Frage von suedlaender 20.12.2011

Wie sichere ich meine Aktienpositionen ab?

  • Antwort von gandalf94305 20.12.2011
    1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

    Absicherung bedeutet, daß man ein Instrument hat, mit dem Verluste begrenzt werden können. Das kann natürlich auf verschiedene Arten und Weisen erreicht werden, die auch unterschiedliche Kosten mit sich bringen.

    Nehmen wir mal an, Du kaufst bei 50 EUR 100 BASF Aktien. Das kürzliche Tief war bei ca. 44 EUR und es gibt einen Widerstand im Chart bei ca. 48 EUR. Jetzt stehen BASF-Aktien bei 51,70 EUR, d.h. 3,4% im Plus. Die Transaktionskosten betragen ca. 0,25% pro Kauf/Verkauf, d.h. in Summe ca. 0,5% von 5.000 EUR, d.h. 25 EUR. Verkaufst Du also bei EUR 50,25, so bist Du neutral, darüber im Gewinn, darunter im Verlust.

    Die erste Frage lautet: Welches Risiko möchtest Du eingehen? Du musst also eingrenzen, welche maximalen Buchverluste auftreten dürfen, bevor dieses Investment nicht mehr interessant ist. Glaubst Du daran, daß BASF auf 60 EUR springt? Oder befürchtest Du, daß Kurse von 40-45 EUR wie im Q1/2010 eintreten werden? Willst Du langfristig investieren oder eher mittelfristig?

    Willst Du Null Verlust erleiden, muss die Stop-Loss-Marke hart auf knapp über EUR 50,25, z.B. bei EUR 50,30 gesetzt werden. Damit bist Du (abgesehen von einem Gap Down, das über diese Marke hinwegspringt) sicher, keinen Verlust erleiden zu müssen.

    Willst Du max. 500 EUR Verlust pro Position erleiden, dann wären das 10%, d.h. EUR 45,23. Das ist aber charttechnisch eine ungünstige Marke, also geht man lieber auf 46,00 EUR. Dort wird ein Stop-Loss gesetzt. Nun kannst Du eigentlich nicht mehr als EUR 425 mit dieser Position verlieren.

    Die Stops können auch mental gesetzt werden, d.h. nicht per Order, sondern per Beobachtung und dann entscheidest Du ad hoc über Halten oder Verkaufen. Erfahrungsgemäß wird dann jedoch gezögert und die Verluste werden eher größer. Also wäre vielleicht die harte Stop-Loss-Order bei EUR 44 zu setzen, der metale Stop-Loss bei EUR 46.

    Es gibt auch Trailing-Stop-Losses, die mitlaufen, d.h. immer vom jeweiligen Höchststand seit der Stop-Loss-Order einen gewissen Abstand markieren. Setzt man einen Trailing-Stop-Loss bei EUR 46, so wäre das ein Abstand von EUR 5,70 zum aktuellen Stand von EUR 51,70. Steigt nun der Kurs auf 54,00 EUR, so läuft die Marke mit auf 46,00 EUR + 2,30 EUR = 48,30 EUR. Fällt der Kurs auf 53 EUR, so bleibt die Marke, um bei einem Anstief auf EUR 57 dann bis EUR 51,30 vorzurücken. Fällt nun BASF wieder auf die 50 EUR zurück, so wird vorher bei EUR 51,30 ausgestoppt, d.h. man hat eine Gewinnmitnahme. Läuft der Kurs bis EUR 51,50 und dann wieder auf EUR 60, wird nicht verkauft, aber die Verkaufsmarke schiebt sich auf EUR 54,30 vor.

    Wichtig bei Trailing-Stops: man darf sie nicht zu eng fassen, sonst triggern sie schon bei ganz normaler Volatilität des Werts.

    Das waren jetzt die einfachen Instrumente. Nun kommen wir zu Hebelprodukten. Hebelprodukte investieren nur in einen Teil eines Werts (eine Differenz zu einem Basispreis). Wikipedia wird Dir das im Detail zu Optionsscheinen und Turbos/Mini Futures verraten. Dadurch, daß man nur in die Differenz investiert, hat man einen kleineren Kapitaleinsatz gegenüber dem Kauf des Basiswerts.

    Nehmen wir also mal an, daß wir bei einem Sprung über EUR 56 keine Sorge mehr hätten, da dann der Wert auf jeden Fall ohne Verlust verkauft werden könnte (siehe Trailing-Stop-Loss von oben). Also nehmen wir z.B. ein Turbo-Put mit Basispreis von 56 EUR. Das kostet bei einem Kaufkurs von EUR 50 des Basiswerts (mit dem Kauf muss man ja auch die Absicherung erwerben) dann ca. EUR 0,6 bei einem Verhältnis von 10:1. Für die 100 Stück Aktien muss man also 1000 Turbo-Puts kaufen. Das wären 600 EUR.

    Steigen die Aktien nun weiter, so fallen die Turbo-Puts im Wert. Man gewinnt oder verliert in dem Bereich also noch nichts. Fallen die Aktien auf EUR 44, so wären die Turbo-Puts bei EUR 1,2 = 0,1 * (56-44), d.h. würden gerade den Verlust kompensieren. Mit Optionsscheinen geht das ähnlich, aber da kommt noch die Volatilität ins Spiel. Mit steigender Volatilität steigen die Aufgelder, mit fallender Volatilität fallen sie.

    Gehst Du von einer hohen Korrelation von BASF mit dem DAX aus, kannst Du auch eine Absicherung auf den DAX vornehmen, da dies dann BASF teilweise mit einschließt. Entwickelt sich der DAX schlecht, BASF aber gut, gibt es einen zusätzlichen Gewinn. Entwickelt sich nur BASF schlecht, d.h. läuft vom DAX abgekoppelt, war die Absicherung nicht gut gewählt.

    Es gibt weitere Strategien, die Kombinationen von Optionsscheinen oder Turbos beinhalten. Grob als Eindruck, was man macht, dürfte das jedoch mal reichen.

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