Frage von glycerin, 16

Wo kleines Geld anlegen in Zeiten der Finanzkrise?

Hallo,

also kurz und knapp. Ich gehe davon aus, dass es zu einer weiteren Finanzkrise kommen wird und ich tendiere daher dazu meine auf einem Investment-Fond beruhende Lebensversicherung, welche eh nur erbärmliche Werte aufweist, aufzulösen. Besser ein schlechter Rückkaufswert als 0 €uro nach einer Finanzkrise.

Was wäre eine gute Alternative das dann flüssige Geld anzulegen?

Wenn ich mich bei diesem Thema informiere stoße ich immer auf einen Tenor: Man soll das Geld in einem Mix anlegen (Gold, Immobilien, Aktien, etc.). Nun bleibt mir, wenn ich von den typischen Verlust ausgehe, bestenfalls 5000 Euro. Das reicht nicht für eine Immobilie noch für sonstige große, materielle Investitionen. Aktien finde ich, da ich nur dieses Geld habe, ein existenzielles Risiko (und moralisch eh verwerflich). Ich denke mal, dass auch der angeratene Goldkauf bei diesem Kleinbetrag albern ist.

Nun frage ich mich, was würden denn professionelle, unabhängige Finanzexperten einem kleinem Sparer wie mir raten?

Vielen Dank für jeden Hinweis!

P.S. Bitte nicht auf dem Thema Finanzkrise ja oder nein, LV kündigen ja oder nein etc. rumreiten. Meine finanzsystemkritische Meinung lässt sich ja über Kommentare nicht wirklich ändern, gerne nehme ich aber Tipps an, wie ich am besten vorgehe.

Für alle, die meine Meinung naiv finden, empfehle ich diesen Film: http://www.arte.tv/guide/de/048858-000/der-banker-master-of-the-universe

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von jsch1964, 16

Hallo,

hurra, ich darf mich wieder zum Thema "alternative Geldanlagen" - meinem Lieblingsthema - auslassen. :-)

Wenn die Lebensversicherung dran glauben soll, würde ich sie eher verkaufen, als sie aufzulösen. Das lohnt sich in aller Regel mehr.

Die Frage nach der Anlage ist, wie immer, eine Glaubensfrage. Würdest Du einem soliden Unternehmen für seine Geschäftsaktivitäten Geld leihen? Das rentiert sich mehr, als es irgendeiner Bank zu leihen, die Dir doch nur so gut wie keine Zinsen gibt. Ich z.B. bin ein Freund von Nachrangdarlehen, die bringen mehr Zinsen, weil eine Gewinnbeteiligung mit dabei ist - und das Risiko ist bei einigen Produkten sehr gering bis fast gar nicht vorhanden. Die Laufzeit ist kurz und falls es knallt, stehen Immobilien als Sicherung dahinter. Mit dieser Vorliebe stehe ich allerdings ziemlich alleine da, weil die meisten Leute sich nicht die Mühe machen, das dahinter stehende Geschäftsmodell näher zu durchleuchten und es grundsätzlich ablehnen.

Wenn die große Krise kommt, sollte das Geld in Sachwerten stecken. Du könntest z.B. auch einfach mal überlegen, welchem Unternehmen Du es zutraust, dass es auch einen Totalcrash überlebt: Vielleicht die Telekom? Bayer? Krauss-Maffei Wegmann? BP? Microsoft? Dein lokaler Energieversorger? Das wären dann ebenfalls Kandidaten für Dein Investment.

Alternativ kommen für die reine Wertsicherung natürlich auch Gold oder andere Edelmetalle in Frage. Das ist auch bei 5000,- Euro keineswegs albern. Man könnte bestenfalls darüber streiten, ob man tatsächlich alles in Gold umsetzen sollte. Ob Du das Edelmetall selber kaufst oder Dich über einen Großhändler mit Deinem Geld an seinen Käufen beteiligst, ist Geschmackssache. Bei ersterer Variante hast Du das Gold zuhause, bei der zweiten Variante liegt es in einem Safe in einem Zollfreilager. Dafür bekommst Du mehr Gold für Dein Geld.

Antwort
von gandalf94305, 12

Harmlose Privatanleger wiegen sich so lange in Sicherheit, bis selbst die dümmsten Spatzen von den Dächern pfeifen, daß nun der Weltuntergang gekommen sei, da der DAX mal 10% eingebrochen ist, die Bildzeitung über die schlechte Wirtschaftslage schreibt und selbst am heimischen Stammtisch die Panik doch gerade so weitergeht. Der oberschlaue Anleger sagt sich daraufhin (nachdem er ja die letzten Jahre alle Verluste so mäßig ausgesessen hat), daß es jetzt mal an der Zeit ist, ein Machtwort zu sprechen. So es denn geschehe. Alle Geldanlagen, die man gerade hat, sind böse. Schnell verkaufen, verscherbeln, liquidieren. Es muß etwas Neues sein, das wirklich sicher ist, aber es soll natürlich auch eine gute Rendite abwerfen.

Ich rate Dir folgendes: verkaufe Dein Hab und Gut und kaufe dafür einen Bauernhof, auf dem Du Dich als weitestgehender Selbstversorger etablierst. All der schnöde Mammon dieser Welt ist nur Schein. Wirkliche Werte sind die eigene Scholle, das eigene Haus und vielleicht noch die Goldbarren im Keller.

Klingt ziemlich wie nach dem Genuß von fünf Caipirinhas? Na gut, einen hatte ich schon :-)

Ist aber dennoch ziemlicher Unsinn. .Langfristig betrachtet ist natürlich jede Korrektur der Märkte keine Gelegenheit für den panikartigen Ausstieg, sondern für den billigen Einstieg. Man verkauft nicht, wenn alle verkaufen wollen, sondern wenn alle euphorisch sind. Dann, wenn alle verkaufen wollen, kauft man. Antizyklisch nennt man das.

Wenn ich mein Portfolio so in den letzten vier Wochen anschaue, dann sind die Emerging Markets noch recht robust geblieben, ebenso Rentenfonds und Immobilienfonds. Die Industrienationen, die stark am Tropf der Wirtschaft hängen, sind auf dem Weg nach Süden. Tech leidet unter der aktuellen Entwicklung - auch der hypothetischen Zukunft mit Zinserhöhungen, während Edelmetalle lustigerweise aber auch nicht so gut liefen. Risikoaversives Verhalten legen die Großanleger an den Tag und schichten heftig um.

Meine persönliche Strategie ändert sich dadurch nicht. Ich kaufe gezielt nach und je mehr, desto tiefer die Märkte fallen. Warum? Nun, die Erfahrung zeigt, daß selbst bei einem DAX-Stand von 7.000 irgendwann doch mit einem Stand von 10.000 wieder zu rechnen ist. Das wären so knapp 50% Gewinn. Geduld ist also angesagt... wohlüberlegtes Handeln... und gezielte Investitionen.

Daher wird Dich mein Rat hoffentlich nicht mehr überraschen: investiere in alles, was keiner haben will. Europa, Deutschland, Emerging Markets, aber auch Industrials, Tech-Werte und Rohstoffaktien. Kaufe keine einzelnen Aktien, da diese deutlich zu volatil sind und von ihren Ergebnissen abhängen. Kaufe Fonds oder meinetwegen ETFs, wenn Dir keine guten Fonds einfallen.

Welche Fonds das nun genau sein sollten, das wäre Gegenstand einer Beratung, in der man Deine Ziele, Vorstellungen, Toleranzen und Absichten durchleuchtet, um ein für Dich gangbares Investmentkonzept aufzustellen. Ein langfristiges Konzept, das mit ein paar kleineren Korrekturen und Umschichtungen durchaus 10-20 Jahre und länger laufen kann.

Film? Schau mal den hier an: http://www.imdb.com/title/tt0046072/

Antwort
von AndWehle, 13

na gut hier wurde ja schon viel berichtet, wei man das ganze richtig macht, die Idee mit der Scholle und dem Keller finde ich zwar gut für das Szenaron, welches du beschreibst, aber ist wohl nichts für deinen Geldbeutel. Soweit die Verluste bei der LV erträglich erscheinen und diese in "reale" staatliche Schuldverschreibungen (also Geldscheine, nicht virtuelle Nummern auf einen Bankkonto), solltest du dir ggf. Gedanken darüber machen, was in deinen Szenario alles passieren kann. Die zu erwerbenden Sachen sollten tragbar sein, wertbeständig, leicht tauschbar gegen Essbares. Ob dies nun durch verschiedene Edelmetalle wie Kupfer, Silber oder Gold erfüllt ist, überlasse ich mal gern deiner Phantasie. Von allem anderen, was auf Papier geschrieben ist würde ich mal die Finger lassen. Was passiert wohl wenn das Versprechen auf dem Papier nicht akzeptiert oder eingelöst wird? Der Bauch belibt leer und knurrt. Selbstverständlich kann das auch bei den o.g. Edelmetallen passieren, wenn der Händler mit den Eiern schon genug davon hat oder sowie auf andere Sachen steht.

Antwort
von KapitalschuleDe, 14

Ein professionelle, unabhängige Finanzexperten würde erst einmal mit einen Kundenfragebogen auf Dich zu kommen, um deine Erfahrungen und Kenntnisse und Anlageziele fest zu halten.

Was bringt Dir Gold, wenn Du Dein Geld in 6 Monate wieder haben willst?

Diversifikation, also ein Mix aus Anlagen, ist sicherlich nie verkehrt.

Antwort
von billy, 13

Hallo glycerin, Ohne auf irgendetwas rumreiten zu wollen sollte die Bemerkung erlaubt sein das eine Kündigung einer LV immer die für den Kunden teuerste Variante darstellt. Zu prüfen wäre ob eine Beitragsreduzierung oder gar Beitragsfreistellung in Betracht käme. Das 5000 € für Immobilien, Aktien, Gold usw. eine kleine Summe darstellen da bin ich Deiner Meinung zumal für Kauf und Verwaltung auch Kosten entstehen und die Risiken unabhängig von der Anlagesumme bestehen blieben. Eine halbwegs vernünftige weil sichere Variante Geld anzulegen wäre zum Bsp. ein Festgeldkonto, bis Dir etwas besseres einfällt oder die Risikobereitschaft wieder steigt.

Antwort
von antonwalter, 12

Die Frage ist ja wie immer, wie Risikobereit bist du und wie lange kanst du dich von deinem Geld trennen, wenn du diese Fragen für dich Beantwortest kann man überhaupt erst Anfangen dir Ratschläge zu geben, was gut und nicht gut ist! LG Walter

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