Frage von fragant22, 287

Wie Zins-Swap kaufen?

Ein Bekannter möchte einen Zins-Swap auf den EUROLibor (evtl. auch Cap Swap) zur Absicherung von einer Kreditsumme von 100.000€ nutzen. Wo bekommt man solch einen Swap? Bei der Hausbank? Gibt es im Internet Marktplätze dafür oder gibt es eine Börse für Zins-Swaps?

Ich würde mich sehr über Antworten freuen.

Antwort vom Steuerberater online erhalten
Anzeige

Schnelle und günstige Hilfe für Ihre Steuerfrage. Kompetent, von geprüften Steuerberatern.

Experten fragen

Antwort
von gandalf94305, 287

Es gibt ein paar Derivate auf Swaps, die Du über Scoach.de finden kannst. Die sind aber nicht über 25 Jahre gedacht zu halten.

Allerdings halte ich eine Absicherung eines Kredits von nur 100 kEUR über einen 10Y-Euribor-Swap für unsinnig. Wie hoch ist denn das Risiko? Was will er denn damit erreichen? Dieser kleine Betrag über 25 Jahre? Sorry, klingt höchst seltsam.

Dann sollte er doch gleich kein variables, sondern ein festverzinstes Darlehen abschließen. Warum denn über ein Swap-Konstrukt, das in diesem Bereich wahrscheinlich mehr Kosten mit sich bringt als das Zinsrisiko wirklich wert ist.

Im Prinzip kann die Bank, die den Kredit vergab, auch einen Swap verkaufen. Damit sichert die Bank ja auch ihre eigenen Risiken für Kreditpools ab. Er sollte mit der Bank sprechen. Die wird jedoch höchstwahrscheinlich fragen, ob er das für ein Darlehen mit der genannten Ausstattung wirklich ernst meint.

Kommentar von fragant22 ,

Es geht konkret um folgendes Problem (sorry für alle Leser, ich wiederhole mich hier kurz): Der Kreditgeber möchte den Marktzins bekommen (deswegen 6-Monats-EURIBOR). Der Kreditnehmer möchte jedoch einen fixen Zinssatz. Also würde ein Zins-Swap oder Zins-Cap in Frage kommen, richtig?

In welchem Rahmen liegen denn die Kosten für solch ein Swap-Konstrukt in Prozent pro Jahr so grob? Über 1-2% p.a.?

Kommentar von LittleArrow ,

Ausgehend von Deinem Kreditzinssatz von 4,25 % p.a. liegt die Marge bei ca. 4 % p.a. Dazu kommt der Refinanzierungsfestsatz in Höhe von ca. 4 % p.a., da es sich um marktunübliche, sehr schwierige Refinanzierungsbeträge handelt.

Antwort
von LittleArrow, 239

Derartige Swap-Geschäfte zur Absicherung eines variabel verzinslichen Kredites sind theoretisch denkbar, aber praktisch für Privatleute nicht realisierbar. Die theoretischen Vorteile werden durch den hohen administrativen Aufwand für die weitgehende Anpassung kompensiert. Abgesehen davon ist ein Euro-Libor kaum die richtige Zins- und Betragsgröße für einen derartigen Kredit.

Vermutlich ist aber auch der abzusichernde Kredit unzureichend beschrieben. Wie sieht es aus mit der Kreditlaufzeit, den Tilgungsmodalitäten, den monatlichen bzw. jährlichen Zahlungsfälligkeiten für Zinsen und Tilgung? Welche Sicherheiten kann der Bekannte für die Erfüllung seiner Swap-Verpflichtungen stellen, die auch aus den Inkongruenzen aus dem Swap und Kredit resultieren?

Swaps an der Börse? Dazu müssten derartige Geschäfte standardisierte Merkmale aufweisen. Ein bestehender Privatkredit dürfte da schlecht passend sein.

Mir wurden in der Vergangenheit einige Zins-Cap-Geschäfte bei Immobilienfinanzierungen bekannt, die allesamt eine Gesamtlaufzeit von nur 5 Jahren hatten. Aus heutiger Sicht wäre das ein sehr kurzfristiger Zeitraum für einen Privatkredit. Üblicherweise plagen Privatkreditnehmer lange Kreditlaufzeiten und enge Budgetrestriktionen, die den Einsatz von Swaps und Caps nicht sinnvoll machen.

Kommentar von fragant22 ,

Vielen Dank für die fachkundige Antwort! Zur Frage: Es geht konkret um einen Kredit mit folgenden Merkmalen:

Kreditsumme: 100.000€

Kreditlaufzeit: 25 Jahre

Tilgung: linar über 25 Jahre (ca. 333€ pro Monat)

Zinsfälligkeit: Am Ende des Jahres

Zinssatz: 4,25%

Währung: EURO

Zinssatz: Flexibel, orientiert sich am EUROLIBOR

Kommentar von LittleArrow ,

Immobilienkredit?

Welcher Euro-Libor?

Sehr ungewöhnlich ist die jährliche Zinsfälligkeit bei monatlichen Tilgungen. Wie soll das denn kongruent refinanziert werden, insb. bei den homöopathischen Tilgungsbeträgen?

Kommentar von gandalf94305 ,

Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der EUR-Libor, sondern der EURIBOR.

Kommentar von fragant22 ,

Sehr guter Einwand. Es ist kein Immobilienkredit und es existieren auch keine anderen Sicherheiten. Da Mal angenommen es handelt sich um einen PrivatKredit von einem Bekannten für einen Bekannten um das ganze einfacher zu machen zu den oben genannten Kondition. Der Kreditgeber möchte den Marktzins bekommen (deswegen 6-Monats-EURIBOR). Der Kreditnehmer möchte jedoch einen fixen Zinssatz. Also würde ein Zins-Swap oder Zins-Cap in Frage kommen, richtig?

An welche Stelle soll man sich melden um solch einen Swap zu bekommen? Sollte er dann einfach einen Termin bei einer x beliebigen Bank ausmachen und diesen Anliegen vortragen oder gibt es direkte Ansprechpartner für sowas (wie z.B. oben erwähnt die Landesbanken)?

Kommentar von LittleArrow ,

Alles, was Du über diesen Kredit schreibst, paßt nicht zusammen. Wo soll die Swap-Gegenseite für die Vertragserfüllung bei einem Privatkreditnehmer die Sicherheit/Bonität sehen?

Antwort
von althaus, 190

Privatleute können keinen Zins Swap kaufen.

Antwort
von HilfeHilfe, 181

Hallo

ich kann mich den vorrednern nur anschließen. Bei solchen "kleinen" Geschäften rentiert der Aufwand nicht. wenn Banken untereinander SWAP Geschäfte abschließen macht es neben der Masse auch das Volumen. Zumal du Sicherheiten stellen musst. Üblich ist ein täglicher Collateral austausch. Auf Cash oder Wertpapierbasis. Diese gestellten Sicherheiten werden wiederrum vom Kontrahenten verzinst.

Neuerdings dürfen die Banken die OTC Geschäfte seit diesem Jahr verpflichtend melden und über einen CCP ( Central Counterpart) clearen . Angefangen mit den "normalen" Zinsswaps.

Wie du siehst sind da 100k Peanuts. Da müsste dein Freund der Bank horrende Gebühren zahlen damit Sie ihn "mitspielen" oh Verzeihung mittauschen lassen^^

Kommentar von fragant22 ,

Danke für die Einschätzung.

Ich habe von dem BGH Urteil bezüglich Deutscher Bank gehört (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bgh-urteil-deutsche-bank-muss-schad...) Hier ging es auch "nur" um 540.000€ - Warum sollte man 100k nicht über einen Swap absichern können? Im Prinzip geht man doch so wie ich das bis jetzt verstanden habe, einen individuellen Vertrag mit der Bank ein. Man hört doch auch immer Geschichten über unwissende Rentner & Kleinanleger die Swaps "angedreht" bekommen haben von Banken, die werden doch auch nicht direkt ein paar Millionen in Swaps angelegt haben oder?

Kommentar von fragant22 ,

z.B. hier zu lesen: "Zahlreiche Banken haben ihren Kunden – Kommunen, mittelständischen Unternehmen, aber auch Privatkunden – in den letzten Jahren verstärkt den Abschluss von Zinsswaps (oft auch in Form von Zins-Währungs-Swaps) empfohlen. Viele Kunden haben dadurch hohe Schäden erlitten."

Quelle: https://www.winheller.com/kompetenzen/kapitalanlagerecht/aktuelle-faelle/zinsswa...

Kommentar von HilfeHilfe ,

Hallo

du verwechselt da was. Hier wird von einer Strafe über 540k gesprochen und nicht über das Volumen. Wo steht den ob die Bank evtl im Vorfeld schon 2 Mio an dem Kunden verdient hat ?

Grundsätzlich war es auch hier ein Unternehmen mit dem die Bank geschäfte gemacht hat. Sie wird sicherlich noch andere Produkte an die Firma gebracht haben.

Dein Freund will ja nur eine Absicherung. Gegenfrage. Warum hat er ein variables Darlehen aufgenommen wenn er sich jetzt über die Risiken bewusst wird und nun absichern will (?)

sowas macht man vorher und schließt notfalls ein festverzinliches annuitätendarlehen ab.

Gruß

Antwort
von qtbasket, 139
Kommentar von fragant22 ,

Vielen Dank, leider bezog sich meine Frage eher auf Privatkunden, das Angebot von LBB richtet sich aber an Firmenkunden oder?

Kommentar von LittleArrow ,

Der Einwand ist nachvollziehbar.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten