Frage von Darky444, 40

Wieso ist die Rückkehr vom Euro zu D-Mark für die Deutschland nicht rentabel (mit Beispiel)?

Ich höre immer wieder in Talkshows dass die Wiedereinführung der D-Mark sich für Deutschland nicht lohnen würde, weil diese dann stark aufgewertet werden würde, bzw andere Währungen würden abgewertet werden. Das würde die deutschen Exporte extrem verteuern und viele Arbeisplätze kosten. Meine Frage nun. Der Staat könnte doch gegensteuern indem Geld massig gedruckt wird. Dieses gedruckte Geld nimmt man für Investitionen in die Infrastruktur. Aufgrund des Gelddruckens kommt es zur Inflation, die Währung wird also abgewertet und schon wären die deutschen Exporte wieder billiger. Was ist falsch an meiner Idee?

Ich gebe mal ein Beispiel um das Szenario besser darzustellen:

  1. Deutschland führt die DM ein mit Kurs 1:1 zum Euro.
  2. DM wird aufgewertet 2 Euro für eine DM.
  3. Eine Neue Bundesbank schmeisst 100 Milliarden Anleihen auf dem Markt zu einem Zinssatz von 1%. Diese werden gierig gekauft.
  4. Man gibt die 100 Milliarden aus um Infrastruktur in Deutschland zu reparieren.
  5. Inflation steigt auf 4% (also auf keinem Fall eine Hyperinflation), Euro wird aufgewertet - 1.80 Euro für eine DM.
  6. Sind die Infrastruktur-Projekte fertig geht die Infation wieder runter. Man wiederholt alles ab Schritt 3 bis DM zu Euro wieder 1:1 sind und man druckt kein Geld mehr.

Ergebnis: Man konnte unglaubliche Geldmengen in die Infrastruktur investieren, hat am Ende den gleichen Kurs vom 1:1 zum Euro, Endinflation ist bei 2-4%.

Dies ist eine Folgefrage zu https://www.finanzfrage.net/frage/wieso-ist-die-rueckkehr-vom-euro-zu-d-mark-fue... weil ich nicht ganz klar war.

Support

Liebe/r Darky444,

da es sich um eine mehrfach gestellte Frage handelt wurde diese geschlossen.

Herzliche Grüsse

Jürgen vom finanzfrage.net-Support

Antwort
von gandalf94305, 25

Na gut. Tun wir mal so, als gäbe es eine Partei Analphabeten für Deutschland (kurz: AfD) und schlagen das im Parteiprogramm vor. Natürlich gewinnen wir mit Prof. Bert Lucky als Galeonsfigur die Wahl, weil alle (genau wie wir) keine Ahnung von der Materie haben, nur wir eben noch viel mehr.

Jetzt arbeiten wir das Genialprogramm ab.

Punkt 1: Die D-Mark wird wieder eingeführt. Wer bekommt die neue Währung? Wer darf welche Beträge tauschen? Nimmt die Bundesbank EUR entgegen und teilt dafür DEM aus?

Punkt 2: Wir warten. Die DEM wertet auf und 1 EUR kostet 0,5 DEM. Nun sind plötzlich aber auch die eingetauschten EUR, die bei der Bundesbank lagern, nur noch die Hälfte wert. Oops. Export-Produkte haben sich im Preis verdoppelt, was sich nicht durchsetzen läßt. Importe werden zunächst billiger, aber die Lieferanten wittern ein gutes Geschäft und erhöhen die Preise massiv. Der Effekt auf die Import/Export-Bilanz wäre also nicht ein Faktor 2, sondern deutlich geringer, obwohl die Haushalte davon mit mind. einem Faktor 2 getroffen würden. Ihre Gehälter würden ja nicht plötzlich doppelt so viel wert, sondern bleiben auf dem gleichen Niveau und machen die Preissteigerung mit. Wenn aber Importpreise stärker steigen als die Aufwertung vermuten läßt, wird unsere Kaufkraft abnehmen. Das schwächt den Binnenmarkt Deutschland und stärkt weiter den Binnenmarkt Rest-EU. Die Wirtschaft strauchelt.

Punkt 3: Jetzt werden die Anleihen auf den Markt kommen. Während zwar die Bundesrepublik immer noch einen guten Ruf genießt, ist der durch diese Emission in Höhe von einem Drittel des Bundeshaushalts etwas beeinträchtigt. Du sagst nichts über Laufzeiten. Ich gehe mal von 30jährigen Anleihen zu 1% aus. Die werden wahrscheinlich nicht ganz ausverkauft, da man sich jetzt nämlich fragt, wo die Wirtschaft in Deutschland sich hin entwickeln wird und ob aus diesem Wachstum (sofern vorhanden) auch die Kupons der Anleihe bedient werden können.

Punkt 4: die Inflation steigt dann sehr wahrscheinlich wirklich etwas an, aber nicht so stark. Da es ein Binnenmarktproblem gibt und die Anleihen nicht zu den Endverbrauchern fließen, wird es zunehmend eine Käuferzurückhaltung geben. Wir geraten in genau das Gegenteil: eine höchst gefährliche Stagflation. Das ist ein schlechtes Omen für die CDS auf Deutschland, d.h. die Anleihen werden leiden und für neue Platzierungen der Refinanzierungen (Deutschlands Schulden sind ja höher als 100 Mrd. EUR) müsste man immer höhere Zinsen zahlen, was die Spirale weiter antreibt. Übrigens hast Du nicht gesagt, ob es 100 Mrd. EUR oder 100 Mrd. DEM wären. 100 Mrd. DEM wären ziemlich einfach zurückzuzahlen, aber 100 Mrd. EUR wären ein Risiko, falls die DEM gegen den EUR dann wieder zurückfallen sollte, was sie ja tun wird.

Punkt 4: die 100 Mrd EUR sind schon längst von Schuldendiensten und Konjunkturnotprogrammen aufgefressen worden. Diese sind notwendig, um die Exportwirtschaft, die nun massiv unter Druck gerät, zu halten. Das Sozialsystem wird belastet, da es mehr Arbeitslose gibt. Die Krankenversicherung und Rentenversicherung werden nicht mehr von einer breiten Basis von Arbeitnehmern gefüttert, wohl aber gehen die Babyboomer in Rente und strapazieren die Kassen weiter. Immer mehr Sozialhilfeempfänger werden registriert.

Punkt 5: Wenn wir nicht in der Stagflation versinken, dann könnte nach einer gewissen Zeit die Inflation wieder leicht steigen und die Lohnspirale dreht sich wieder. Inzwischen dürften aber hochqualifizierte Arbeitskräfte schon längst in EU-Ausland abgewandert sind, wo sich nicht nur exzellent bezahlt werden, sondern auch genügend Jobs angesichts des Wirtschaftsbooms finden. Die Rest-EU-Länder profitieren vom Suizid Deutschland. Kränkelnde einstmalige Unternehmen werden von ausländischen Investoren aufgekauft - ein Patent- und Knowhow-Schwund findet in Deutschland statt.

Punkt 6: die Projekte werden nicht fertig werden, ja wahrscheinlich nicht einmal alle angefangen werden. Zu einem neuen Durchlauf des Schritts 3 kommt es nicht mehr, da die Spreads auf die EUR-Zinsen inzwischen für Deutschland bei magerem Wachstum viel zu hoch sind. Man kann aber mehr und mehr Geld drucken, so daß tatsächlich das Risiko einer Hyperinflation besteht.

Die Lehre von der Geschicht': einfach Geld drucken hilft nicht. Die deutsche Wirtschaft ist im Gegensatz zur US-Wirtschaft am Tropf des Exports. Die US-Wirtschaft hat einen großen Binnenmarkt.

Ich würde behaupten, daß Deutschland der Hauptprofiteur der EU ist. Die anderen Länder wie Frankreich, UK und andere haben es nicht geschaft, das Gefüge innerhalb der EU so für ihre eigenen Wirtschaftszwecke zu nutzen wie Deutschland. Deutsche Unternehmen exportieren trotz Krisen und Chaos weiterhin und durch die bestehenden Abhängigkeiten wird das auch auf hohem Niveau erst mal so bleiben.

Kommentar von gandalf94305 ,

Es gibt also keinen Grund für aberwitzige Experimente. Genauso wie ein Länderfinanzausgleich Baden-Württemberg zum Zahler und Bremen zum Empfänger macht, wird Deutschland Zahler bleiben und Griechenland wahrscheinlich ein Empfänger. Das ist aber auch nicht schlimm, da es in der Familie bleibt. Einziges Problem derzeit: Griechenland verfolgt eigene Interessen und die sind nicht abgestimmt mit Deutschland. Also müßte ein Teil der Haushaltspolitik im Gegenzug zu einem EU-Finanzausgleich abgetreten werden und es gäbe eine stärkere europäische Regierung. Oder aber die Geberländer könnten sich einkaufen - man könnte Aktien der Länder auf den Markt bringen. Ein solches Verfahren wäre eine gerechte Partizipation und würde uns als Europäer stärken.

Antwort
von wfwbinder, 19

Du siehst die Wechselwirkungen nicht und hast ein Problem mit den Institutionen.

  1. Der Staat (ich nehme mal an Du meinst Regierung und/oder Parlament) kann kein "Gel drucken." Herr über die Geldmenge ist die Bundesbank (z. Zt. für den Euro die EZB, und auch nciht europäische Kommission, oder Europaparlament).

  2. Wenn Du davon ausgehst, dass die Aufwertung nach der DM Einführung 100 % wäre (von 1,- auf 2,- Euro pro DM), würde es den deutschen Export, z. B. bei Autos extrem schädigen.

  3. Du willst, dass der Staat sich für investive Infrastrukturausgaben verschuldet. Problem, du müßtest wohl binnen eines Jahres 100.000 Automobilfacharbeiter in Teifbauarbeiter umschulen, oder wie willst Du die Arbeitslosen in den deutschen Topexportindustrien mit dem dann rapiden Anstieg von Arbeitskräftebedarf im Infrastrukturbereich ausgleichen?

  4. In dem Punkt 2 wird von 1,- auf 2,- Euro aufgewertet und dann in Punkt 5. wertest Du von 2,- Euro auf 1,80 auf, das paßt nicht ganz.

  5. Du kannst nicht einfach die Aufwertung auf "...." festlegen, sondern die ergibt sich an den Märkten. Ausser DEine frische DM ist nciht frei konvertierbar, aber dann gute Nacht.

  6. Ebenso die Inflationsrate. Die ergibt sich ebenso durch die Marktgegebenheiten. "Geld drucken" allein ist nur eine Einflussgröße. So wurde im Zuge des DDR Beitritts zum DM-Gebiet seinerzeit die Geldmenge erheblich erhöht. Der Marktpreis der DDR Mark war seinerzeit 1:6 das zahlten die DDR Bürger von sich aus. Der Umtauschkurs war 1:1 bis 1:3. Trotzdem gab es keine Inflation, weil das Geld auf Konten geparkt und relativ zurückhaltend ausgegeben wurde. Die Geldumlaufgeschwindigkeit sank. Ebenso die Reaktion nach der Finanzkrise 2008. Die EZB erhöhte massiv die Geldmenge udn die Inflationsrate ist seit dem fast durchgehend unter 1 % zeitweilig mit Deflationstendenzen, wegen der geringen Umlaufgeschwindigkeit.

  7. Du weisst überhaupt nicht, wie die Verbraucher reagieren würden. Eventuell wegen billiger Importe wegen der Aufwertung mit einem hohen Verbrauch. Oder, weil sie durch die Währungsumstellung verunsichert sind mit Spartendenzen?

  8. Und vergiss nciht die in Deinem System notwendigen Steuererhöhungen um die Staatsschulden zurück zu zahlen.

Antwort
von Snooopy155, 17

Die Inflationsrate ist nicht alles was die die Probleme beschreibt. Deine Gedankengänge setzen eine zusätzliche Neuverschuldung voraus. Profaner nennt man das heute über seine Verhältnisse leben und die daraus entstehenden Probleme einfach auf die nächste Generation abwälzen.

Antwort
von billy, 15

Hier eine TV-Fallstudie: Was wäre, wenn die D-Mark zurückkommt?

Die in der Fragestellung skizzierten Szenarios sind nichts als Spekulationen und Wunschvorstellungen, völlig weltfremd und unreal.

Über eine Sache sind sich die Experten einig: Die neue D-Mark würde gegenüber Euro und US-Dollar deutlich aufwerten. Importwaren würden für Deutsche billiger. Dagegen verteuerten sich deutsche Produkte im Ausland.

http://www.goldreporter.de/tv-fallstudie-was-waere-wenn-die-d-mark-zurueckkommt/...

Antwort
von freelance, 14

ich gehe weniger auf die Punkte selbst ein, aber du willst Geld drucken und vermutest, dass dann die Preise für die Exportgüter konstant bleiben?

Die Frage ist doch: warum soll das so sein? Würden die Kunden im Ausland nicht Abstand von so einer weichen Währung nehmen? Was gibt es für einen Sinn, als Kunde im Ausland die weiche, inflationsbelastete DM zu halten, wenn sie morgen nur noch einen Bruchteil wert ist? Jeder würde die DM meiden und die Produkte nicht in DM zahlen wollen, sondern in einer harten Währung.

Das mit der Inflation ist zu einfach, die Devisen würden die Wechselkurse sofort anpassen. Nimm doch mal weiche Währungen auf dem Globus. Wer will denn gewisse Währungen aus Südamkerika haben? Kauft man dort in der lokalen Währung ein oder zB in USD? Wollen die Bürger in den Ländern nicht auch lieber USD als so eine weiche lokale Währung? Hör dir einfach mal ein Paar Geschichten aus Venezuela an. Dort gibt es Inflation en masse.

Dein Modell wird so nicht funktionieren. Die Währung in D würde aufwerten (absolut nicht nur relativ) - ob mit oder ohne Geld drucken.


Wenn du von Geld drucken und Investition in die Infrastruktur sprichst, fällt mir schnell ein sehr dunkles Kapitel der dt. Geschichte ein. Da gab es auch hohe Infation und D war kein guter Schuldner. Vom Rest will ich gar nicht sprechen.

Antwort
von Rat2010, 11

Mit dem Euro geht was du schreibst, viel viel einfacher. Deutschland wird von aller Welt aufgefordert, Geld zu investieren.

Dummerweise hat irgendein Vollidi... ... Politiker den man für so eine Idee an den nächsten Baum aufk... ... nicht mehr wählen sollte, beschlossen, dass er ausgerechnet jetzt, wo man sich für lau verschulden könnte, einen ausgelichenen Haushalt will. Das kann uns auch mit der D-Mark passieren und es wird uns passieren, wenn man bedenkt, was war, als wir sie hatten.

Der ausgeglichene Haushalt ist kein Spaß. Deutschland zahlt aktuell 0,6 % für zehnjährige Anleihen, verschuldet sich aber nicht, worunter nicht nur die Infrastruktur sondern alle leiden.

Ergibt sich dei Frage, warum nicht alle auf dei Staße gehen, um dagegen zu demonstrieren. Scheinbar hat das keiner verstanden. Nicht mal die Opposition.

Kommentar von Zitterbacke ,

Auf der Straße ist es kalt . Uns geht es zu gut .

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