Frage von bvbvbv, 9

Wieso kaufen die Deutschen zur Zeit keine Aktien?

man liest von Dax Rekord und auch von vornehmer Zurückhaltung bei den Käufern? Wieso zögern die Deutschen derzeit mit deutschen Werten-zu teuer? Oder gibts derzeit interessantere Märkte? Wie ist Euer Kaufverhalten gerade im Bereich Aktien?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305, 2

Aktien haben seit der Nachkriegszeit den Hauch des mondänen und eines Instruments, das nur für Reiche und Spekulanten geeignet ist. Die Prägung durch Hyperinflation und Währungsreform besteht weiterhin. Kursverwerfungen durch allerlei Krisen haben diese Vorurteile ja nur bestätigt und letztendlich wird jeder, der dann doch mal bei der Deutschen Telekom zugegriffen hat, bestätigen, daß Aktien der völlige Schwachsinn sind. Also ist es auch nicht verwunderlich, daß im ganzen Land die Stammtische und Bild-Zeitungen widerstandslos gegen Banken wettern und sogar die Politiker mit abstrusen Ideen wie Finanztransaktionssteuern sich diesem Trend anschließen, um damit wieder Begründungen für neue Steuern zu bekommen.

Daher lassen sich deutsche Anleger lange Zeit, bis sie sich von allen Seiten in ihrer Kaufabsicht bestätigt fühlen, kaufen dann zögerlich zu Höchstkursen oder schon im Fall nach unten, halten bis zum Tiefpunkt und verkaufen in diesem, wenn dann ebendiese Publikationen, die zuvor euphorisch waren, nun vor Pessimismus tropfen. Damit fühlt sich der deutsche Anleger wieder in seiner Aktienskepsis bestätigt und zieht sich mit ein paar mickrigen Spareinlagen in die Höhle zurück.

Kompletter Unsinn. Das Problem liegt meines Erachtens in einer sorgfältig kultivierten Bildungslücke bei den Deutschen, die im Bereich von Kapitalmärkten und Geldanlagen keine Ahnung haben und daher ihren Sparkassen und sonstigen Banken vertrauen. Sicherheit ist wichtig. Daher gibt es auch Versicherungen für und gegen alles, was man sich so vorstellen kann und lieber nicht vorstellen will. Das totale Netz der Absicherung wird dann ergänzt durch Garantiefonds, Garantiezertifikate und alle möglichen Formen der Sicherheitsvorgaukelung.

Daß jedoch gerade in einem Land wie Deutschland, das wiederholt wegen seiner Exportfähigkeit und internationalen Wettbewerbsfähigkeit eine Partizipation an der Wirtschaft der beste Weg ist, Kapital im Sinne von Kaufkraft zu erhalten und zu mehren, sieht kaum einer. Knapp 15% der Deutschen halten Aktien oder Aktienfonds. Nur ein Viertel der Haushalte ist in irgendwelchen Fonds investiert.

Daher verwundert es wenig, wenn man mehr Jammerbeiträge über die niedrigen Einlagezinsen liest und daß hier doch der Staat sogar nachhelfen müßte, damit es den Sparern wieder besser gehen kann, als wirklich Anleger auf Aktien und Aktienfonds aufspringen. Das hat nichts mit deutschen oder europäischen Werten zu tun, das liegt am Begriff der "Aktien" und seiner Konnotation.

Nimmt man dann noch die Emerging Markets her, dann glauben - je nach Umfrage - ca. 25-30%, daß diese eine überdurchschnittliche Entwicklung hinlegen werden, aber es sind weniger als 3% der Deutschen tatsächlich in diesen Märkten investiert.

Hier fehlt meines Erachtens etwas, das ist bereits mehrfach hier und an anderen Stellen gefordert habe: eine schulisch verankerte Einführung in die Kapitalmärkte. Das würde sicher langfristig einiges ändern, da das Verständnis für die Kapitalmärkte ein ganz anderes wäre. Es würde wahrscheinlich sogar eine bessere Startup-Kultur in Deutschland fördern, da die Finanzierungsinstrumente weniger obskur wären.

Mein persönliches Kaufverhalten hat sich seit Mitte der 1990er Jahre an zwei Stellen deutlich verändert. Zuerst mit dem Zusammenbruch des Neuen Markts, als ich stringenter und disziplinierter in der Evaluierung von Wertpapieren wurde, da ich leichtsinnigerweise bei einigen keine oder nur sehr weite Stops gesetzt hatte. Zweitens so um 2006 herum, als die Investments in primär ETFs und Zertifikate aufgrund einer steigenden Korrelation in vielen Märkten nicht mehr so sinnvoll waren und daher der Fokus stärker auf Fonds ging.

Einzelaktien kaufe ich höchstens ab und zu für eine kurzfristige Spekulation, manchmal jedoch nicht einmal die Aktien, sondern ein Hebelprodukt darauf. Das Kerninvestment besteht aus Fonds und ETFs.

Welche Märkte spannend sind, spielt eigentlich keine so große Rolle, da man generell diversifiziert investiert sein sollte. Das kann zwar leichte Über- oder Untergewichtungen bedingen, aber letztendlich sollte man überall (und damit wirklich überall) etwas investiert sein. Was "spannend" ist, ändert sich so schnell, daß diese Aussage von heute schon nächste Woche nicht mehr gelten könnte.

Geht man von einem langfristigen Aufwärtstrend in einem beliebigen Instrument aus, dann reicht es ja sogar, nur regelmäßig in dieses zu investieren... und man gewinnt. Crashes sind Kaufgelegenheiten. Das geht ohne Kristallkugel... jeder kann das. Ok, fast jeder... jeder bis auf Deka :-)

Antwort
von Butterbaer, 2

Weil man zu viel bezahlt für das bisschen Maschinen, Grundstücke und Immobilien, die man in den Bilanzen findet. Und auf Rekordniveau verkauft man, im Jammertal da kauft man wieder. Ansonsten wird man nie eine Rendite erzielen in Zeiten fehlenden Wachstums und den bekannten demografischen Entwicklungen.

Kommentar von Angelsiep ,

Ist jetzt das Rekordniveau erreicht ?

Kommentar von Butterbaer ,

ich weiß nicht ob meine Glaskugel noch richtig funktioniert, aber rein vm gesunden Menschenverstand würde ich sagen, dass er fast erreicht ist. Denn Auswüchse wie Twitter sind oftmals ein Warnsignal, wie damals als Schuhmacher oder Schuhmann wie der hieß mit dem Ferrarie zur IPO von Infineon vorgefahren ist und es dann noch 10 jahre dauerte bis IFX profitabel wurde.

Antwort
von wfwbinder, 2

Man sieht es am DAX Rekord, die Aktien werden höher gehandelt als der SAchwert, sind also im ziemlich spekulativen Bereich.

Ausserdem sind die Deutschen in Geldsachen weniger auf Spekulation aus, als z. B. die Amerikaner.

Kommentar von tvshopper ,

mensch wfwbinder-dich hab ich hier schon lang nicht mehr "getroffen"-ich mag Deine Beiträge so gern, schön wenn du mal wieder öfters hier bist!!!

Kommentar von Rat2010 ,

Erst mal muss ich anmerken, dass es schön ist, dass es dich noch gibt. Man macht sich dann ja doch Sorgen.

Den Beitrag verstehe ich aber nicht. Was ist jetzt anders als 1993, 1995, 1996 oder sonst sein, als der DAX Rekorde gemacht hat? Die Bewertung ist der in den Jahren vergleichbar und es spricht wenig dafür, dass es jetzt anders kommen sollte.

Selbst an den Unkenrufern fehlt es nicht. Das sorgt schon seit 2009 dafür, dass Übertreibungen vermieden werden und der Trend verstetigt wird.

Die Deutschen haben sehr viel weniger Ahnung von Geldanlage als z. B. die Amerikaner, weil bei uns der Staat viel gibt aber auch wenig übrig lässt. Deshalb investieren sie zu wenig in Aktien. Dass Amerikaner spekulativer sind ... kein Mensch weiss, was die machen aber sie machenes besser.

Kommentar von wfwbinder ,

Danke, dass Ihr Euch Sorgen gemacht habt. Sind ja manchmal auch nicht ganz unbegründet.

Die Amis machen mehr in Aktien, aber auch in den USA gibt es eine ganze Reihe von Leuten die damit Geld in den Sand gesetzt haben.

Aber so einen Schwachsinn wie manche mit der Telekom, wo man zugesehen hat wie der Kurs um über 80 % fiel, nicht verkauft hat und sich dann beschwert hat, das bekommen nur Deutsche hin.

Ich werde vermutlich doch bald mal meinen alten Plan umsetzen und einen Kurs "Bilanzanalyse für Aktionäre" ansetzen.

Sogar das Regionalfernsehen interessiert sich.

Antwort
von SBerater, 2

Aktien waren für Deutsche noch nie der Renner. Die Quote der Aktionäre in D ist im internationalen Vergleich gering. Die Quote hat noch abgenommen in den letzten Jahren im Vergleich.

Durch die beiden letzten Börsencrashs haben sich viele Anleger auf die sicheren Anlagen zurückgezogen. Risikoaversion gab es schon immer, aber sie wurde noch verstärkt durch die letzte Krise.

Hinzu kommt, dass Deutsche sich wenig mit Finanzanlagen auskennen.

Antwort
von althaus, 2

Zur Zeit? Deutsche haben noch nie gerne Aktien gekauft, da das Risiko zu hoch ist. Es kam mal eine Flut von Käufern mit der Emission der Telekomaktie. Da sie aber mittlerweile 90% ihres Wertes verloren hat, bestätigt das die Kaufzurückhaltung der deutschen Bürger. Persönlich bin ich in Einzelwerte investiert und habe auch einen Fondssparplan. Bislang liege ich aber schief trotz Rekord im DAX.

Antwort
von hildefeuer, 2

Wieso sollten die Deutsch Aktien kaufen? Um ihre Geld zu verlieren? Ich kann aus meinem Bekanntenkreis 10-15 Personen nennen, die alle Geld mit Aktien und Fonds verloren haben. Einen kann ich nennen der Geld gewonnen hat. Der ist heute Filialleiter einer Sparkasse und hat vielen geraten Aktien zu kaufen und davon erzählt, das er jedes Jahr von den Gewinnen in Urlaub fährt mit seiner Familie. Meine letzte Investition in Aktien war 6000DM groß Mitte der 80er (20 Nixdorf 10 Siemens, 10 BMW). Habe 12 Jahre gewartet und dann 4500DM raus bekommen. Nein Danke nie wieder...

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