Frage von wahlmuenchner, 157

Wie Stundensatz berechnen?

Ein guter Freund überlegt gerade sich selbständig zu machen. Wie kann man ausrechnen, welchen Stundensatz er berechnen muss, damit sich die Selbständigkeit rechnet? Danke für Tipps!

Antwort
von Sobeyda, 157

Ich habe damals einfach ein paar Kollegen gefragt, die auch bereit waren, mir die üblichen Stundensätze zu verraten. Schließlich wollte ich mich nicht unter Wert anbieten oder die Preise kaputt machen. Entscheidend ist nicht, welchen Mindeststundensatz er berechnen muss, damit sich die Sache rechnet, sondern was er am Markt durchsetzen kann.

Wenn keine hilfsbereiten Kollegen zur Verfügung stehen, bleibt nur der bereits beschriebene Weg.

Ich weiss ja nicht, was Dein Freund machen möchte, für IT-ler gibt es bei http://www.gulp.de/ einen Stundensatzdatenbank, wo Mitglieder ihre aktuellen Stundensätze eintragen.

Antwort
von gandalf94305, 118

Es gibt zwei interessante Werte, die er bestimmen sollte.

  • seinem Kostensatz pro Tag

  • einen marktüblichen Tagessatz

Für den Kostensatz geht man so vor:

  • Summe aller fixen Kosten, die durch die Selbständigkeit anfallen, egal ob er Kundenaufträge hat oder nicht

  • Auslastungsgrad durch produktive, d.h. an Kunden belastete Aufträge (das wird maximal bei 80-90% seiner Kapazität liegen)

  • variable Kosten, die nicht Kunden belastet werden können (dazu gehören insbesondere Vertriebsaufwände)

  • sein gewünschtes Jahresgehalt (Einkommen in einem Kalenderjahr, das für Lebenshaltung, private Lebensführung etc. mindestens benötigt wird)

  • Steuern und Abgaben sollte nicht vergessen werden

Rechne alles zusammen und dividiere durch die Zahl der Arbeitstage im Jahr (das müssen nicht 220 sein, er kann ja auch nur 200 annehmen). Das ist der Kostensatz. Je nach Branche kommen hier so 150-500 EUR für den Tag heraus. Wird dieser im Mittel des Jahres unterschritten, lohnt sich die Selbständigkeit nicht.

Nun schaust Du auf einschlägigen Portalen mal nach vergleichbaren Stunden- oder Tagessätzen bzw. Leistungspreisen anderer Anbieter. Das dient als "Reality Check" für Deine Preisvorstellungen.

Auf Basis des oben verwendeten Auslastungsgrads kannst Du damit nun die Netto-Einnahmenseite als Plausibilitätsprüfung dagegenhalten. Je nachdem, ob Du auf Basis von Zeit (Stunden- und Tagessätze incl. oder zzgl. Reisekosten, z.B. ein IT-Berater) oder Leistungspaketen (schätze ab, welche Leistungen wie oft nachgefragt werden, welchen Zeitbedarf sie haben, wie viele davon im Jahr leistbar und erwartbar wären, z.B. bei einem mobilen Friseur) abrechnest, wird dies etwas anders ausfallen.

Durchlaufposten, die eine steuerfreie Erstattung darstellen (z.B. Reisekosten, die über einen Auftraggeber für dessen Rechnung anfallen) werden hier nicht berücksichtigt, wohl aber Reisekosten, die Du selbst als Aufwendungen hast (siehe Kosten) und im Tagessatz oder Leistungssatz bereits kalkuliert sind.

Das wäre nun eine Planung der Einnahmeseite. Dies sollte über dem berechneten Kostensatz liegen.

Die (positive) Differenz zwischen geplanten Einnahmen und geplanten Kosten kann in eine Rücklage oder in Investitionen gehen. Oder es ist einfach zusätzliches Einkommen für den privaten Gebrauch. Die jeweiligen Verwendungen haben steuerliche Unterschiede - hierzu hilft ein Steuerberater weiter.

Antwort
von RatsucherZYX, 100

Die Formel könnte man versuchen anzuwenden und weiter auszubauen:

Alle Kosten, wie z.B. Löhne Gehälter, Steuern, Versicherungen, Rücklagen, Kosten der Investtitionen, Rechtsberatung, Mieten, Instandhaltung, Fahrzeugkosten, Gewährleistungen, dividiert durch (Arbeitsstunden / Monat minus Krankheitszeit minus Urlaub, minus Leerlaufzeit mangels Auftrag.) =

Ab hier ist jetzt genügend Platz für Ergänzungen.

Antwort
von Juergen010, 75

Schau mal hier: http://www.akademie.de/wissen/stundensatz-kalkulation

Auf ca. Mitte der Seite gibt es einen Excel-Stundensatz-Rechner, der so ziemlich alle relevanten Größen berücksichtigt, zum herunterladen.

Antwort
von SBerater, 88

er sollte sich überlegen, wie viele Tage er im Jahr arbeiten will, dann sein bisheriges Jahresgehalt (in Anstellung) nehmen, 20% aufschlagen und daraus dann den Stundensatz ausrechnen :) Da kann man schon auf einen Stundensatz von mehreren 1.000 Euro kommen.


Ich finde eine Betrachtung aus mehreren Blickrichtungen sinnvoll, um hier die Wahrheit für sich zu finden:

  1. was bietet der Markt? Was verlangen Konkurrenten?
  2. Man nehme das bisherige Jahresgehalt und ermittle die Vollkosten (aus Arbeitgebersicht). Alternativ pauschal 20% zum Jahresbrutto aufschlagen
  3. man nehme die zu erwartende Auslastung. Als Arbeitnehmer arbeitet man über 200 Tage p.a. Eine Auslastung > 150 Tage p.a. für einen Selbständigen ist unrealistisch!!!!
  4. man kann von der Kostenseite kommen und seine Kosten ermitteln, hoch rechnen und dann auf den Stundensatz kommen

Wenn man den Marktpreis kennt, dann kann man sich an dem orietieren. Man könnte jedoch auch folgendes machen, wenn man diesen Preis nicht kennt:

suche eine Firma, die ähnliche Produkte/ Dienstleistungen anbietet. Ruf dort an und versuche, die Konditionen herauszufinden. Man kann sich ja als Interessent ausgeben, als potentieller Kunde. Dann bekommt man ein Gefühl für die Preise.

sich selbständig zu machen

welche Art von Selbständigkeit? Einzelunternehmer? Kapitalgesellschaft?

Antwort
von wfwbinder, 48

Wenn er sich als Freiberufler selbständig machen will, wäre die Kalkulation anders, als würde er die Kalkulation für einen Handwerksbetrieb machen.

Bei einem Freiberufler:

Miete

Nebenkosten

Strom

Versicherungen

Bürobedarf

Telefon

Werbung

........................ Reisekosten

Auto

(diese Kosten, wenn die Spesen den Kunden nicht direkt und zusätzlich in Rechnung gestellt werden)

.........

Sonstige Kosten

Abschreibungen auf die Betriebsausstattung

Zinsen

= Selbstkosten

Unternehmerlohn (sollte Krankenversicherung, Altersvorsorge usw. enthalten, bedenken ein selbständiger zahlt Arbeitgeber und Arbeitnehmerbeitrag)

= Gesamtkosten

geteilt durch die Stunden die verkauft werden können. Es muss gesehen werden, das nicht alle Arbeitsstunden, sagen wir 160 pro Monat verkauft werden können. Eigenverwaltung und Organisation brauchen auch Zeit.

Also Gesamtkosten/120 gibt einen realen Wert

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