Frage von suedlaender, 87

Wieviele unterschiedliche Einzelaktien im Depot haben um genügend diversifiziert zu sein?

Habe mittlerweile 22 verschiedene Einzelaktien im Depot. Alle Blue Chips. Reicht das um diversifiziert genug zu sein? Alle Anteile sind nahezu gleich. Gesamtwert um die 150.000 €.

Antwort
von Rat2010, 87

Du willst ernsthaft ein Aktiendepot zusammenstellen, dass es Rendite bringen soll und dann willst du auch noch genug diversifiziert sein?

Warum?

Mit Blue Chips bist du natürlich nicht auf Nebenwerten, mit europäischen nur europäisch, mit einem Teil der Welt nur auf den Teil der Welt und so weiter investiert. Dazu darfst du keine "Hobbys" haben, weil du sonst Growth oder Value, billig oder teuere Werte oder auch gut laufende oder schlecht laufende übergewichtest.

22 Bluechips können einen großen Teil der großen Werte der Welt abdecken, Sie können aber auch keine nennenswerte Risikostreuung bedeuten. Ob du in de ersten Variante ausreichend diversifiziert bist??? Hängt davon ab aber zu einer nennenswerten Diversifikation in dne Regionen ist es sicher zu wneig.

Wenn du bedenkst, dass sich auch institutionelle Anleger aus Gründen der Risikodiversifikation Fonds bedienen, sollte dir klar sein, wie aussichtslos es ist, es selbst zu versuchen, das Risiko halbwegs ordenltich zu diversifizieren.

Antwort
von gandalf94305, 75

Diversifikation betrifft verschiedene Merkmale eines Portfolios, u.a.

  • Ausfallsrisiken

  • Branchenrisiken

  • Regionale Risiken/Länderrisiken

  • Währungsrisiken

  • Konjunkturrisiken (z.B. Zykliker vs. Nichtzykliker)

22 Einzelaktien zu halten bedeutet, daß der Anteil jeder einzelnen Aktie um die 4,5% liegt. Blue Chips haben in der Regel eine relative geringe Ausfallswahrscheinlichkeit (aber keine von Null, siehe DEC, Enron, Global Crossing, Lehman Bros, ...), so daß das Risiko eines Einzelausfalls recht begrenzt ist. Normalerweise versucht man, einzelne Positionen im Bereich von max. 2,5% zu belassen, was ca. 40 Aktien entspricht. Rein numerisch könnte man bei 22 Qualitätswerten auch einen Haken daran machen.

Diversifikation bedeutet jedoch auch, daß man in Bezug auf Branchen, Währungen und Regionen gut verteilt ist. Das kann man erst sagen, wenn man die prozentualen Anteile der einzelnen Bereiche betrachtet. Ein Portfolio, das beispielsweise nur 22 deutsche Aktien enthält, wäre vielleicht in Bezug auf Branchen und Ausfallsrisiken diversifiziert, nicht aber regional. Passiert etwas in Deutschland (z.B. eine unternehmensunfreundliche neue Steuer- oder Arbeitsrechtgesetzgebung), dann könnten alle Aktien gemeinsam in die Tiefe rauschen. Daher kann ein Portfolio aus gut ausgewogenen, 22 europäischen Werten kann jedoch auch durchaus ausreichend diversifiziert sein, wenn dies alles globale Unternehmen sind, die im Prinzip überall in der Welt sitzen könnten - zufällig aber in Europa sitzen.

Das ist der Grund, warum institutionelle Anleger dann Teile ihres Portfolios durch ETFs ergänzen, die eine weitere Diversifikation mit sich bringen, jedoch nicht die Auswahl von Einzelaktien erfordern.

Überlege doch einfach, wo die wesentlichen Risiken lauern und was die Auswirkungen auf Dein Portfolio wären. Es wäre mit einer zu großen Zahl von Aktien in Deinem Portfolio auch das Risiko der Verzettelung zu betrachten, denn Du wirst den Überblick verlieren.

Kommentar von suedlaender ,

Die Einzelwerte wären: Sanofi, Essilor, HSBC, McDonalds, Yum, Unilever, Nestle, Air Liquide, At&T, British American Tobacco, Commonwealth Bank of Australia, Heineken, IBM, Loreal, Nextera Energy, Philip Morris, Total, Schlumberger. Pepsico, LVMH; Canon, Bank Of Nova Scotia. Das wars glaube ich. Habe noch vor BHP Bil. dazuzukaufen.

Kommentar von gandalf94305 ,

Schön, aber Du erwartest jetzt wohl nicht, daß ich das in meine Analysesoftware kippe und die nächsten Stunden Fundamentaldaten und Charts untersuche. Der letzte Absatz meiner Antwort war eigentlich eher eine Aufforderung an Dich, das mit Bordmitteln zu tun ;-)

Kommentar von Rat2010 ,

Bei der Auswahl denkst du ja wohl hoffentlich selbst nicht dass das auch nur halbwegs dut diversifiziert ist. Gefühlt 1/3 Frankeich, 1/3 USA.

Deutschland, Spanien,Italien, Osteuropa und ein Großteil des Restes der Welt, der wie die ersten vier Länder/Region auch durchaus der sein kann, wo man kommendes Jahr die Gewinne macht ist nicht vertreten. Asien ist nur als Alibi vertreten.

Sonst habe ich neun Konsumwerte gezählt.

Gefühlt würde etwas Siemens, Fiat, etwas aus Polen, Skandinavien, der Türkei, Afrika, Russland, Indonesien, Südamerika und so weiter helfen. Die frage ist nur, ob du dich dann nicht verzettelst.

Kommentar von gandalf94305 ,

Stimmt, aber das ist genau der Punkt, an dem man beispielsweise ETFs auf ein paar fehlende Märkte mit beimischen würde, um diese vertreten zu haben. Hier würde ich übrigens ETFs wählen, da die aktive Strategie eines konventionellen Fonds die Effekte der Einzelaktien konterkarieren könnte.

Antwort
von uhrmacher, 73

Es kommt natürlich auch darauf an, welche Branchen betroffen sind und welche Länder, das müsstest Du auch ausreichend streuen. Denke aber daran, dass Du hohe Kosten bei den Einzelwerten hast.

Kommentar von LittleArrow ,

Du hohe Kosten bei den Einzelwerten hast.

Wieso gibt es dabei hohe Kosten? Erkläre das bitte mal.

Kommentar von suedlaender ,

Wahrscheinlich weil ich 22 x Fixkosten zahlen musste. Wenn ich nur 1 Posten hätte gibt es bei Direktbanken eine Maximumgebühr, die in Bruchteil ist von den einzelnen Fixkosten zusammengerechnet.

Kommentar von gandalf94305 ,

Bei 150.000 und 22 praktisch gleichverteilten Werten hat man Positionsgrößen über 4.000 EUR, d.h. bei einer ING-Diba ist man damit bei recht günstigen Transaktionskosten, die sich auch durch Zusammenfassung nicht wirklich viel ändern - höchstens durch Deckelung der Transaktionskosten.

Positionsabhängige Depotkosten gibt es bei Direktbanken eigentlich nicht.

Damit dürften die Kosten der Einzelwerte in einer sinnvollen Relation zu den Anlagebeträgen stehen.

Kommentar von gandalf94305 ,

Klar, man hätte auch 150.000 EUR auf eine Aktie setzen können. Spart ungemein Kosten (hahahaha) und trägt zur Diversifikation ebenso ungemein (negativ) bei.

Kommentar von LittleArrow ,

Mich interessiert eigentlich, was uhrmacher mit der Aussage meint.

Antwort
von freelance, 62

generell würde ich sagen: ja. Nur sehe ich auch Ausnahmen:

  • wenn du alle Werte in derselben Branche oder Region investiert hast, dann hast du ein Branchen- oder Regionsrisiko
  • wenn du nur Pennystocks hast, dann ist das auch ein Risiko
  • wenn du nur Blue Chips aus dem Dax hast, hast du auch ein Risiko, wenn auch ein geringes
  • wenn du alle Werte in einer anderen Währung hältst (z.B. USD), dann hast du auch ein Risiko, die von der Währung kommt
Antwort
von qtbasket, 56

Sicher nicht schlecht, wenn es der halbe DAX ist.

Also, die Auswahl der einzelnen Titel ist schon entscheidend.

Nur richtig diversifiziert, das wäre optimal so die Größenordnung des MSCI Europa o.ä.

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