Frage von NaechsteFrage14, 14

Wie viel ist ein Unternehmen mit passivem Einkommen wert und ist der Umsatz entscheidend?

Ich hatte neulich mit einem Unternehmensberater wegen meinem Bruder zu tun. Dieser meinte, dass man als Faustformel als Verkaufspreis / Unternehmenswert einfach den Jahresumsatz annimmt.

Mein Bruder hat ein kleines Online-Unternehmen und verdient über Software-Lizenzen etwa 2.500€ im Monat allein an passiven Einkommen mit nahezu keinem Arbeitsaufwand. Dazu hat er dann noch Auftragsarbeiten. Ausgaben dementsprechend fast auch gar keine. Gesamtgewinn im Monat sind dann in etwa 4500€.

Wie kann es nun sein, dass er nahezu 10 Mal schlechter bewertet wird als beispielsweise ein Online-Händler mit im guten Fall 10% Umsatzrendite, obwohl der Online-Händler dann in etwa gleich viel in der Tasche hat?

Falls das alles Quatsch ist: Weiß jemand aus Erfahrung wie viel o.g. Unternehmen ganz, ganz grob Wert sein könnte?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, 13

Kein seriöser Firmenbewerter, wird die beiden von Dir genannten Unternehmenstypen nach dem gleichen Grundsatz (ein Jahresumsatz) bewerten.

Ein Onlinehandel, ist nach Art der angebotenen Waren (Modeschmuck ist was anderes als Computerhardware) basierend auf dem Gewinn, mit einem mehrfachen dieses Jahresgewinns zu bewerten. Das kann Recht viel sein, wenn es z. B. die Möglichkeiten gibt die Kundenkartei/-daten zu nutzen. Whattsapp wurde ja auch nicht nach Jahresgewinn bewertet, sondern nach den Nutzerdaten.

Das Onlineunternehmen Deines Freundes ist ein Sonderfall. Es besteht ja eigentlich aus zwei Unternehmen.

Einmal dem "Residualem Einkommen" aus dem Affility Marketing, also vermutlich den Internetlinks, die das Geld bringen und der Beratungstätigkeit.

Diese Provisionen aus dem Internetmarketing lassen sich vermutlich wirklich für ca. einen Jahresumsatz verkaufen. Nur eigentlich Quatsch, das kann man, wenn man kann (Basis sind ja meist eigene Seiten mit Inhalten die viele Klicks anlockt und die entsprechend hoch bei Google sind), auch noch als Rentner machen.

Der Teil mit den Auftragsarbeiten ist abhängig, davon woher die kommen. 10 Kunden die laufend Aufträge bringen sind zu verkaufen mit einer Einarbeitung. Wenn das aber personenabhängig ist, dann kann man Kunden kaum übertragen.

Antwort
von gandalf94305, 7

Die wesentliche Frage der Schätzung des Werts eines Unternehmens lautet doch, wie viel Umsatz in den nächsten Jahren generiert wird. Aktiv oder passiv spielt dafür keine Rolle. Es geht um Umsatz. Lizenzeinnahmen sind auch Umsatz.

2.500 EUR p.m. sind 30.000 EUR p.a. Was ist das genau?

- Pro Monat verkaufte Lizenzen => hier ist das Risiko, daß die Verkaufszahlen auch mal fallen können oder die Nachfrage schwindet. Wie lange geht das so weiter?

- Lizenzgebühren auf bereits erstellte Werke => diese werden nicht unbefristet gezahlt, sondern nur für eine gewisse Anzahl von Jahren. Das ist z.B. bei lizenzierten Patenten, Software-Lizenzen, Buch- und Medienrechten, Bildrechten etc. so. Auch dies muß bewertet werden: wie stark wirkt sich die Nachfrage aus? Wie lange wird die Zahlung vorhalten?

Auftragsarbeiten bedeutet Projektrisiko. Wenn er im Monat dann noch für 2.000 EUR Projektarbeit durchführt, sind das bei einem sehr moderaten Stundensatz von 25 EUR also 80 Stunden, d.h. ein halber Job. Woher bekommt er seine Aufträge? Wie kommt er selbst oder über Partner an diese? Was, wenn seine Leistungen in dieser Form anderweitig vergeben werden? Auch hier ist ein unternehmerisches Risiko vorhanden.

Dann ist zu bewerten, wie viel diese Leistungen an ihm hängen, d.h. wenn jemand das "Unternehmen" kauft, kann das überhaupt ohne die Arbeitsleistung Deines Bruders dieses Unternehmen weiterführen und die Umsätze aufrechterhalten?

Zu den Kosten: ich glaube nicht, daß er weniger als 10% an Kosten für diese Einkünfte hat. Er braucht sehr wahrscheinlich einen PC, Speichersysteme, Internetzugang, Telefon, ab und zu Fahrten mit dem Auto, hat ein Arbeitszimmer, ...

Und schließlich: Du sagst nichts über Wachstum. Dümpelt das "Unternehmen" so vor sich hin und liefert immer die ca. 4.500 EUR p.m.? Oder entwickelt sich der Umsatz stetig wachsend? Welcher Teil wächst warum? Wie entwickeln sich die Kosten? Läßt sich das Unternehmen auf mehr Umsatz skalieren?

Mit anderen Worten: der Online-Shop kann sein Programm erweitern und neue Kundengruppen erschließen. Man stellt ein paar mehr Leute für die Kundenschnittstelle, die Shoppflege und die Logistik ein - und hat ein Unternehmen im Umsatz vervielfacht. Dein Bruder ist die Schlüsselperson in seinem "Unternehmen". Ihn kann man nicht klonen. Das Risiko ist also signifikant höher bei gleichzeitig fragwürdiger Skalierungsfähigkeit. Damit ist notgedrungen sein "Unternehmen" deutlich weniger wert als das des Online-Shop-Betreibers.

Den Online-Shop könnte jemand übernehmen. Das Geschäft Deines Bruders nicht. Denn: wenn die 2.500 EUR auf alle Zeit so sicher sind, warum behält er dann nicht diese sichere Einkommensquelle und will sie verkaufen?

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