Frage von Jlagreen, 166

Wie wird die Beitragserstattung der PKV steuerlich berücksichtigt?

Hallo,

Ich bin seit ein paar Jahren bei der PKV und bisher war eine Beitragserstattung kein Thema, da meine Gesundheitskosten die Rückerstattung stets übertrafen.

Allerdings dieses Jahr sieht es schon anders aus, auch vor allem weil ich die PKV gewechselt habe (aktuell Signal Iduna) und die Erstattung bei der neuen Kasse deutlich höher ausfällt.

Konkret sieht es in meinem Fall so aus:

Gesundheitskosten: ca. 700€

Erstattung: Grunderstattung + 3 Monatsbeiträge -> ca. 1400€

Jetzt ist die Frage wie wirkt sich das nun steuerlich aus? Werden die gesamten 1400€ berücksichtigt, oder kann ich da doch noch die Kosten gegensetzen?

Und ganz wichtig, wie gebe ich die Beitragserstattung in der Steuererklärung an? Werden die 1400€ mit den PKV Beiträgen 2013 verrechnet oder zählen sie als sonstige Einkünfte?

Also konkret habe ich keine Ahnung wie das bei einer Beitragserstattung vor allem bzgl. Steuer abläuft. D.h. ich würde mich auch über einen Link mit fundierten Informationen sehr freuen.

Weiterhin noch eine Frage zum Ablauf. Rufe ich am besten die PKV an, wenn ich keine Rechnungen einreichen will, so dass sie die Beitragserstattung berechnet und mir überweist?

Antwort
von Privatier59, 161

Schön wäre es, wenn man die selbst gezahlten Gesundheitskosten mit der Erstattung verrechnen könnte. Leider könnte das aber nur bei den außergewöhnlichen Belastungen geschehen und da gäbe es neben dem zumutbaren Eigenanteil auch noch die Frage der Zwangsläufigkeit: Es besteht ja nun mal eine Krankenversicherung und die könnte man in Anspruch nehmen. Ergo: Die Gesundheitskosten kann man nicht verrechnen und muß sie aus dem versteuerten Nettoeinkommen bezahlen.

Die Aufwendungen für die KV werden daher um die vollen 1400 Euro gekürzt und anders als vor einigen Jahren kann man die Erstattung noch nicht einmal verschweigen da das FA die Zahlen heute automatisch vom Versicherer mitgeteilt bekommt.

Bei meiner PKV brauche ich nicht zu informieren wenn ich nichts an Rechnungen einreichen will. Die Erstattung kommt automatisch im Herbst des Folgejahres.

Kommentar von FREDL2 ,

@P59

Die Gesundheitskosten kann man nicht verrechnen und muß sie aus dem versteuerten Nettoeinkommen bezahlen.

Ich bin stolz auf Dich! Selbst gewusst oder aus Erfahrung klug geworden?

Kommentar von Privatier59 ,

Was hat der PKV-Versicherte mit dem erhabenen Buddha gemein?

Beider Lebensmotto muß sein:

"Leben ist Leiden".

Kommentar von Jlagreen ,

Da ich nicht eine Antwort zu meiner eigenen Frage schreiben will, kommentiere ich nun diese Antwort stellvertretend für alle Antworten (die andere Antwort wurde ja kräftig kommentiert ^^).

Also das Prinzip habe ich schon verstanden, mir geht es aber um einen anderen Punkt.

Wie kann ich im Vorfeld ermitteln, ob eine Einreichung der Rechnungen bei der PKV für mich finanziell sinnvoller ist als eine BRE?

Dass die 1400€ mehr sind als die 700€ ist mir schon klar, ABER da ja die steuerliche Komponente hinzu kommt, ist das nicht mehr direkt ersichtlich. Wie also finde ich heraus, ob und was mir von den 1400€ nach steuerlicher Berücksichtigung effektiv bleibt?

Bei den Vergleichswerte hier wird sich vermutlich die BRE rentieren, aber ich würde doch gerne für die Zukunft auch wissen, wie ich mich zu Beginn eines neuen Kalenderjahrs entscheiden soll (Einreichung JA/NEIN?).

Und muss man bei der PKV wirklich bis Herbst warten bis eine BRE stattfindet? Kann ich da nicht früher Kontakt aufnehmen und aussagen, dass ich keine Rechnungen einreichen werde. Würde das die BRE beschleunigen?

Kommentar von Privatier59 ,

Wie kann ich im Vorfeld ermitteln, ob eine Einreichung der Rechnungen bei der PKV für mich finanziell sinnvoller ist als eine BRE?

Da hilft nur rechnen, wobei das nicht unkompliziert ist, denn die jeweilige Höhe des Einkommens muß mitberücksichtigt werden.

Und muss man bei der PKV wirklich bis Herbst warten bis eine BRE stattfindet?

Ich kann mir KEINE PKV vorstellen die für einen einzelnen Versicherten Ausnahmen vom Verfahrensablauf machen wird. Kannst gerne bei Deiner PKV nachfragen, die werden das rundweg ablehnen.

Kommentar von Jlagreen ,

Hmm ok und wie rechne ich das? Die Mühe würde ich mir schon machen, aber gibt es irgendwo eine ungefähre Anleitung?

Ich könnte auch WISO Sparbuch nutzen, um es zu "Simulieren" oder?

Wenn ich es bisher richtig verstanden habe, müsste ich ja in etwa so vorgehen:

  1. PKV Beitrag - BRE (1400€) -> in Steuererklärung als PKV-Beitrag eintragen

  2. Gesundheitskosten (700€) -> als außergewöhnliche Belastung eintragen (vermutlich kein Effekt)

  3. Vorteil des BRE = Differenz aus BRE und Gesundheitskosten -> 700€, davon dann noch die Differenz aus den Steuerbescheiden (PKV ohne BRE und PKV mit BRE) abziehen und ich hätte meinen Vorteil der BRE, oder?

Inwiefern wirkt sich hier noch die höhe weiterer Werbungskosten aus oder ist das irrelevant?

Außerdem wird doch der BRE dem Kalenderjahr zugerechnet, in dem er gezahlt wird oder? D.h. BRE für 2013 wird 2014 überwiesen und dann mit dem PKV-Beitrag 2014 verrechnet, richtig?

Ich will ja keinen exakten Wert, eine Abweichung um +/- 50€ wäre für mich noch im Rahmen.

Kommentar von Privatier59 ,

höhe weiterer Werbungskosten

Wenn Du nur 700 Euro als außergewöhnliche Belastungen hast, kann ich Dir auch ohne Rechner sagen, dass der Steuervorteil NULL Euro beträgt. Also laß es gleich ganz bleiben dann sparst Du Arbeit.

Du mußt im Grunde Deine Steuerspitzenbelastung ermitteln, also mit anderen Worten: Du gibst in einen der unzählen Steuerrechner Dein zu versteuerndes Einkommen einmal mit und einmal ohne die BRE ein. Dann mußt Du zu dem Unterschied an ESt noch Soli und ev. KiSt dazu rechnen und schon hast Du den Betrag den Dich die BRE mehr an Steuer kostet. Kompliziert? Tja, so ist nun mal das Steuerrecht. Wenns einfach wär, könnte jeder Ochse Steuerberater werden.

Kommentar von Jlagreen ,

Naja, das probieren geht mit WISO Sparbuch recht fix.

Ich würde einfach mal meine Steuererklärung 2012 hernehmen und dort einmal PKV Beitrag ohne und einmal mit BRE eintragen. Den Unterschied am Steuerbescheid ist ja dann die Auswirkung, die ich direkt mit den Kosten und dem BRE vergleich kann.

Z.B. wenn mit BRE dann die Erstattung um 300€ niedriger ausfallen würde, dann hätte ich nach Abzug der Kosten und der Auszahlung der BRE noch einen Vorteil von 400€. Und genau das interessiert mich ja, ob eben BRE unterm Strich mehr Geld in der Tasche bedeutet oder nicht.

Oder habe ich hier einen Denkfehler?

Ok, da ich anscheinend eh noch mehr als genug Zeit bis zur BRE habe. Lohnt es sich vermutlich das Ganze mit der Steuererklärung 2013 und aktuelleren Zahlen zu rechnen.

Antwort
von alfalfa, 128

Also: Streng nach den Augen des Gesetzes können Sie nur die gezahlten PKV Beiträge abzüglich der erhaltenen Rückvergütung als beschränkt abzugsfähige Sonderausgaben gemäss § 10 EKSTG in ihrer Steuererklärung geltend machen. Also ist das Delta einzutragen,

Die Aufwände für die Gesundheitskosten (700€) sind als außergewöhnliche Belastung anzusetzen und werden um den zumutbaren Eigenanteil gekürzt.

Bei der PKV müssen Sie gar nichts tun, wenn Sie keine Belege eingereicht haben, die Gutschrift (oder der Scheck) kommt automatisch, wenn sie die Vorbedingungen für eine Rückvergütung erfüllen.

Kommentar von HilfeHilfe ,

nicht nur streng so ist es auch. Man kann zwar um die BRE zu erhalten die Rechnungen selbst bezahlen und ebenfalls als Sonderausgaben geltend machen wird aber idR nicht über den Betrag kommen der zugemtutet wird.

Man erhält ( zuimndest ich) auch eine steuermitteilung für das FA von der Gesellschaft wo die BRE schon berücksichtigt ist. Manche tragen sich einen Freibetrag ein, man sollte diesen allerdings um die BRE nach unten anpassen....

Kommentar von vulkanismus ,

Ich trage mir künftig auch einen Freibetrag ein. Da kann ich viel sparen.

Kommentar von HilfeHilfe ,

obacht ! Freibetrag verpflichtet zur Steuererklärung ^^

Kommentar von vulkanismus ,

Gut von den anderen gelernt. Was ich damit sagen wollte: Man kann sich keinen Freibetrag eintragen. Das hast du nicht gelernt.

Kommentar von Finanzschlumpf ,

Ich hatte dieses Jahr meine Rückerstattung auch angeben müssen, meine aber, dass es letztes Jahr noch nicht so war.

Daher werde ich in Zukunft auch Gesundheitskosten knapp unter der Erstattung lieber einreichen und meine Erstattung verwirken.

Kommentar von FREDL2 ,

@Finanzschlumpf

Ich hatte dieses Jahr meine Rückerstattung auch angeben müssen, meine aber, dass es letztes Jahr noch nicht so war.

Keine Sorge. Deine PKV hat die geminderten Beiträge auch im Vorjahr ans Finanzamt übermittelt. Wieso kommt mir jetzt der Begriff "Überwachungsstaat" in den Sinn? Kann mir einer helfen?

Kommentar von HilfeHilfe ,

naja, ein Arbeitnehmer "schnappt" sich auch Arbeitgeberleistung dank BRE weg und gibt sie auch nicht züruck oder ?

hmmmmmmmmmmmm

Kommentar von FREDL2 ,

Die Aufwände für die Gesundheitskosten (700€) sind als außergewöhnliche Belastung anzusetzen........

Nein. Hier fehlte es an der Zwangsläufigkeit. Eine außergewöhnliche Belastung liegt nur insoweit vor, wie der Steuerpflichtige tatsächlich belastet ist. Dementsprechend sind etwaige Erstattungen von der Krankenkasse gegenzurechnen und mindern die steuermindernde außergewöhnliche Belastung.

Kommentar von alfalfa ,

Na, dann befragen wir doch mal das Gesetz:

http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__33.html

Insofern bleibe ich bei meinem Statement.

Kommentar von FREDL2 ,

@alfalfa: da halte ich ganz locker dagegen.

Ein Ansatz als außergewöhnliche Belastung scheidet aus, da ja ein vertraglicher Erstattungsanspruch besteht.BMF 13.9.10, IV C 3 - S 2222/09/10041, BStBl I 10, 681.

Kommentar von alfalfa ,

Merci, das war mir neu. Les ich glieich mal nach.

Antwort
von mig112, 100

Die hält man wann immer möglich natürlich geheim!! Für deine Ausgaben bis zur Selbstbeteiligung gibt man dir ja auch nichts...!

Kommentar von Privatier59 ,

Mit dem Geheimhalten klappt leider nicht mehr seit St.Fiskus die Zahlen von der Versicherung frei Haus bekommt.

Kommentar von LittleArrow ,

Das hat sich in manchen (Fach)Kreisen noch nicht herumgesprochen. Etwa so ähnlich wie bei der vergessenen Kirchensteuer bei der Abgeltungsteuer;-)

Die PKV und GKV meines Nachbarn und seiner Frau weisen in ihrem jährlichen Beitragszahlungsschreiben ("Dokumentation der Vorsorgeaufwendungen nach § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG") immer auf die Meldung hin und verweisen auch auf eine Krankenversicherungsbeitragsanteil-Ermittlungsverordnung (KVBEVO).

Kommentar von Privatier59 ,

So ein Hinweis steht auf der Jahresbescheinigung meiner PKV auch!

Kommentar von FREDL2 ,

@P59: ja, und wenn Du ein ehrlicher Depp bist und die um die Beitragsrückerstattung geminderten KV-Beiträge in Deine Steuererklärung schreibst, zieht Dir das FA die gleich nochmal ab. So geschehen fürs Kj 2012. Missmutiger Kommentar des darauf hingewiesenen SB "das macht doch keiner von selber". Ich werd`s mir merken.

Antwort
von FREDL2, 90

Warum stellst Du die Frage erneut? Du hast sie bereits abschliessend beantwortet bekommen.

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