Frage von solicitation1,

Wird das Aktien-Verrechnungskonto im Insolvenzfall der Bank genauso behandelt wie ein Festgeldkonto?

Die Vorgehensweise wie in Zypern könnte ja bald zum Standardvorgehen werden. So wie ich es verstanden habe, könnten dannauch die Sparer mit Ihren Spareinlagen im Insolvenzfall der Bank haften.

Wie wäre es dann, wenn man auf der Bank ein Aktiendepot mit einem Verrechnungskonto für das Aktiendepot und ein Geldmarktkonto hat. Also man hätte zum Zeitpunkt des Crashes einen Teil seines Geldes bei der Bank in Aktien angelegt (Aktiendepot), einen Teil auf dem Verrechnungskonto (weil ein offenes Kauflimit für einen Aktienkaufauftrag noch nicht gegriffen hat) und ein Teil des Geldes befindet sich auf dem Festgeldkonto.

Inwieweit dürften dann die drei Konten im Pleitefall der Bank herangezogen werden, wenn der "Zypern-Fall" eintreten sollte?

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Antwort
von gandalf94305,

Die geplante Grenze von 100.000 EUR je Sparer und Bank gilt je Engagement, d.h. ob das nun ein Verrechnungskonto, ein Girokonto, ein Festgeldkonto oder ein Tagesgeld/Geldmarkt-Konto ist, spielt keine Rolle.

Wenn Du ausstehende Aufträge hast, die sich so überlappen, daß am Tag X 150.000 EUR aus Wertpapierverkäufen eingehen, am Tag X+1 der Insolvenzfall eintritt und zu einem Tag X+Y der folgende Aktienkauf passieren würde, wird aufgrund der Insolvenz auch der Aktienkauf nicht mehr erfolgen.

Da das durchschnittliche Depotvolumen deutscher Sparer je nach Bank bei ca. 20.000 EUR bis ca. 45.000 EUR liegt, dürfte dieser Effekt nur sehr wenige Privatpersonen betreffen. Wenn deutsche Privatpersonen solche Beträge tatsächlich liquide benötigen, dann sind das eher Immobiliengeschichten als Wertpapieraufträge.

Abgesehen davon: wenn deutsche Banken reihenweise diesen Insolvenzfall durchexerzieren sollten, dürfte auch der Rest Europas in einem derart desolaten Zustand sein, daß man sich um sehr viel elementarere Dinge Gedanken machen sollte. Wer diese Paranoia hat, sollte sich Goldmünzen, einen Bauernhof mit ausreichend Ackerland und eine Biogasanlage zulegen... autark sein, wäre hier das Motto.

Und noch eins: wenn Du einem Energieunternehmen 1.200 EUR als Vorauszahlung anvertraust, um den Strom für die nächsten 12 Monate zu liefern, dann dieses Unternehmen gleich darauf bankrott geht, sind diese 1.200 EUR auch dahin. Müssen wir jetzt über eine Einlagensicherung für Energieversorger reden? Das Dumme bei der Insolvenz ist, daß die Gläubiger immer das Nachsehen haben. Meist ist nicht nur ein kleiner Teil, sondern in der Regel fast das ganze Kapital hinfort. Banken haben einen Sonderstatus, da ihr Geschäftszweck ja in der Durchführung der Geldgeschäfte und Abwicklung von Geldströmen besteht, aber im Grunde sind das doch auch nur Unternehmen, die irgendwann insolvent gehen können. Für Deine Fondsanlagen bekommst Du keine Zinsen, da die Bank nicht damit arbeiten darf. Für Deine Sparanlagen bekommst Du Zinsen, da die Bank damit arbeiten darf. Die Zinsen sind also die Entschädigung der Sparer für etwas einzugehende Risiken durch die Nutzung der Spareinlagen durch die Bank. Wenn Du also eine sichere Geldanlage möchtest, dann gibst Du treuhänderisch einem Anwalt oder Notar den Geldbetrag zur Aufbewahrung. Das ist dann Sondervermögen und unantastbar. Aber: es gibt auch keine Zinsen.

Es sollte aus meiner Sicht mal diese schizophrene Diskussion beendet werden, auf der einen Seite immer höhere, risikolose Verzinsungen zu fordern, auf der anderen jedoch die Einschnitte bei Insolvenzen zu beschreien und über steigende Inflationsraten zu jammern. Ist denn nicht klar, daß das alles zusammenhängt?

Antwort
von Candlejack,

Die Vorgehensweise wie in Zypern könnte ja bald zum Standardvorgehen werden.

Ich liebe die polemische Paranoia der letzten Wochen... Leute, bevor Deutschland seine Sparer enteignent, muss Europa derart mies da stehen, dass wir uns dann um mehr Sorgen machen müssen als um unser Erspartes.

Das ist so, wie ich den Kunden immer zum Thema Totalverlust bei globalen Aktienfonds (z.B. TopDividende) rate: Der Fonds kann nur pleite gehen, wenn die 70 bzw. 100 stärksten Dividendenunternehmen der Welt pleite gehen (100, weil der Fonds natürlich zu den nächsten umschwenkt, wenn die ersten fallen). Und wenn DAS passiert, haben wir ganz andere Probleme als unser Aktiendepot ;-)

Antwort
von qtbasket,

Zunächst einmal : Spareinlagen bis 100.000 € sind immer geschützt - da greifen deutsche und europäische Regelungen. Die Angst, dass also die Anleger für die Bankpleite mit haften müssen, ist deshalb bei fast allen Anlegern relativ gering - denn mehr als 100000 € Vermögen sind wohl eher die absolute Minderheit.

Aber bevor hierzulande ein Bank crasht muss es schon sehr schlimm kommen, siehe Commerzbank. Auch wenn die Aktionäre murren, ich finde es richtig, dass diese Bank jetzt alle Hilfen an den deutschen Staat vorzeitig zurückzahlen will..

Aktiendepots sind meines Wissens nicht Besitz der Bank, und ob sie nach obigen Modell bei einer Bankpleite angegriffen werden könnte, halte ich für rechtlich eigentlich unmöglich. Ebenso natürlich auch Fonds.

Was ich allerdings sehr bemerkenswert bei deiner Frage finde, bisher hat sich so niemand eigentlich Gedanken darüber gemacht, wie eine solche Vorgabe im Detail die Anleger treffen würde...

Kommentar von NasiGoreng ,

Spareinlagen bis 100.000 € sind immer geschützt

Der Glaube der meisten Deutschen an den Endsieg war auch nach der Schlacht von Stalingrad ungebrochen. Wir glauben eben an unsere Führung.

Kommentar von qtbasket ,

Das ist nun wirklich total banane......

Kommentar von Candlejack ,

Der Glaube der meisten Deutschen an den Endsieg war auch nach der Schlacht von Stalingrad ungebrochen. Wir glauben eben an unsere Führung.

Der Vergleich Einlagensicherung und Stalingrad ist völlig unangebracht. Außerdem war der Glaube nach Stalingrad gar nicht mehr ungebrochen, was mir gestern erst wieder eine Ausstellung bestätigt hat.

Antwort
von Privatier59,

Inwieweit dürften dann die drei Konten im Pleitefall der Bank herangezogen werden, wenn der "Zypern-Fall" eintreten sollte?

Wenn heute die Welt untergeht war der Kauf der Fernsehzeitschrift für die nächste Woche eine echte Fehlinvestition. Ich glaube jedenfalls nicht, dass sich Zypern so schnell wiederholt. Nur beim Weltuntergang bin ich mir nicht sicher.

Aber um auf Deine Frage zu kommen: Die im Wertpapierdepot gehaltenen Papiere werden von der Bank nur treuhänderisch verwaltet. Die sind dem Kunden ungeschmälert herauszugeben. Allerdings sei darauf verwiesen, dass die im Depot gehaltenen etwaig Bankaktien natürlich ungeachtet dessen ein trauriges Schicksal treffen kann.

Kontenguthaben aber könnte der Cut erwischen, egal wie das Konto auch lautet.

Kommentar von solicitation1 ,

Danke, das Guthaben ist aber mit einem offenen Kaufauftrag gekoppelt. Dann muesste ja die Bank den Kaufauftrag stornieren. Das wäre dann doch praktisch eine "Enteignung".

Kommentar von ertzu ,

Ist nicht alles eine Enteignung?

Kommentar von solicitation1 ,

Ist schon ein Unterschied. Das Geld auf dem Konto habe ich der Bank geliehen, die zahlungsunfähig ist. Sie kann mir somit das Geld nicht mehr zurückzahlen.

Aktien sind doch was anderes. Da steckt mein Geld in dem Unternehmen, das hat mit der insolventen Bank erstmal nur insofern zu tun, daß sie die Aktien für mich verwaltet.

Wer sagt eigentlich daß es die 100.000 Euro Grenze sein muß. Diese Grenze kann doch leicht verändert werden: ab 10.000 oder ab 1.000 Euro.

Antwort
von obelix,

käme der Zypernfall in Betracht, so könnten alle genannten Konten davon betroffen sein. Was in Aktien angelegt ist, ist Sondervermögen.

Welche Grenzen nun die Bank bei den Konten sieht, ab welchen nun ein Cut erfolgen könnte, ist im Einzelfall zu betrachten.

Es kann Regelungen geben, die jedes Konto einzeln betrachtet, alle Konten bei einer Bank in Summe wie auch das gesamte Vermögen auf allen Konten eines Anlegers.

Der Zypernfall träte nur dann ein, wenn du ein hohes Vermögen auf den Konten geparkt hättest.

Antwort
von NasiGoreng,

Ob Sparguthaben, Festgelder, Sparbriefe oder Guthaben auf Giro- und Wertapierabwicklungskonten, all das sind Bankeinlagen und werden im Falle einer Insolvenz der Bank zusammengezählt und bis maximal 100 TEUR entschädigt.

Wenn der Zypernfall in Deutschland einträte, dann wären alle Banken betroffen und alles wäre futsch. Die Einlagensicherungseinrichtungen wären nur ein winziger Tropfen auf den heißen Stein und andere Staaten die Deutschland dann helfen könnten gibt es nicht. Die wären schon vorher zusammengebrochen oder viel zu klein und überdies sowieso zu nichts verpflichtet.

Es ist übrigens nicht unrealistisch, wenn man so ein oder so ein ähnliches Katastrophenszenario innerhalb der nächsten 5 Jahre erwartet. Entweder weil man versucht hat, den Euro zu retten, oder weil man es nicht getan und die nationalen Währungen wieder eingeführt hat. Beides führt letztlich zu ähnlich schlimmen Verhältnissen. Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen, nur wollen es die meisten noch nicht wahrhaben.

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