Frage von Emilystrange, 282

Wird die elterliche Rente auch bei Ü25 angerechnet?

Hallo zusammen, meine Situation ist folgende:

Ich bekomme derzeit noch ALG 1, ab Januar dann aber Hartz 4, wenn ich vorher nichts finde. Derzeit lebe ich mit meinem Freund zusammen, aufgrund seines Verdienstes, werde ich wohl keinen Anspruch auf Leistungen haben. Nun überlege ich, offziell zu meinen Eltern zu ziehen, um dem zu entgehen. Mein Vater ist Rentner, meine Mutter bekommt nichts.

Reicht es also, wenn ich mich ummelde, kontrolliert das Amt, ob ich wirklich da lebe und - am wichtigsten - wird die Rente meines Vaters angerechnet? Ich bin 32.

Für Hilfe wäre ich sehr dankbar!!

Antwort
von Primus, 269

Du wirst ein ganz schönes Risiko eingehen, wenn Du Deinen Plan in die Tat umsetzt. Das Jobcenter kontrolliert mittlerweile alles und wenn jemand dahinter kommt, dass die Adresse bei den Eltern eine Scheinadresse ist, zahlst Du jeden Cent, der Dir bis dahin gezahlt wurde zurück.

Denk daran, die Welt ist klein. Wenn Du bei Deinem Freund lebst, gibt es immer "gute Freunde" denen das ein Dorn im Auge ist und die Dich beim Jobcenter anschwärzen könnten

Außerdem begehst Du Sozialbetrug, womit Du Dich auch noch strafbar machst.

Antwort
von Juergen010, 210

So wie ich das sehe, wird die Rente deines Vaters in diesem Fall nicht mitberechnet.

Schau bitte diesen Artikel: http://www.gegen-hartz.de/bedarfsgemeinschaft.html

Auch der ggf. vom Amt vermutetetn Haushaltsgemeinschaft kann man, wie weiter unten im Text erläutert wird, entgegentreten.

Zum zweiten Teil deiner Frage, ob das Amt deinen tatsächlichen Aufenthalt bei deinen Eltern kontrolliert, kann man nur Vermutungen anstellen.

Im ersten Schritt wohl nicht. Falls doch, müssen sich die Arbeitsamtaußenermittler jedoch rechtzeitig bei dir anmelden und einen Termin ausmachen.

Da das zwar geltendes Recht ist, welches von Zeit zu Zeit jedoch von den eifrigen "Agenten" nicht so genau genommen wird, solltest Du deine Eltern entsprechend briefen, damit sie die wichtigen "Leute vom Amt" nicht ohne dein Beisein, quasi im voreilendem Gehorsam, in die gute Stube bitten. Es gilt die Unverletzlichkeit der Wohnung.

Selbstverständlich ist das Sozialbetrug. Du müsstest im Erwischensfall alle Leistungen zurückzahlen und hättest auch noch ein Strafverfahren an der Backe.

Kommentar von Emilystrange ,

Danke für eure bisherigen Antworten.

Ich habe mich versucht zu informieren, was BGs angeht etc. Es ist bei uns so, dass wir beide im Mietvertrag stehen, die Miete vom Konto meines Freundes eingezogen wird und ich meinen Anteil an ihn überweise. Desweiteren bestehen keine gemeinsamen Konten, Vollmachten oder sonstiges, wir wohnen aber schon einiges länger als 1 Jahr zusammen.

Ist die Frage, ob man unter diesen Umständen der Arge glaubhaft machen kann, dass wir keine BG sind, bzw., wie man diesem entgegenwirken kann.

Desweiteren habe ich gelesen, dass das Amt keine Befugnis hat, in diesem Zusammenhang einen Besuch zu machen, da man diese Dinge auch anders nachweisen kann.

So wie ich das sehe, hab ich zwei Möglichkeiten:

Entweder, ich gebe an, dass wir eine "WG" sind und nicht füreinander einstehen (was mein Partner auch finanziell gar nicht kann), oder ich "verlege" meinen Wohnsitz zu meinen Eltern, dort ein Zimmer entsprechend herzurichten mit einigen meiner Sachen etc, wäre nicht das Problem, ist auch direkt ums Eck.

Was die "guten Freunde" angeht: Ist die Frage, inwieweit die Arge einem "Anschwärzen" nach gehen würde, bzw. überhaupt darf, und ob solche Aussagen von Dritten überhaupt Einfluss haben? Dass man sowas nicht nach aussen trägt, ist klar..

Antwort
von cyracus, 166

In Deiner Frage sind ja mehrere Fragen versteckt, auf Du verlässliche Antwort bekommen musst. - Bitte hole Dir unbedingt auch Rat bei einer guten behördenunabhängigen (!!!) Beratungsstelle wie dieser Hamburger

Arbeitslosen Telefonhilfe

0800 111 0 444 - wenn Du in Hamburg / Umgebung wohnst oder

040 22 75 74 73 - wenn Du in einem anderen Bundesland wohnst.

Dort ist man zum Thema Arbeitslosigkeit (ALG I + ALG II / Hartz IV) sehr erfahren.

Notiere Dir am besten vor dem Anruf alle Deine Fragen wie Kontrolletti-Besuch, Haushaltsgemeinschaft, WG, ob Untermietvertrag möglich (den Ihr im Falle eines Falles ja bereits abgeschlossen habt) usw.

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Vorsorglich auch diese Hinweise von mir:

Umgang mit Sozialbehörden

Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen). Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel, Datum und Unterschrift bestätigen. (Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht das Schreiben rüber, „und hier brauche ich noch Stempel mit Datum und Unterschrift“).

Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben aufsetzen, in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird. - Wiederum dieses Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und Unterschrift bestätigen lassen.

Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt wird).

Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht behauptet werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und wenn doch, eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original unbedingt wie eine Kostbarkeit hüten). - Werden so die Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß allgemein die Sache sogar zügiger behandelt.

Siehe hierzu auch diese Information von gegen-hartz:

Wenn Hartz IV-Anträge verloren gehen

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/wenn-hartz-iv-antraege-verlore...

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Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein. Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos „im Vertrauen“ landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“ verwendet werden.

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Oft ist es ratsam, zum Amt einen Beistand als Begleitung mitzunehmen. Dieser muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Die Begleitung kann aber auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google mit 13 sgb 10):

  • (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht unverzüglich widerspricht.

Es gibt auch ehrenamtliche Behördenbegleiter. - Google jeweils mit Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

Ämterlotsen

Behördenlotsen

Behördenbegleiter

Hartz IV Mitläufer

Hartz IV Gegenwind e.V.

Wir gehen mit org

Diese Ämterbegleiter sind wertvolle Hilfen und notfalls auch Zeugen, und (die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine Ausbildung genossen und kennen sich bestenfalls mit den Gesetzen aus.

Falls Du in einer Bedarfsgemeinschaft (oder Haushaltsgemeinschaft) lebst: Andere Mitglieder solch einer Gemeinschaft können für Dich kein Beistand sein, denn sie sind nicht neutral, sondern automatisch selbst Betroffene.

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Und google mit

legitimation eines beistands pdf

und lade Dir die Datei vom elo-forum runter. Darin erfährst Du die gesetzliche Grundlage für Beistände und dass jeder Bürger ein Recht darauf hat, sich bei Behördengängen von einem Beistand begleiten zu lassen.

Auch erfährst Du so, dass wenn Dein Beistand für Dich etwas sagt, und Du widersprichst nicht, gilt es so, als hättest Du selbst es gesagt.

Kommentar von Emilystrange ,

Vielen lieben Dank, das ist wirklich sehr hilfreich für mich! Wenn ich das alles so lese, hoffe ich sehr, dass es erst gar nicht soweit kommt und ich doch noch etwas finde...

Kommentar von cyracus ,

Ich drück Dir die Daumen! - ♥ ‹(•¿•)›

Antwort
von VirtualSelf, 132

Wo du gemeldet bist, ist letztlich für die Leistungsbemessung irrelevant. ES kommt darauf an, wo du tatsächlich deinen Lebensmittelpunkt hast. Das ist zwar in der Regel dort, wo du gemeldet bist, aber es kann dennoch durchaus sein, dass kontrolliert wird, wenn Zweifel bestehen ... und begründete Zweifel sind schnell gesät, denn Denunzianten und Blockwarte sollte man nicht unterschätzen.

wird die Rente meines Vaters angerechnet?

Da ihr formal rechtlich keine Bedarfsgemeinschaft bilden könnt, ist eine Anrechnung seines Einkommens bei dir nur über die Unterhaltsvermutung des § 9 Abs. 5 SGB II möglich (außer er unterstützt dich freiwillig).

Da aber dein Alg2-Bezug keine Unterhaltspflicht der Eltern nach BGB-Recht "auslöst", reicht eine einfache Erklärung deinerseits, dass die Eltern FREIWILLIG keinen Unterhalt leisten und leisten werden, denn § 9 Abs. 5 SGB II kodifiziert KEINE PFLICHT.

http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/A01-Allgemein-Info/A015-Oeffentli...

Antwort
von Rentenfrau, 126

Hallo Emilystrange, wenn ein über 25jähriger bei den Eltern wohnt, wird deren Eltern grundsätzlich nicht angerechnet, aber das Jobcenter kann die Unterhaltsvermutung anstellen. Jedoch solltest Du, wenn du Dich ummeldest, nicht nur "so zum Schein" bei Deinen Eltern wohnen, denn sonst würdest Du unwahre Angaben machen und es wäre Betrug und die Sozialgerichte finden das nicht lustig, das kann schon mal ne saftige Vorstrafe geben.

Antwort
von Patrizia425, 104

ich sehe das auch wie Primus.....mache keine unnötigen fehler....das Jobcenter findet wirklich alles heraus..nicht nheut und nicht morgen aber sie finden es heraus.

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