die Zeit der Immobilienfonds vorbei sei. Warum laufen die nicht mehr so gut oder gehen pleite?
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Viele Anleger setzen auf Sachwerte wie Immobilien. Manche Finanzexperten wie Dirk Müller oder Max Otte raten davon ab und empfehlen eher Aktien oder Edelmetalle
Sind das kein Sachwerte??? Sachwerte unterliegen keiner Inflation.
Bei Inflation werden die Kaufpreise und die Mieten für Immobilien noch mehr steigen.
Kommentar von pinke14 16.07.2012klar sind das Sachwerte! Nur empfehlen Otte und Müller als Sachwerte eher Aktien und Edelmetalle STATT Immobilien, es sei denn es sind selbstgenutzte, die man sich aus persönlichen Gründen wünscht. Aber das ist halt Ansichtssache, über die auch Experten unterschiedlicher Meinung sind. – Im Übrigen meinte ich die Auswirkungen auf den Markt. Ein Überangebot wie in Amerika lässt natürlich die Preise sinken.
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Was meinst du damit? Die eigene Immobilie oder eine Immobilie als Sachwertanlage die man vermietet?
Dann muss man unterscheiden: Sind diese Immobilien noch mit Darlehen behaftet oder schuldenfrei?
Sind noch Schulden auf der Immobilie, dann kann es kritisch werden. Bei einer Rezession sinkt der Verkehrswert der Immobilie. Somit ist die jetzige Beleihungsgrenze (z.B.80%) zu hoch. Also ein Beispiel: Heute ImmoWert 200.000€ , Kreditbeleihung 80%= 160.000€ Deflation bzw.Rezession: Der Verkehrswert wird auf 150.000€ vermindert, 80% Beleihung = 120.000€; Bank fordert sofort weitere Sicherheiten oder Bürgschaften, ansonsten wird Kredit fällig gestellt. Zwangsvollstreckung droht.
Bei einem Schuldenschnitt oder neuer Währung, werden die Schulden an den Gläubiger reduziert. Im Jahre 1948 waren das 90%, d.h. 100.000 RM waren noch 10.000 DM. Jedoch hat sich der Staat dann 1953/54 mit dem Lastenausgleichsgesetz diese 90% als sogenannte Hypothekengewinnabgabe dann im Grundbuch gesichert. Die Menschen konnten diese dann innerhalb 30 Jahren abzahlen oder ihre Erben.
Kommentar von pinke14 16.07.2012Ich meinte jetzt bar bezahlte Immobilien. Selbstbewohnen dürfte sich doch immer lohnen, wenn man weiss dass man berufsbedingt nicht mehr umziehen muss und man muss sich mit keinem Vermieter oder steigenden Mieten herumschlagen. Ich weiss allerdings nicht, was man in so ein Objekt im Laufe der Jahre noch nachinvestieren muss. Dass der Staat sich an den Immobilienbesitzern schadlos halten könnte, wäre ein zusätzliches Risiko, dass die scheinbar günstige Immobilie ziemlich teuer machen kann.
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Du musst schon zwischen Rezession und Inflation unterscheiden. Bei einer Inflation würden die Preise steigen. Bei einer Rezession werden eher Jobs abgebaut und der Arbeitsplatz unsicher, so daß nur wenige sich eine Immobilie leisten können. Eventuell müssen sich Immobilieninhaber von Immobilien trennen, da sie den Arbeitsplatz verloren haben und nun die Zinsen und tilgung nicht mehr aufbringen können, daher stagniert der Immobilienmarkt. Eventuell fallen sogar die Preise mehr oder weniger.
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Wir haben ja noch gar keine Rezession!! :-) Davor bewahrt uns seit 2008 der Staat mit seinen Konjunkturspritzen und verschuldet sich dafür, wie überall auf der Welt. Weil das die meisten Leute befürchten, ich meine eine 'gewaltige' Rezession wie in den 30ern, wie in manchen Teilen der USA jetzt schon real, darum stürzen sich jetzt alle auf Immobilien.
gut, dann grenzen wir den Zeitraum ein: die Immopreise sind von Mitte 2007 bis Anfang 2009 gestiegen. Und in der Zeit war ganz klar eine Rezession.