Frage von adrian1980,

Wie wird eine GmbH bewertet, wenn man einen Anteil kaufen möchte?

Mir würde einfach so eine Faustformel reichen. Wenn man jetzt die Bilanz vorliegen hat, wie kann man da auf die Schnelle pi mal Daumen den ungefähren Kaufpreis berechnen?

Grüße an alle.

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Antwort
von SBerater,

Pi mal Daumen? Ist nicht! Die Bilanz alleine reicht nicht, du benötigst mehrere Bilanzen und die GuV, wenn du einen Wert annähernd ermitteln willst.

Die Bewertung von Firmen ist keine einfache Kunst und sie ist vor allem auch teils sehr emotional getrieben. Aspekte können sein:

  • Mangement
  • Peer Group
  • übliche multiples in der Branche (KBV, KGV, Salesmultiple etc)
  • Ertragswertverfahren
  • discounted cash flow
  • Stuttgarter Verfahren
  • Zerschlagungswert, Substanzwert, Wert der Assets

Nur wer sehr viel Erfahrung hat, der könnte rein auf Basis einer Bilanz einen Wert 'erahnen'.

Man nehme die Tätigkeit eines Insolvenzverwalters: der hat mehrere Wertansätze. Und die können sich um ein Vielfaches unterscheiden. Der Unterschied liegt in der Zerschlagung oder Weiterführung.

Antwort
von Niklaus,

Pi mal Daumen ist Unsinn, Der wert eines Unternehmens ist ein komplexe Angelegenheit. Ein Faustformel gibt es da nicht.

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Steuern,

Aha... eine Faustformel unabhängig vom Geschäftsfeld, der Kundenbasis, der Nachhaltigkeit, dem Management... einfach nur eben auf Basis der Bilanzzahlen. Hmmm...

Die Faustformel ist einfach: Finger weg von allem, was Du nicht verstehst.

Kommentar von detlef32 ,

Aber wenn Du trotzdem ins kalte Wasser springen willst hier ein paar Kennzahlen die bei Aktienbewertungen herangezogen werden:

KGV: Kurs/ Gewinn Verhältnis. Also wie viel Gewinn sind im letzten Jahr (und werden erwartungsgemäß im nächsten Jahr) auf Deinen Anteil anfallen. Wenn das Verhältnis geringer als 10 ist und der Gewinn einigermaßen stabil ist dann ist das schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

KBV: Kurs/Buchwert Verhältnis. Also wie viel sind die Aktiva der Gesellschaft wert (Maschinen, Warenvorräte, Büroausstattung alles abzüglich Schulden - dann hast Du den Buchwert) und wenn Dein Anteil dann 20% betragen soll dann gehören Dir halt 20% des Buchwertes. Und wenn der Buchwert deutlich geringer als Dein Preis für Deinen Anteil ist dann muss der Rest (die Aussichten auf Gewinn) schon sehr, sehr gut sein um sich daran zu beteiligen.

Tja - und dann sollte man vielleicht noch die Bilanzen der letzten Jahre betrachten und sich fragen ob das Geschäft sich verschlechtert, verbessert oder gleich geblieben ist. Und woran das liegen könnte.

Kommentar von gandalf94305 ,

Sorry, aber das ist Nonsense. Man kann bei einer börsennotierten Gesellschaft vielleicht ein KGV bis 10 heranziehen, aber es kommt doch zumindest etwas auf die Größe der GmbH und ihre Branche an. Ob man nun Anteile an einem Klempnerbetrieb, einem Franchise-Handyshop oder einem IT-Startup kauft, macht schon einen kleinen Unterschied. Es geht nicht um Aktien, sondern um eine GmbH.

KBV ist ebenso eine Größe, die komplett versagt, wenn es um intellektuelles Kapital und andere "non-tangible assets" gibt, die bei kleineren Unternehmen, die im Wachstum begriffen sind, eine ganz wesentliche Rolle spielen.

Man kann bei nicht frei handelbaren Anteilen an einer GmbH nicht die gleichen Maßstäbe anlegen wie bei einer börsennotierten AG.

Antwort
von blackleather,

Wenn man jetzt die Bilanz vorliegen hat, wie kann man da auf die Schnelle pi mal Daumen den ungefähren Kaufpreis berechnen?

Überhaupt nicht. Inwiefern soll denn aus der Bilanz ein Rückschluss auf den Unternehmenswert möglich sein?

Kommentar von EnnoBecker ,

Was hältst du vom Stuttgarter Verfahren als Einstiegsgröße?

Due Diligence ist nicht ganz billig...

Kommentar von blackleather ,

*KREIIISCH!!!!!

*Zu-Boden-geh!!!

*Mit-den-Fäusten-auf-den-Boden-tommel!!!

*Stirn-gegen-den-Boden-knall!!!

Kommentar von EnnoBecker ,

???

Kommentar von blackleather ,

Du meinst das mit dem Stuttgarter Verfahren doch wohl nicht etwa ernst?

Das "Stuttgarter Verfahren", das seit der Abschaffung der Vermögensteuer jede Daseinsberechtigung verloren hat, ist ein Konstrukt, angesichts dessen die Wissenschaft - vor allem die Betriebswirtschaft - sich vor Abscheu schüttelt. Es ist weder reines Substanzwertverfahren noch reines Ertragswertverfahren. Es vermischt Elemente beider und behilft sich mit an den Haaren herbeigezogenen Koeffizienten sowie mit dem Glauben, die jüngste Vergangenheit müsse sich in der Zukunft zwangsläufig fortsetzen.

Wenn du wenigstens DCF-Verfahren gesagt hättest...

Das würde dem Fragesteller, der ja nur eine Bilanz, aber keine GuV vorliegen hat, aber genausowenig weiterhelfen wie das Stuttgarter...

Kommentar von EnnoBecker ,

angesichts dessen die Wissenschaft - vor allem die Betriebswirtschaft - sich vor Abscheu schüttelt

Alles richtig und es ist auch gut, dass es aus den ErbStR raus ist. Aber irgendwo muss man anfangen.

Ich hatte einen Mandanten zu betreuen, in dessen Satzung die Ausschüttungsverteilung explizit am Stuttgarter Verfahren festgemacht wurde. Und das war nach der ErbSt-Reform.

Kommentar von blackleather ,

Ich hatte mal einen Mandanten (GmbH), bei denen stand unter dem Stichwort "Ermittlung des Abfindungsbetrages" die Bewertung nach Stuttgarter Verfahren sogar im Gesellschaftsvertrag (der war 1986 aufgesetzt worden).

Es ist schon richtig, dass man irgendwo anfangen muss. Aber wenn man weiß, dass etwas falsch ist und zu keinem brauchbaren Ergebnis führt, muss man ja nicht damit anfangen. Ein Anfang wäre vielmehr, wenn der Fragesteller sich erst mal anstelle der Bilanz die GuV besorgt und eine Ertragsprognose für die nächsten 10 Jahre aufstellt.

Wenn er das nicht kann oder ihm die Informationen dazu fehlen, soll er auch nicht über den Unternehmenswert spekulieren.

Kommentar von EnnoBecker ,

eine Ertragsprognose für die nächsten 10 Jahre

Genau. Sowas hab ich früher auch mal gemacht. Vor etwa 10 Jahren ungefähr.

Inzwischen hab ich die Kristallkugel weggeschmissen. Aus gutem Grund.

Seither befasse ich mich mit Tatsachen. Ist irgendwie ... stabiler.

Kommentar von blackleather ,

Jede Prognose wäre einfacher, wenn sie nicht in die Zukunft gerichtet wäre.

Kommentar von EnnoBecker ,

So isses.

Früher war sowieso alles besser. Besonders die Zukunft.

Antwort
von Typderfinanzen,

pi mal daumen = x pi = 3,14 daumen = 0,5 Finger -> 3,14 * 0,5 = 1,57

Kommentar von Typderfinanzen ,

Ach das ist ja schwachsinn

Hab ja die Einheit vergessen -> 1,57 Finger

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